Lambiel-Meier Zu heiss fürs Eis

Im Alleingang wollen unsere Eislaufkünstler Sarah Meier und Stéphane Lambiel in Vancouver Punkte sammeln. Für SonntagsBlick wagten sie sich in die unbekannte Welt des Paarlaufs.

  • Publiziert: 20.09.2009, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Cécile Klotzbach (Text) und Sven Thomann (Fotos)

Es ist nicht der letzte Tango, und er findet auch nicht in Paris statt. Für das Fotoshooting tanzen Lambiel und Meier im Musikpavillon auf dem Zürcher Bürkliplatz. In elegantem Schuhwerk statt Schlittschuhen – zum Glück – denn das Eis würde unter ihnen schmelzen. Die bildhübsche Sarah im hautengen Abendkleid und der feurige Stéphane im Nadelstreifen-Anzug – allein der Anblick ist ein Spektakel.

Das Thema, der «Tango Argentino», ist nicht zufällig gewählt. In seiner Kür auf dem Eis tanzt Stéphane Lambiel Tango, und auch Sarah Meier hat südamerikanische Elemente in ihrem Kurzprogramm. Es ist der Samba, mit dem sie sich als heissblütige Eis-Latina präsentiert und von ihrem lieblichen Sweetheart-Image entfernen möchte. Sie erklärt: «Ich hätte gerne den Tango gewählt, aber meine Trainerin fand ihn zu wenig temperamentvoll.»

Olympia zum Dritten

Dafür ist er sinnlich und leidenschaftlich – genau das richtige für Heisssporn Lambiel. Als Sohn einer portugiesischen Mutter hat er lateinische Rhythmen und Leidenschaft im Blut. «Ich mag eigentlich alles aus dem Süden: Essen, Wetter, Lifestyle, Musik», sagt er. Und es ist seiner Leidenschaft zuzuschreiben, dass sich der 24-jährige Walliser nur neun Monate nach seinem Abschied vom Spitzensport für eine Rückkehr entschied.

Wie Sarah Meier will er nächsten Februar zum dritten und wohl auch letzten Mal im Olympia-Fieber schwelgen und brillieren – seinen schmerzenden Adduktoren zum Trotz. Anders als die 25-jährige Bülacherin, die der Schweiz mit ihrem 9. WM-Platz den Startplatz in Vancouver bereits sicherte, muss der Olympia-Zweite von Turin das Ticket erst noch erarbeiten. Dazu betritt er nächste Woche an der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf zum ersten Mal wieder eine Wettkampf-Arena.

Die Unterhaltungsbühne hat er hingegen nie verlassen. Das zeigt sich nur schon beim Styling zum Tango-Tänzer: Lambiel liebt die Show, Lambiel IST Show. Wie er sich mit kritischen Augen im Spiegel betrachtet, am Kostüm zupft, die Krawatte bindet und Hüte probiert, ist bühnenreif.
Mit seiner charismatischen Aura zieht er die Blicke aller Anwesenden auf sich, mit seiner extrovertierten Art bindet er sie draufgängerisch an sich.

«Wie sehe ich aus?», fragt er rhetorisch. Natürlich blendend. Ganz zu schweigen von Sarah, die ein Traum in Rot ist. Sie sehen authentisch aus, genau wie argentinische Tangotänzer.

Nun sollen sie sich auch authentisch bewegen. Aber das ist selbst für die zwei bekennenden Musik-Freaks kein Kinderspiel, wie sich herausstellen wird. «Mein Tango in der Kür ist eine eigene, moderne Interpretation», sagt Stéphane, «vom traditionellen Tango habe ich keine Ahnung.»

Deshalb hilft ein professionelles Tanzlehrerpaar von der «Academia Artedanza» in Zürich. «Mehr in die Knie, Arme höher, Fuss weiter weg strecken und abknicken, Kopf nach hinten», rücken Elisa und Ariel Niederer-Gutierrez unsere Eiskünstler in die rechte Position. «Meine Güte, ist das kompliziert!», staunt Stéphane. «Hilfe, so beweglich bin ich doch nicht!», beschwert sich Sarah, die auf dem Eis durchaus gelenkig wirkt. Angespannt schlingt sie ein Bein um Stéphanes Taille. «Diese Haltung geht ganz schön in die Muskeln!»

Weich in den Knien

«Sei mehr Macho!», wird Stéphane aufgefordert. Der lässt sich das nicht zweimal sagen, hält Sarah noch etwas entschlossener in den Armen und setzt sein stolzestes Gesicht auf. Und dennoch: Lockerer wirkt er bei seinen Trockenübungen, den Pirouetten, mit denen er zwischendurch aus Spass über den Steinboden wirbelt.

Die Lehrer sind begeistert von der Professionalität ihrer lernfähigen Schüler, die sich beim Tango-Abstecher höchst interessiert zeigen. Tief beeindruckt sind der Doppel-Weltmeister und die zweifache EM-Zweite, als ihnen die Tanz-Profis wie ineinander verschmolzen eine kleine Kostprobe geben. «Sie sind stets weich in den Knien, wirken so flüssig, machen alles ohne Kraft – extrem schön», schwärmt Stéphane. Auf dem Eis sei es viel härter. «Wir machen alles mit Willen und Krafteinsatz, der Körper braucht immer wieder Pausen – nichts ist flüssig.» «Anegwürgt», nennt es Sarah.

Im Gegensatz zum Eiskunstlauf gibt es beim improvisierten Tango keine Choreografie. «Der Mann führt, die Frau gibt sich hin», sagt Elisa. Und lachend erklärt Sarah, warum sie als Paarläuferin nicht geeignet ist: «Genau das wäre mein Problem!»

play Die Eiskunstläufer Stéphane Lambiel und Sarah Meier geben beim Paarlauf alles. (Sven Thomann)

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