«Wo sind die Männer?»

  • Publiziert: 10.02.2007, Aktualisiert: 11.02.2012
  • Chris von Rohr

Ex-Juror und Erfolgsproduzent Chris von Rohr (55) vermisst die fehlenden starken Männerstimmen. Da wurde bei der Vorauswahl geschlampt. Für ihn ist das Rennen gelaufen – Sandra Wild wird Musicstar.

Sandra Wild

Sandra wurde letzten Sonntag von Noëmi «Gundela Gaukeley» Nadelmann mit sinnloser Stutenbeisserei beglückt. Mikrophonhaltung und hörbare Atmung waren sexy und gekonnt. Sorry Noëmi, Pop ist nicht Klassik, und jetzt warten wir schon alle ungeduldig darauf wie du statt «La Traviata» einem Rocksong den Vibrato-à-go-go-Musical-Touch verpasst. Nun, ich habs in der ersten Staffel auch gemacht – aber als Joke, und dass die Kandidaten mir auch mal ‘ne 5 geben dürfen. Zu Sandra: Es muss sehr viel schief laufen, dass sie nicht MusicStar wird. Ihre Körperpräsenz ist noch ausbaufähig, aber wenn sie singt, kommt das so mühelos und natürlich daher wie wenn Roger Federer zum Matchball aufschlägt.

Singt heute «Don’t Let Go» von En Vogue

Börni Höhn (20)

Die Luft wird dünn. Warum? Weil ihr rockender Gören-Stil weniger variabel ist. Börni ist wie keine andere abhängig von der Songzuteilung. Schon in der 2. Staffel haben ich und die damalige Plattenfirma Universal uns vehement gegen diese sinnlosen Stilschubladen ausgesprochen. Für was soll das gut sein? Sicher nicht, um seinen Stil zu verfeinern und die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Die Deutschen und Engländer haben längst begriffen, dass auch die Zuschauer mehr davon haben, wenn die Kandidaten mehr mitbestimmen können, was sie singen. Börnis Originalität wurde schon zweimal durch affig antrainierte musikalische Reflexbewegungen zugeschüttet. Hoffentlich wird ihr das nicht zum Verhängnis.

Singt heute «Beautiful Disaster» von Kelly Clarkson

BRIAN ABEYWICKREME (18)

Wo bleiben bloss die Männer in dieser Staffel? Nun ist der einzig übriggebliebene männliche Finalist ein Junge, der stimmlich etwa so spannend ist wie ein Naturejoghurt. Und der will heute rocken! Keine schlechte Idee. Der Song ist ein Stimmungsmacher. Wie Brian aber Steve Lees Powerstimme ersetzen will, ist mir ein Rätsel. Auch ich habe schon Gotthard-Playbacks ohne Lees Stimme gehört. Das klang nicht gerade nach Ekstase. Natürlich, es gibt viele Fachleute die sagen: It’s the Song – not the Singer! Zum Glück für Brian hats im Refrain viele Eoh-Eoh-Background-Stimmen. Gut möglich, dass es ihm ins Final reicht. Schon aus dramaturgischen Gründen wird wohl ein Mann bis zum Schluss dabei sein müssen.

Singt heute «Lift U Up» von Gotthard.

Fabienne Louves (20)

Warum nur will jede zweite Schweizer Vokalistin wie eine schwarze Soulsängerin tönen? Erstens haben unsere Mädels meistens keine solch rauchigen Powerstimmen. Zweitens tönt das schnell nach einem Tina-Turner-Möcht-Alike. Bemüht und austauschbar. Bei Fabienne ist das auch so. Der Unterschied: Sie ist farbig, freudig und tönt phasenweise wie eine Grosse ohne sich gross verstellen zu müssen. Obwohl man bei ihr als Farbige immer etwas mehr hört als wirklich da ist, also eine Art positiven Rassismus. Ihr grosses Plus ist die Natürlichkeit und Ausstrahlung. Ich würde es ihr gönnen, wenn sie sich heute durchsetzt. Denn eine stärkere Stimme als der Berner Troubadouren-Pfundskerl hat sie auf jeden Fall.

Singt heute «Paid My Dues» von Anastacia.

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