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«Ich will die Menschen wissen lassen, was ich durchgemacht habe.» Das war Paris Hiltons Motivation für ihr erstes Interview nach dem Knast gab. Die dreieinhalb Wochen hinter Gittern – «eine traumatische Erfahrung». Doch die musste sein. Denn «Gott hatte einen Grund dafür». Und der Grund war: «Es gab mir eine Auszeit. Ich konnte darueber nachdenken, was ich wollte, wer ich bin.» Das Ergebnis: «Ich habe eine total neue Perspektive für mein Leben.»
In der Tat sah es wie es eine neue Paris aus, die sich durch den Nebeneingang in das Hochhaus des Senders «CNN» am Sunset Boulevard schleusen liess. Statt schrillem Mini-Fummel trug sie ein elegantes, beiges Seidenkleid, dessen Saum schicklich knapp über dem Knie endete.
Ihre Augen schützte sie gegen die kalifornische Nachmittagssonne mit einer Coco-Chanel-Brille. Und dann die Stimme. Die Fan-Welt ist an das piepsige Teenie-Geplapper des ultimativen Party-Girls gewöhnt. Bei Star-Interviewer Larry King präsentierte Paris sich so wie die Geschäftswelt sie kennt – als smarte junge Frau, die sich in «erwachsener» Stimmlage präzise artikulieren kann.
Der einzige «dumm-gelaufen-Moment»: Am Sunset Boulevard hatten sich Hunderte von Menschen zu einer Warteschlange formiert. Paris fühlte sich wie ein Rock-Star und winkte strahlend in die Menge. Was sie nicht wusste: Es waren nicht ihre Fans, sondern die von Paul McCartney. Der Ex-Beatle wurde gegenüber von «CNN» im Platten-Mekka «Amoeba» fuer ein Mini-Konzert erwartet.
Die letzten beiden Tage «waren ziemlich überwältigend». Die Entlasssung «war einer der glücklichsten Tage in meinem Leben. Es ist fast unmöglich zu beschreiben, wie aufregend es war. Die frische Luft, in den Himmel zu schauen, die Sterne zu sehen, draussen zu sein. Und dann der Tumult. Sobald ich meine Mutter sah, rannte ich auf sie zu und umarmte sie.»
Warum der Tumult? Was ist an ihr so Besonderes? Warum wird sie auf Schritt und Tritt verfolgt?
Paris schüttelt den Kopf: «Ich habe keine Ahnung. Ich lebe mein Leben.»
Also sie ruft nicht die Paparazzi an und sagt «Ich werde da und da sein. Kommt..»?
«Nein. Von dem Augenblick, an dem aufwache, bis zu dem, an dem ich schlafen gehe. Sie sind vor meinem aus und folgen mir überall hin.»
Wann begann das?
«Seitem ich nach mit 16 nach New York zog und als Model anfing.»
Hat sie sich daran gewöhnt, dass es keine Privatsphäe für sie gibt?
«Ich glaube, das ist einfach unvermeidlich.»
Dafür hat sie im Gefängnis die ultimative Privatsphäre gehabt.
«Die Wärter sind immer da. Also eine Privatsphäre gibt es da auch nicht. Aber es war ganz nett, mal für eine Weile von den Blitzlichtern weg zu sein.»
Wie gut hat man sie behandelt?
«Die Polizisten waren sehr professionell. Ich wurde behandelt wie jede andere Gefangene. Nicht besser und nicht schlechter.»
Wie war das, 23 Stunden allein in der Zelle zu sein?
«Ziemlich schwierig. Die Zelle war acht mal zwölf Fuss. Ein Metallbett, daneben eine Toilette mit Waschbecken und ein kleiner Metalltisch.»
Fernsehen, Radio?
«Nein.»
Hat sie gelesen?
«Ja. Eine Menge. Bücher.»
Fanpost?
