Schulsilvester-Zoff in Sekundarschule Lehrer Heiser (51) kämpft für Schüler und wird gefeuert

DIELSDORF ZH - Wegen eines Vandalenaktes sollte Sekschülern in Dielsdorf ZH der Schulsilvester gestrichen werden. Lehrer Claus Heiser (51) stellte sich hinter die Teenies – und ist nun seinen Job los.

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Zoff um die traditionelle Schulsilvesterfeier an der Oberstufe in Dielsdorf ZH. Am Dienstag werden alle Schüler und Lehrer in die Aula zitiert. Vandalen hatten in den Toiletten der Schule gewütet, die Schuldigen müssen gefunden werden. Die Schule droht: Wenn sich die Vandalen nicht stellen oder sie niemand verpetzt, wird der Schulsilvester abgesagt.

Oberstufenschulhaus in Dielsdorf. play
Oberstufenschulhaus in Dielsdorf.

Ein Lehrer macht der Schule aber einen Strich durch die Rechnung. «Ich stand auf und stellte mich auf die Seite der Schüler», sagt Lehrer Claus Heiser (51) zu BLICK. «Ich verglich ihre Kollektivstrafe mit der Sippenhaft im Dritten Reich.»

Heiser spricht den Schülern aus dem Herzen. Sie fühlen sich unfair behandelt und versammeln sich voller Zorn vor dem Schulhaus, schwänzen kurz den Unterricht. «Die Schüler waren aufgebracht. Ich unterstützte ihren Standpunkt und sagte ihnen, dass sie sich gegen Ungerechtigkeiten auflehnen sollten. Sie sollten sich nicht wie unmündige Kinder behandeln lassen.»

Dafür bekommt er auch Unterstützung eines Vaters, der in einem E-Mail an BLICK schreibt: «Ein Lehrer stellt sich gegen den Führungsstil der Schulpflege und spricht das aus, was andere Kollegen sich nicht trauen auszusprechen. Ein rotes Tuch für die eigensinnige Behörde. Der Todesstoss für den Seklehrer.»

Streik in Dielsdorf: Schüler wehren sich gegen Kollektiv-Strafe. play
Streik in Dielsdorf: Schüler wehren sich gegen Kollektiv-Strafe.

Denn am nächsten Abend stehen Mitglieder der Schulpflege und ein Polizist vor der Tür von Lehrer Heiser. Sie händigen ihm eine Verfügung aus – er ist per sofort freigestellt. «Sie nahmen mir die Schlüssel ab und sagten, ich dürfe nicht mehr aufs Schulareal.» Die Begründung: Ehrverletzung und Illoyalität der Schule gegenüber.

Die Nachricht verbreitet sich sofort unter Schülern und Eltern. Viele von ihnen melden sich bei BLICK und bringen ihren Unmut zum Ausdruck.

Dieser Lehrer muss draussen bleiben play
Dieser Lehrer muss draussen bleiben Joseph Khakshouri

«Meine Reaktion an der Versammlung war definitiv provokativ, illoyal und ein klarer Affront gegen die Schulpflege», sagt Claus Heiser. «Doch ich bereue meine Reaktion nicht. Ich habe auf mein Herz gehört und mich für die Schüler eingesetzt.»

Obwohl Heiser bereits gekündigt hat und nur noch bis Januar unterrichtet hätte, schmerzt ihn das abrupte Ende. «Es ist wie in einem bösen Traum», sagt Heiser. Seit 30 Jahren ist er Lehrer, seit 13 Jahren unterrichtete er in Dielsdorf. Bei Eltern und Schülern war er sehr beliebt. «Er war der Einzige, der uns wirklich verstanden hat», sagt eine Schülerin zu BLICK.

Die Schule begründet ihr Vorgehen zum Schulsilvester mit Sicherheitsbedenken: «Es kam im Vorfeld zu Sachbeschädigungen, zudem hatte eine Lehrperson zu öffentlichen Protesten aufgerufen. Die Schulpflege prüfte, ob eine Durchführung des Schulsilvesters zu verantworten wäre, insbesondere bezüglich der Sicherheit», sagt Andreas Bantel, Sprecher der Schule zu BLICK.

