
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Höhepunkt: Florence Fehr wurde Ende 2007 zum Supermodel gekürt. (ZVG)
Die Tochter sei Realistin gewesen: «Flo hat wohl gewusst, dass sie sterben wird», sagt Raphaela Fehr (45). Und doch habe sie die Hoffnung nicht aufgegeben. «Sie hat bis zum Schluss mutig gekämpft.»
Die Mutter des blutjungen Models Florence Fehr steht auf dem Friedhof Rosenberg in Winterthur ZH und klammert sich an ihren Mann Oliver (48). Schützend legt er den Arm um ihre Schultern. «Nichts kann uns trösten», sagt der Vater. «Es gibt keinen einzigen plausiblen Grund, weshalb ein Mensch so früh sterben muss.»
Am Mittwoch vor einer Woche erlebten die beiden den grössten Verlust, der Eltern widerfahren kann: den Tod des eigenen Kindes. «Nicht mal das Wissen, dass unsere Flo nun wenigstens keine Schmerzen mehr hat, lindert unser Leid», sagt die Mutter.
Florence ist erst 14 Jahre alt, auffallend hübsch und eine ausgezeichnete Schülerin, als in ihrem Körper Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wird. Dank rascher Behandlung wird der Krebs besiegt. Florence blüht auf. Sie will leben und viel erleben! 2007 meldet sie sich zum Ford Model Contest, einem der wichtigsten Schönheitswettbewerbe der Schweiz – und wird am 5. Dezember letzten Jahres prompt zum neuen Ford Supermodel gekürt. «Sie war sehr glücklich», sagt Raphaela Fehr. «Und wir waren so stolz.»
Florence reist ans Weltfinale nach New York, ist in TV-Shows zu Gast und absolviert Fotoshootings im In- und Ausland. «Unsere Tochter hatte seit ihrer Kindheit ein Faible für die schönen Dinge im Leben. Sie las dauernd Modeheftli, liebte tolle Kleider, legte Wert auf ein originelles Aussehen, sie war generell ein sehr kreatives Mädchen», sagt die Mutter. «Ihr Traum war, später mal Stylistin zu werden oder Modedesignerin.»
Am 28. Februar 2008 dann die niederschmetternde Gewissheit: Eine Untersuchung im Kinderspital ergibt, dass der Krebs zurückgekehrt ist, diesmal sogar das Knochenmark angegriffen hat: Leukämie. Florence verlässt sogleich das Gymnasium, immer wieder muss sie ins Spital. Doch die Chemotherapie schlägt nicht an. Eine Knochenmark-Transplantation könnte helfen. Aber nicht bei Florence, obwohl bereits ein geeigneter Spender gefunden ist. Ihr Körper ist nicht frei von Krebs. Das aber wäre eine Bedingung für die Transplantation. Die Ärzte geben den Kampf auf. Florence darf noch einmal nach Hause, eine Woche lang. «Wir konnten intensiv Abschied nehmen voneinander», sagt Oliver Fehr, «dafür bin ich dankbar.»
Am letzten Freitag fand in der Kirche von Neftenbach ZH die Trauerfeier statt: Mehrere hundert Verwandte, Freunde, Mitschüler und Modelkolleginnen sind gekommen, um ihrer zu gedenken. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Schicksal zu akzeptieren», sagt Oliver Fehr mit versteinerter Miene. Dann umarmt er seine Frau Raphaela. «Flo wird immer bei uns sein», sagt sie. Ihr Zimmer wollen sie so lassen, wie es war, als sie noch lebte.
Ein Trost bleibt den trauernden Eltern dennoch: Valérie (18) und Thierry (14). «Mit unseren beiden anderen Kindern jeden Tag so bewusst wie möglich zu verbringen – das ist das Wichtigste in unserem Leben.»
play
Abschied: Vater Oliver und Mutter Raphaela Fehr gestern auf dem Friedhof in Winterthur.