«Viel. Ich habe auf meinem Bett gesessen und sie gelesen. Oft habe ich geweint. Die Fans haben mit geholfen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass mich so viele Leute aus so vielen Altersgruppen unterstützen. Mir wurde ganz warm ums Herz.»
Keine bösen Briefe?
«Keine. Ich war war wirklich überrascht.»
Woher kamen die Briefe?
«Aus aller Welt. Viele aus dem Irak. Von unseren Soldaten.»
Was tat sie in der einen Stunde, in der sie die Zelle verlassen durfte?
«Ich habe mich geduscht und meine Familie angerufen.»
Besucher?
«Samstag und Sonntag waren sie erlaubt. Zwei in einer halben Stunde. Meine Familie kam und einige meiner Freunde.»
Gab es Leute, die sie besuchen wollten und bei denen sie Nein sagte?
«Da waren wildfremde Menschen, die vorgaben mich zu kennen oder sogar mit mir verwandt zu sein.»
Das Essen?
«Es war schrecklich. Aber das ist wohl auch nicht anders vom Gefängnis zu erwarten.»
Was bekam sie zum Beispiel mittags?
«Etwas, was die Gefangenen ‹das Fleisch-Geheimnis› nennen. Dazu gab es zwei Scheiben Brot und Mayonnaise.»
Hat sie abgenommen?
«Eigentlich nicht. Vielleicht zwei Pfund oder so.»
Redete sie mit andern Gefangenen?
«Manchmal. Man konnte sich durch die Luftschächte verständigen. Die anderen Girls waren wirklich nett.»
Was war das mit ihrer angeblichen Krankheit, wegen der sie nach drei Tagen nach Hause entlassen wurde?
«Ich hatte Albträume, dass jemand in meine Zelle eindringen und mir etwas antun würde. Ich leide seit meiner Kindheit an Klaustophobie.»
Wie äussert sich das?
«Ich bekomme Panikanfälle, kann nicht mehr schlafen und essen.»
Wie kurierte sie sich davon hinter Gittern?
«Die erste Nacht redete ich mit mir selbst, sagte ‹Paris, bleib stark, du kannst das bringen›.»
Und danach?
«Ich meditierte, schrieb ein Tagebuch und stellte mir vor, irgendwo anders zu sein, wo es sehr schön ist.»
Was hat sie ihren Tagebuch anvertraut?
«Welche Gedanken mir gerade in den Kopf geschossen sind.»
Paris blättert in ihren Unterlagen (lose Blätter Papier), bis sie an eine gute Stelle kommt: «Das ist über die anderen Girls, die mit mir eingesperrt waren: «Ich fühle für alle mit, die ich im Gefängnis zurückgelassen habe. Ich habe das Glück, zu einem Heim und einer Familie zurückkehren zu können, wenn man mich freilässt. Die meisten Frauen hier haben diese Option nicht. Sie landen auf der Strasse und sind bald wieder im Knast. Ich will für sie einen Platz schaffen, der ihnen Unterkunft, Essen und Sicherheit bietet. So lange, bis sie wieder selbst für sich sorgen können. Ich hoffe, dass ich den Teufelskreis brechen kann.»
In ihren Augen stehen Tränen. Sie findet eine weitere Stelle in ihren Papieren:
«Wenn man in seinem Leben an einen Scheidweg kommt, spielt es keine Rolle, wie man dorthin landet. Wichtiger ist, wie man sich verhält. Normalerweise ist man da, weil man etwas Schwieriges durchmachen muss. Und nur dann kann man herausfinden, wer man wirklich ist und aus welchem Holz man geschnitzt ist. Es ist ein Prozess, ein Geschenk und eine Reise.»
Paris Stimme stockt, sie seufzt und atmet tief durch. Dann liest sie weiter: «Wenn man es schafft, diese Reise allein durchzustehen – egal wie schwer der Weg am Anfang einem erscheint – dann schafft man einen Neuanfang. Es ist kein Fall oder Absturz – einfach ein Neuanfang.»
