Zwei von 222'888 Schicksalen: Stephanie Iten (18) und Astrid Heller (57) suchen einen Job «Ich würde jede Stelle annehmen»

Die Zahl klingt nicht dramatisch – die Schicksale dahinter sind es. 3,7 Prozent: So hoch war die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Februar. Zwei Betroffene erzählen von ihrer verzweifelten Suche nach einem neuen Job.

18 Jahre alt und schon arbeirtslos play
Stefanie Iten (18) wünscht sich einen Ausbildungsplatz. Stefano Schröter

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Bis zu 40 Prozent geben auf Diese Lehren werden am meisten abgebrochen
2 Vielerorts geht nichts mehr Kunden ärgern sich über Swisscom TV
3 «Birreweiche» Mieterhöhung um 40 Prozent Alprausch schiesst mit...

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
152 shares
44 Kommentare
Fehler
Melden

Stefanie Iten (18) aus Hitzkirch LU ist seit bald einem Jahr auf Stellensuche. Sie hat schon geschätzte 50 bis 60 Bewerbungen verschickt – bisher erfolglos. «Es gibt Tage, da kann ich nicht mehr lachen. Ich fühle mich nutzlos. Ohne meinen Hund wüsste ich nicht, was ich mit all der Zeit anfangen soll», sagt Iten niedergeschlagen. Der böse Verdacht: «Ich bin mir nicht so sicher, ob mir mein ehemaliger Lehrbetrieb faire Referenzen gibt.»

Bis vor einem Jahr machte Stefanie Iten eine Lehre in einem Bäckereibetrieb als Detailshandelsfachfrau. Doch sie fühlte sich gemobbt: «Das Klima im Betrieb war schlimm. Alleine während meines ersten Lehrjahres wurde fast die komplette Belegschaft ausgewechselt.» Irgendwann wird die junge Frau krank. «Der Hausarzt gab Stress als Auslöser an.» Fast zwei Monate bleibt Stefanie Iten zu Hause. Dann wird das Arbeitsverhältnis beendet.

Seither findet sie die Spur nicht mehr. Trotz der vielen Rückschläge – die Hoffnung mag die junge Frau nicht aufgeben: «Mein Traum wäre eine Lehre im Detailhandel, am liebsten etwas mit Kleidern.» Aber: «Prinzipiell würde ich jede Stelle annehmen, damit es endlich weitergeht.»

«Ich bin 120 Prozent zuverlässig»

arbeitslos2.jpg play
Astrid Heller (57) strotz vor Energie. Joseph Khakshouri

Astrid Heller (57) aus Hallau SH ist seit zwei Jahren auf Jobsuche: «Vor drei Jahren habe ich die Diagnose Brustkrebs bekommen», sagt die arbeitslose Psychiatrie-Pflegehelferin. Obwohl sie mittlerweile völlig geheilt ist, findet sie nicht mehr zurück ins Arbeitsleben: «Ich habe schon etwa 200 Bewerbungen verschickt – und würde fast jede Arbeit annehmen», so Heller.

Meistens reagieren die Arbeitgeber überhaupt nicht auf die Bewerbung der erfahrenen Pflegerin: «Nur wenige Ehrliche sagen mir, warum sie mich nicht anstellen wollen – wegen meines Alters.» Einer habe mal direkt gefragt: «Wer garantiert mir denn, dass Sie sich nicht in einem Jahr doch frühpensionieren lassen?»

Finanziell hätte Astrid Heller eigentlich keine Probleme, «aber ich bin doch zu jung, um den ganzen Tag rumzuhängen. Ich war noch nie Hausfrau. Das ist öde», sagt sie und zeigt auf den Fussboden. «Ich putze mittlerweile jeden Tag die Wohnung – und strotze vor Energie!» Noch immer konnte die 57-Jährige den Arbeitsrhythmus nicht ablegen: «Ich stehe jeden Tag um sechs Uhr auf.» Astrid Heller hat die Hoffnung nicht aufgegeben: «Ich bin 120 Prozent zuverlässig. Und war auch nie krank – bis zu der Sache mit dem Krebs.»