Unterdessen sind die Vandalen gefunden, die Sicherheitsbedenken vom Tisch. «Das Fest kann wie geplant stattfinden», sagt Bantel. Doch Lehrer Heiser muss zu Hause bleiben.

Publiziert am 22.12.2016 | Aktualisiert am 26.12.2016
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41 Kommentare
  • Marc  Heusser aus Zürich
    23.12.2016
    Wie peinlich ist denn das für die Schulpflege! Kollektivstrafe! Das hat in einer rechtsstaatlichen Demokratie nichts zu suchen - und ist ein schwerer Mangel rechtsstaatlichen Handelns seitens der Schulpflege. Abgesehen vom Unverständnis für den Umgang mit Adoleszenten.
    Tragisch alllerdings, dass als Sündenbock der betreffende Lehrer nun gehen soll, und damit alles beim alten bleibt.
    Setzen Sie sich für ihre Rechte ein, Herr Heiser. Viel Kraft und Glück wünsche ich Ihnen.
    • C  Omputer 23.12.2016
      Kollektivstrafe ist eher Ihre Interpretation. Wenn ich das Video betrachte verstehe ich die Begründung der Schulleitung: Sicherheitsbedenken. Also nicht Kollektivstrasse. Wenn eine Brücke gesperrt wird, weil sie einsturzgefährdet ist, ist dass dann eine Kollektivstrafe für diejenigen, die sie überqueren möchten?
  • Marco  Stettler , via Facebook 23.12.2016
    Der Lehrer hat sicher provokativ gesprochen, dennoch zweifle ich, ob die Schüler mit Ihrem berechtigten Anliegen ohne seinen Auftritt durchgekommen wären. Auslöser war eine Kollektivstrafe für alle Schüler. Kollektivstrafen gehen gar nicht. Im Elternbrief der Schulleitung wurde der Lehrer zum alleinigen Sündenbock gemacht, das eigene Verhalten wurde aber nicht selbstkritisch hinterfragt.
  • C  Omputer 23.12.2016
    Wenn ich das Video anschaue und nur das unverständliche Geschrei höre, dann ist die nicht Durchführung der Silvesterparty auch kein grosser Verlust. Zudem kann man das ganze relativieren. Der Lehrer hat bereits gekündigt. Hätte er das gleiche getan, wenn er nicht gekündigt hätte? Hätte die Schulleitung gleich reagiert, wenn er nicht gekündigt hätte?
  • Wüthrich  Robert , via Facebook 23.12.2016
    Einmal mehr zeigt sich, dass die sogenannten «Schulpfleger» in ihrer Funktion unfähig sind. Menschen, die mittels einer Funktion plötzlich Macht erhalten - und diese auch ausspielen!
    • Max  Zolliker aus Zürich
      23.12.2016
      Alle vier Jahre gibt es die Chance, sich wählen zu lassen und dann alles besser zu machen.
  • Dieter  Schmid 23.12.2016
    1. Die Schulpflege sollte vorbildlich sein. Mit der Androhung der Kollektivstrafe ist sie das Gegenteil. 2. Aufgrund ihres Verhaltens sollte die Schulpflege bestraft werden. 3. Der Vergleich mit der Sippenhaft im Dritten Reich ist absolut gegeben. 4. Der Lehrer sollte belohnt werden. 5. Vernünftige Schulpflegen im Kanton haben den unsinnigen zerstörerischen Schulsilvester schon vor zwanzig Jahren abgeschafft.
    • Landre  Marb , via Facebook 23.12.2016
      @Pkt. 2. Das ist eine grundsätzliche Frage die gestellt und von den zuständigen Behörden aufgeklärt werden muss.
      (Nach meinem Wissen nach sind Kollektivstrafen im Schulwesen verboten. Bin mir dies bezüglich aber nicht sicher.)
    • Marco  Weber 23.12.2016
      Der vergleich mit Sippenhaft im dritten Reich ist absolut gegeben? So ein blödsinn!