Paris schaut hoch, faltet die Hände wie zum Gebet: «Das ist es auch für mich, ein Neuanfang. Ich habe meinen Gefängnisaufenthalt als Reise genutzt, mich selbst zu finden.»
Dann wurde sie freigelassen und musste am nächsten Tag wieder zurück in den Knast.
«Ich hatte ja keine Ahnung. Ich war so froh, zu Hause zu sein und da stand plötzlich am nächsten Morgen die Polizei an meinem Bett und sagte ‹Wir müssen Ihnen Handschellen anlegen›.»
Sie weinte beim Abtransport im Streifenwagen. «Weil ich ausser mir vor Angst war.»
Vor ihrem ersten Gang in den Knast, wollte sie sich bei den MTV-Awards noch einmal richtig austoben?
«Nein, ich wollte die Paparazzi austricksen. Sie lauerten mir ausserhalb meiner Villa und vor den Toren des Lynwood Gefängnisses auf. Mein Plan war es, während der Show mich unbemerkt davon zu stehlen und zum Gefängnis zu fahren. Das ist mir ja auch gelungen.»
«Es war sehr surreal, weil ich wusste, dass ich anstatt bei den Afterpartys in einer Zelle sein würde.»
Wann hat sie realisiert, dass sie tatsächlich im Gefängnis war?
«Als man mich in meine Zelle sperrte. Ich habe gedacht, ‹ich kann nicht glauben, dass ich wirklich hier bin.› Es war wie in einem schlechten Film.»
Musste sie sich bei der Durchsuchung nackt ausziehen?
«Ja. Das ist im Gefängnis normal. Es war die demütigendste Sache, die ich jemals im Leben durchgemacht habe.»
Ist es so eklig, wie man es sich vorstellt?
«Ja, sehr ekelhaft. Sich vor jemanden ausziehen zu müssen, den man nicht kennt.»
Fühlte sie sich ungerecht behandelt?
«Ich fand, dass mein Verbrechen in keinem Verhaeltnis zu meiner Strafe stand. Ich bin keine Kriminelle.»
Sie nahm eine Bibel mit ins Gefängnis. Ist sie religiös?
«Ich bin schon immer religiös gewesen. Als Kind ging ich auf katholische Schulen und hatte schon immer einen Sinn für Spiritualität. Der ist im Gefängnis noch gewachsen.»
Welche Probleme in ihrem Leben hat sie sich allein zuzuschreiben?
«Ich habe mich in der Vergangenheit sehr unreif benommen und viele falsche Entscheidungen getroffen. Doch ich habe daraus gelernt. Dazu gehörte auch, dass ich mich von einer Menge von Freunden getrennt habe.»
Warum?
«Sie waren keine positiven Einflüsse in meinem Leben.»
Wenn genau meint sie damit?
Mit einem Grinsen: «Ich will keinem wehtun. Aber diejenigen, die ich damit meine, wissen es.»
Meint sie damit auch Britney Spears?
Paris setzt ein Pokerface auf: «Britney ist ein nettes Mädchen. Sie ist eine gute Mutter, die ihre Kinder liebt. Sie hat es nicht leicht, weil sie im Rampenlicht steht.»
Was ist mit Lindsay Lohan?
«Ich wünsche ihr nur das Beste. Ich kenne sie gut. Sie hat Talent aber auch Probleme, wie viele Mädchen in unserer Stadt.»
Ihre «Simple Life»-Partnerin Nicole Richie hat Probleme, ihr droht der Knast.
«Ich hoffe so sehr, dass sie nicht hinter Gitter muss. Sie ist wie meine Schwester. Ich liebe sie so sehr und will nicht, dass ihr etwas Schlimmes widerfährt.»
Gibt es eine Eigenschaft, die sie selbst an sich nicht mag?
«Wenn ich nervös bin, rede ich mit höherer Stimme als normal. Das war bei mir schon als kleines Mädchen so.»
Neigt sie zur Eifersucht?
«Nein.»
Zu Wutanfällen?