Publiziert am 09.03.2016 | Aktualisiert am 09.03.2016

Arbeitslosenquote so hoch wie seit fast sechs Jahren nicht mehr

Die Zahl klingt nicht dramatisch – die Schicksale dahinter sind es. 3,7 Prozent: So hoch war die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Februar. 222 888 Stellengesuche wurden im vergangenen Monat registriert, im Vergleich zur Vorjahresperiode stieg die Zahl um acht Prozent. 161 417 Arbeitslose sind derzeit bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren eingeschrieben – 11 496 mehr als noch vor einem Jahr. Die Quote ist damit so hoch wie seit fast sechs Jahren nicht mehr.

teilen
teilen
152 shares
44 Kommentare
Fehler
Melden

44 Kommentare
  • Jean-Pierre  Wüthrich , via Facebook 10.03.2016
    Leider hats mich letzte Woche als Buchhalter, sogar mit Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis mit 56 Jahren nach 8 Jahren in der gleichen Firma, wegen Umstrukturierung auch erwischt, dass ich die Stelle verloren haben.
  • bea  meier 09.03.2016
    Meine Meinung: Arbeitslosenstatistik ist nicht ganz richtig. Die Ausgesteuerten sind dort nicht erfasst. Deshalb auch über die Ausgesteuerten berichten und aufwachen! Ich 57 J. muss eventl. bis zur Pensionierung von der Sozialhilfe leben! Günstige Wohnung finde ich nicht (Fr. 1400 in ZH) Fr. 300 zu teuer, deshalb Fr. 650 zum Leben.
  • Paul  Rohner aus Bern
    09.03.2016
    Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Da lese ich immer wieder, dass es an Fach und Pflegepersonal fehlt. Dass man auf Personal aus dem Ausland angewiesen ist. Und dann dies. Astrid Heller aus Halau sucht seit zwei Jahren Arbeit ohne Erfolg. Wie verlogen ist das.
  • Thomas  Hager aus Luzern
    09.03.2016
    Geht unter die Leute gute Jobs und Wohnungen bekommt man nur durch persönliche Kontakte. Einfach jedem sagen. Ich war auch schon arbeitslos, das RAV könnt ihr vergessen, ich kenne Niemand der dort einen Job bekommen hat, ich auch nicht. Aber durch persönliche Kontakte habe ich die Jobs und die Wohnungen erhalten. Das RAV ist nur gut für Weiterbildung.
  • Ines Maria  Giezendanner aus Viganello
    09.03.2016
    Wählt ruhig weiter SVP, dann werdet ihr bald alle stempeln gehen !
    • Urs  Diethelm , via Facebook 09.03.2016
      Sie scheinen da was zu verwechseln oder entspricht es Ihrer Logik dass bei einer jährlichen Zuwanderung von 80000 Personen die Arbeitslosigkeit sinken wird!?
    • Paul  Rohner aus Bern
      09.03.2016
      Da schreibe ich eine anständige Antwort.Wie meistens erscheint mein Beitrag nicht.Könnte es sein,dass es bei Blick unbeliebt ist sich gegen ungerechtfertigte Angriffe zur SVP zu wehren.Auch die Frage,warum werden ganz falsche Daumenzahlen veröffentlicht, die dann bei Drücken plötzlich viel höher sind.Warum reagiert nach einigen Daumen mit einverstanden oder nicht einverstanden die Zustimmung oder nicht Zustimmung nicht mehr.Ich weiss hat nichts mit Obigem zu tun, erbete trozdem Antwort.
    • Toni  Brunner aus Dasmarinas/Cavite/Philippines
      09.03.2016
      Autsch...! Hart aber herzlich... unsere Ines Maria aus Viganello.