Schweizer im Ausland: Die Serie «Zigarren-Baron» und Fussball-Freaks

  • Publiziert: 14.02.2006
  • Von Marcel Zulauf

SAN JOSE – Vor 13 Jahren wollte Urs Thoma in Costa Rica spanisch lernen. Mittlerweile hat er dort eine Zigarrenfabrik – und ein eigenes Fussball-Team. Roman Elsener kickt dagegen mitten in New York und will einen Film darüber drehen.

Wenn die Schweizer Nati im Juni an der Fussball-WM in Deutschland antritt, fiebert auch die 5. Schweiz mit. Etwa Urs Thoma in San José: Schliesslich kickt er selbst im roten Leibchen und für eine «Schweizer» Mannschaft. Das «Swiss Dream Team» hat der begeisterte FCZ-Fan in seiner neuen Heimat Costa Rica gegründet.

Vor 13 Jahren landete der gebürtige Schänner (SG) in Costa Rica. «Geplant war ein Jahr lang spanisch lernen und dann zurück», erzählt Thoma. Doch die Liebe warf seine Pläne über den Haufen. «Ich habe die Frau fürs Leben gefunden, eine 12-jähirge Tochter und als Nachzügler den 10 Monate alten Sämi.»

Vor sieben Jahren besuchte der überzeugte Nichtraucher erstmals Kuba. Sofort war Thoma Feuer und Flamme für die edlen Raucherwaren. Zurück in Costa Rica liess er sich von einem Fachmann ausbilden. Bald darauf stieg Urs Thoma alias Don Ursulo ins Zigarrengeschäft ein.

Klein aber fein ist das Geschäftsmotto des umtriebigen Schweizers. Er verkauft seine Zigarren direkt an die Kunden, einen Grossteil davon übers Internet «in über 30 Länder».

«Als Auslandschweizer mit wenig Kapital war es schwierig ein eigenes Unternehmen zu gründen», gibt Don Ursulo zu. Da kam ihm sein 50-Prozent Job bei der Schweizer Botschaft gerade recht. «Wichtig ist: Schweizer Gründlichkeit und Ehrlichkeit.» Damit bringe man es auch heute noch weit. «Und man muss ans Produkt glauben», betont er.

Zur Schweiz hat Thoma noch immer eine starke Bindung. «Ich lese jeden Tag Blick Online und schaue mir Sport am Wochenende im Internet an.» Er hält sich über das politische Geschehen in der Schweiz auf dem Laufenden. Aber vor allem über seinen absoluten Lieblingsclub, den FC Zürich.

«Ich hoffe, nächstes Jahr zur Meisterfeier des FCZ kommen zu können. Ich würde sogar eine FCZ-Meister-Zigarre kreieren.» Vom alten Letzi, das im Herbst abgerissen wird, hat sich Don Ursulo ein Stück Stehrampen-Beton bestellt – für die Vitrine im «Swiss Dream Team»-Club Lokal in Costa Rica.

Fussball ist auch für Roman Elsener wichtig. Der Wahl-New-Yorker verliess Rohrschach SG vor zehn Jahren um sich in der multikulturellen Metropole als Texter und Musiker durchzuschlagen.

«Neben den Sonnenuntergängen über dem Bodensee vermisse ich hier nur den Fussball.» Glücklicherweise fand der 38-Jährige eine Truppe, die regelmässig im Battery Park kickt, «egal, ob im eisig kalten New Yorker Winter oder in der brütenden Sommerhitze», wie er betont.

Elsener fiel im Land von Football und Baseball bald einmal auf, dass vor allem Einwanderer jeglicher Herkunft Fussball spielen. Das brachte den Musiker auf eine weitere Idee: «Das Beispiel, wie Fussball als Integration und Friedensförderer wirkt, möchte ich in einem Dokumentarfilm festhalten. Derzeit sind wir auf der Suche nach Sponsoren für The Kick NYC.»

Läuft alles rund, soll der Film vor der Fussball-EM 2008 herauskommen. Und es sieht gar nicht so schlecht aus: «Adolf Ogi als Uno-Sonderbeauftragter für Sport hat uns ein Empfehlungsschreiben ausgestellt, das uns bestimmt gut helfen wird», ist Elsener überzeugt.

Die Fussball-WM diesen Sommer will er in der alten Heimat gucken: «In New York müsste ich dafür zu Unzeiten in Sportbars, wo man bis zu 25 Dollar dafür bezahlt, das Spiel stehend am Bildschirm zu verfolgen.»

Die Serie

ZÜRICH – Blick Online wurde von den über 600 Zuschriften mit spannenden Geschichten und schönen Bildern überrascht. In einer kleinen Serie sollen nun einzelne Auswanderer, ihre Erlebnisse und ihre Pläne vorgestellt werden. Was bisher erschienen ist, sehen Sie in der untenstehenden Linkliste «Schweizer im Ausland».

Neben den Storys ist auch ein Wettbewerb geplant: Der originellste «was ich vermisse»-Wunsch wird mit einem echt schweizerischen «Fresspäckli» prämiert.

Ihre Geschichte auf Blick Online

Sie können Ihre Texte und Bilder weiterhin direkt an zum@ringier.ch senden. Betreff: «Was mir gefällt. Was ich vermisse.»

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