«Nein. Es ist wirklich easy, mit mir auszukommen.»
Nimmt sie Drogen?
«Nein. Habe ich noch nie.»
Hat sie ein Alkoholproblem?
«Auf keinen Fall. Ich trinke nicht allzu oft.»
Dabei grassieren doch so viele Storys über Paris, wie sie auf Partys völlig blau und high war.
«Die Leute erzählen viele Sache über mich. Ich bin nicht die Person, für die ich immer gehalten werde. Ich bin oft schockiert, wenn ich Sache über mich lese.»
Warum hat sie nicht dagegen protestiert und eine Gegendarstellung verlangt?
«Wenn ich mich gross verteidige, würde das noch mehr Aufmerksamkeit erregen. Wenn Sachen nicht stimmen, dann ist es mir egal, was geschrieben wird. Solange meine Familie und Freunde die Wahrheit kennen.»
Das Problem ist nur, dass die Storys ohne ihr Dementi sich halten und weiter als Wahrheit ihre Runden machen.
«Das war mir bislang egal. Doch in Zukunft werde ich einen Riegel davor schieben.»
Aber es stimmt doch, dass sie bislang ein Partygirl war.
«Es stimmt, dass ich gerne unter Leute gehe und tanze. Ich bin halt Wassermann und ein geselliger Mensch.»
«Doch in Zukunft werde ich das einschränken. Ich bin an einem Punkt angekommen, wo mir Clubs und Partys nicht mehr so wichtig sind.»
Was ist die grösste Falschinformation, die über sie im Umlauf ist?
«Das ich nicht arbeite und das Geld meiner Familie verprasse. Das könnte nicht falscher sein. Ich habe mir als Businessfrau einen Namen gemacht. Mein Buch war ein Bestseller, meine Show ist ein Quotenhit, mein Debütsong war ein Hit und meine Firmen laufen super. Ich brauche das Geld meiner Familie nicht.»
Sie hat Anwesen in New York und Los Angeles. Wo fühlt sie sich mehr zu Hause?
«In Los Angeles. Das ist einfach meine Heimatstadt.»
Wenn sie ihr Leben noch einmal von vorne beginnen könnte, würde sie vieles ändern?
«Natürlich wünsche ich mir, dass ich früher gewusst hätte, was ich heute weiss. Wenn ich eine Tochter haben sollte, dann kann ich ihr viele gute Ratschläge geben.»
Will sie eine Familie?
«Auf jeden Fall.»
Will sie bald heiraten?
«Nicht sofort. Aber in ein paar Jahren. Ich liebe Kinder. Ich kann kaum erwarten, den Richtigen zu finden und mit ihm eine Familie zu gründen.»
Was muss der Richtige mitbringen?
«Ihm muss egal sein, was alles über mich geschrieben wurde. Er muss mich für die Person, die ich bin, lieben.»
Das muss eine starke Persönlickeit sein.
«Ich weiss, dass er da draussen irgendwo ist.»
Sie hat einen Psychiater, warum?
«Weil ich mit dem meine Probleme besprechen kann. Es hilft.»
Es heisst, dass sie Medikamente gegen eine psychische Krankheit einnimmt?
«Psychische Krankheit, so’n Quatsch. Ich leide seit meiner Kindheit am Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADS und nehme dagegen Pillen – so wie jeder andere auch, der das Leiden hat.»
Wie wirkt sich ADS bei ihr aus, wenn sie die Medikamente nicht schluckt?
«Ich kann mich nicht konzentrieren. Doch es beeinflusst mich nicht in meinem täglichen Leben.»
Glaubt sie, dass sie jemals ein normales Leben führen kann?
«Ich führe ein normales Leben. Ich sehe mich selbst als ein ganz normales Maedchen. Ich bin nicht anders als andere.»
Hat sie ihren Führerschein zurück?
«Ja. Ich darf wieder fahren. Doch ich glaube, dass ich mich in nächster Zeit erst einmal nur chauffieren lasse.»