ST. GALLEN - Kurt Felix ist nicht mehr. Ohne seine Paola hätte er kaum so lange gelebt. Das letzte grosse Traumpaar der Schweiz wurde zur Schicksalsgemeinschaft – und dadurch noch grösser.
Bis zum letzten Atemzug hielt sie seine Hand: Als Kurt Felix für immer die Augen schloss, war ihm seine Paola (61) ganz nahe. Mit bewundernswerter Willenskraft hatten der grösste Schweizer Fernsehunterhalter und seine Frau gegen den Krebs gekämpft.
«Paola hat mir in den neun letzten Jahren enorme Kraft gegeben. Ohne sie hätte ich nie so lange überlebt», sagte Kurt Felix nur Wochen vor seinem Tod zu SonntagsBlick.
Das Kantonsspital St. Gallen, in dem er am Mittwoch starb, war in den letzten Jahren fast zum zweiten Zuhause für beide geworden. Kurt und Paola haben miteinander und füreinander gekämpft, sich ergänzt und gestützt – auch in den schwersten Tagen.
Im bitterkalten Winter verliess er sein Haus in St. Gallen kaum noch. «Ich gehe gerade mal noch bis zum Briefkasten und zurück», sagte er am Telefon. Paola war immer bei ihm, auch bei allen Gesprächen mit den Ärzten. «Noch finden sie immer etwas, um meinen Krebs in Schach zu halten – eine neue Chemotherapie oder etwas anderes», gab sich Felix optimistisch.
Öffentliche Anlässe mit grossen Menschenansammlungen aber mieden die beiden schon seit Monaten, weil die geschwächte TV-Legende vor Ansteckungen auf der Hut war. Dafür kuschelte sich Paola am Abend zu ihrem Mann aufs Sofa. Stundenlang schauten sie sich Fernsehsendungen an, tranken ein Glas Wein und genossen ihre letzten glücklichen Tage.
«Mit diesen schönen Erinnerungen und einem Lächeln im Gesicht ist Kurt von dieser Welt gegangen», liess die ehemalige Schlagersängerin gestern über das Medienportal persoenlich.com ausrichten. «Gerade in dieser grossen Traurigkeit denke ich unendlich dankbar zurück an die schönsten Jahrzehnte meines Lebens, die ich mit ihm erleben durfte.»
Neun Jahre lang war die Liebe von Kurt und Paola stärker als der Krebs. Doch am Ende raubte ihm der Tumor die letzten Kräfte. Kurt Felix wurde von seinen Schmerzen für immer erlöst, die er so tapfer ertragen hatte. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde er nach einer Abdankungsfeier im engsten Familienkreis bestattet.
Wo genau sein Grab liegt, ist nicht bekannt. Neben Paola hinterlässt er seinen Sohn Daniel (46) aus erster Ehe, einen begeisterten Eisenbahn-Dokfilmer.
Auch die Öffentlichkeit darf von dem legendären TV-Profi und einstigen SonntagsBlick-Kolumnisten Abschied nehmen: Der frühere Fernsehmoderator Beat Antenen (57), ein enger Freund von Kurt und Paola, wird durch einen Gottesdienst für die Fernsehikone führen.
Der Blick nach vorn war typisch für Kurt Felix – nicht nur in der Zeit der Krankheit. «Vielleicht hätte ich den ‹Teleboy› etwas länger machen sollen», sagte er einmal über den Strassenfeger der 70er-Jahre, mit dem er jeweils mehr als zwei Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockte.
Auch mit der ARD-Sendung «Verstehen Sie Spass?» in den 80er-Jahren holte Felix die höchsten Einschaltquoten beider Jahrzehnte.
Kurt Felix war nach dem Tod von Hans Rosenthal (†1987) und Rudi Carrell (†2006) der letzte grosse Fernsehmacher, der seine Sendungen noch von A bis Z durchkomponiert hatte. Als im Jahr 2003 eine tennisballgrosse Krebsgeschwulst im Brustraum gefunden worden war – ein Thymom –, eilte er tags darauf mit Paola nach St. Moritz GR, um in einer Musikshow seines Freundes Gotthilf Fischer (84) mitzuwirken.
Dabei war damals unklar, ob Felix zwei Operationen und vier Chemotherapien, die ihm zunächst bevorstanden, überleben würde. «Wir hatten damals gesehen, dass wir selbst bei einem sehr grossen Eingriff keine Chance hatten, alles zu erwischen», sagte der behandelnde Arzt Thomas Cerny vor zwei Jahren im SonntagsBlick.
Damals hatte Kurt Felix gerade einen schweren Rückfall erlitten – sein Leben hing nach einer neuerlichen grossen Operation am seidenen Faden. «Niemand kann den Krebs je besiegen – auch ich nicht. Man muss lernen, damit zu leben», sagte Felix nachdenklich.
Auch wenn Thymome in der Regel erst sehr spät Ableger bilden – das Problem war, dass der Tumor in Richtung Herz und Lunge wuchs. So musste auch ein Teil der Lunge entfernt werden, was Kurt Felix in den letzten Lebensjahren einschränkte. Weil der Krebs sich ausdehnte, machten ihm starke Rückenschmerzen zusätzlich zu schaffen.
Mit Kurt Felix verliert die Schweiz ihren grössten Fernsehmacher. Vielfach empfing er hohe und höchste Ehrungen, darunter den Bambi und den Schweizer Fernsehpreis für sein Lebenswerk. Doch den grössten Preis sollte er nicht mehr in Empfang nehmen.
Vergangenen Februar hätte er in Deutschland mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet werden sollen. Doch Felix wollte nicht öffentlich eingestehen, dass er sich für die Reise nach Berlin zu schwach fühlte.
Auf die Frage, wie es ihm gehe, verwies er auf sein grosses Hobby – das Boot auf dem Bodensee. «Ich fahre im Moment in stillen Gewässern, aber ich befinde mich noch in der Erholungsphase.»
Kurt Felix wollte sich dem Millionenpublikum der Goldenen Kamera nicht als kranker Mann präsentieren. «Sie haben mir zugesichert, dass ich den Preis nächstes Jahr erhalte, wenn es mir wieder besser geht», zeigte er sich noch im Winter überzeugt.
Ja, Kurt Felix blickte immer nach vorn: Sein positives Denken war das Lebenselixier für das ehemalige Pflegekind, das sich von klein auf durchs Leben kämpfen musste. Als die ARD im vorigen Jahr Paolas 60. Geburtstag feierte, wurde ihr kranker Mann aus St. Gallen zugeschaltet.
«Du bist der Stern, der immer auf mich niederleuchtet», sagte er gerührt. Paola begann herzzerreissend zu weinen – wohl auch im Wissen, wie es um ihren Kurt steht.
Jetzt wird der Stern von Kurt am Himmel leuchten – und über seiner Paola wachen.
Alle Kommentare (35)