Zielscheibe ÖV-Chauffeur Warum wir bei Busfahrern so schnell rotsehen

ZÜRICH - Der Job-Alltag der Chauffeure im ÖV ist brutal. Dass der Ton auf den Strassen immer rauer wird, bestätigen auch Verkehrspsychologen.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Zwei Jahre Frankenschock Wir werden immer noch abgezockt
2 Mittagessen mit Hollywood-Traumpaar Clooneys exklusive Tafelrunde
3 Theresa May hat Grosses vor Die Briten träumen wieder vom Empire

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
18 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

Pöbelnde Passagiere und aggressive Autofahrer machen den Traumberuf von Oliver Wyss (25) zum Albtraum. «Wir werden beschimpft, bespuckt, getreten oder als Vollidioten hingestellt», sagte der Chauffeur gestern im BLICK. Dass der Ton auf den Strassen immer rauer wird, bestätigen auch Experten.

Zielscheibe Bus-Chauffeur: Warum Busfahrer zur Zielscheibe werden play
Verkehrspsychologe Patrick Müller (50). zVg

«Der Leistungsdruck ist hoch, alle müssen schnell von A nach B. Ausserdem ist das Verkehrsaufkommen gestiegen», sagt Verkehrspsychologe Patrick Müller (50). Das sorgt für Anspannung auf der Strasse. Darunter leiden nicht nur Chauffeure: «Das Problem ist viel allgemeiner. Nicht nur Busfahrer, auch Autofahrer untereinander und mittlerweile sogar Ambulanzen werden zu Zielscheiben von Aggressionen.»

«Busfahrer werden zum Blitzableiter»

Oft richte sich die Wut gar nicht gegen den betreffenden Fahrer. «Möglicherweise lassen manche Menschen ihren angestauten Frust von der Arbeit oder Partnerschaft ab. Das entlädt sich im Strassenverkehr, der Busfahrer oder andere Autofahrer werden zum Blitzableiter», sagt Müller. 

Aber nicht nur angestauter Frust birgt Risikopotenzial. Viele Autofahrer tragen auf der Strasse auch eine Art Machtspiel aus. «Deutliches Zeichen dafür sind Lichthupen oder dichtes Auffahren.»

Zielscheibe Bus-Chauffeur: Warum Busfahrer zur Zielscheibe werden play
Uwe Ewert (57), Verkehrspsychologe bfu. zVg

Dass Busse immer wieder zum Hassobjekt von Automobilisten werden, weiss auch Uwe Ewert (57). «Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, möchte man sein Ziel so schnell wie möglich erreichen. Ein Bus hält immer wieder an, das behindert den Autofahrer», sagt der Verkehrspsychologe von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). 

Autofahrer sollten Verständnis zeigen

Ausserdem sei die Sicht eingeschränkt, wenn man hinter einem Bus herfahre, das empfänden viele als unangenehm, sagt der Experte. «Es ist logisch, dass Autofahrer dann versuchen, den Bus zu überholen, wenn sich die Möglichkeit bietet.» Das Problem: Viele vergessen, dass Überholmanöver Risiken bergen. 

«Für den Busfahrer sind diese Überholmanöver eine Belastung. Der Chauffeur muss ständig aufpassen, dass nicht doch noch ein Auto an ihm vorbeifährt, wenn er ausscheren will», sagt Ewert. Umso erstaunlicher ist es, dass Unfälle mit Bussen in der Schweiz nach wie vor relativ selten sind. Damit das so bleibt, sollten Autofahrer mehr Verständnis zeigen, sagt der Experte. 

Publiziert am 09.11.2016 | Aktualisiert am 09.11.2016
teilen
teilen
18 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

7 Kommentare
  • Rolf  Jermann aus Wittenbach
    09.11.2016
    Vielleicht sollten sich die Chauffeure selber ein wenig am Wickel nehmen. Gerade im innerstädtischen Verkehr sehe ich oft echte Verkehrsrüppel als Chauffeure, die hupend auf Fussgänger los fahren, die nicht warten wenn jemand Bus verpasst, die drängelnd aus der Haltestelle raus fahren, die Vortritte erzwingen etc.. Das macht wirklich Stress.
  • Roland  Heusser aus Wetzikon
    09.11.2016
    Verkehrsplaner tragen hier teilweise eine Mitschuld; Busfahrer werden Opfer von Aggression, weil man Bushaltebuchen aufhebt und Autos deshalb mitten auf der Strasse sinnlos hinter einem Bus im künstlich erzeugten Stau stehen müssen
    • Peter  Stalder aus Burgdorf
      09.11.2016
      Richtig Herr Heusser. Barade Beispiel sind die Verkehrsplaner der Stadt Burgdorf.
  • Peter  Leo 09.11.2016
    Eine grosse Entlastung für den Busfahrer wäre auch, wenn im Ueberlandverkehr nicht noch Billette, zum Teil für die ganze Schweiz verkauft werden müssten. Beratungsgespräche lassen sich definitiv nicht mit dem knappen Fahrplan vereinbaren. Eine Trennwand zum Passagierraum und ein sichtbar griffbereiter Spray würden wohl auch noch präventiv wirken. Experten: Bitte einmal einen Tag lang mitfahren.
  • Christoph  Sägesser 09.11.2016
    @Kirchner. Sie haben recht. Die Lebensqualität Zeit soll man geniessen.
    Hält man sich an die vorgegebenen Geschwindigkeiten, wird ständig von hinten gedrängt. Jeder glaubt, er müsse möglichst schnell von A nach B. An alle "Drängeler" Ich muss die erlaubte Geschwindigkeit nicht fahren, darf auch 5 oder 10 km/h langsamer sein!! Zeit?? verliere ich damit praktisch keine. Treibstoff und Verschleiss werden geschont, aber dass wollen wir ja auch nicht. Ich geniesse die Zeit!! (und Drängeler)
    • Kurt  Neuhaus aus Langenthal
      09.11.2016
      Ich habe einfach keine Lust wenn auf der Autobahn einer vor mich schnell einschwenkt um den LKW zu überholen, aber dann erwartet ich solle langsamer fahren und nicht "Stressen" damit er gemütlich mit 110 Überholen kann. Dann bitte selbst warten bis die Überholspur frei ist, man hat ja scheinbar genug Zeit, oder? Wenn sie es gemütlich nehmen wollen, dann ok, aber dann müssen sie nicht alle anderen dazu zwingen. Dann sind sie auch nicht besser als Drängler.
  • Patrick  Kirchner aus Fürstenaubruck
    09.11.2016
    Ja das hat der Ewert und Herr Müller recht. Ich meine heut zu Tage ist es für jeden der regelmässig mobil mit seinem Auto unterwegs ist, ein wirklicher Krampf zu sehen welchen Aggression im heutigen Strassenverkehr vorzufinden ist. " Ich nehme mein Auto als Waffe" Dies kann man sich alles sparen ob es die Zeit, die Nerven oder auch der Geldbeutel ist, Zeit liebe Leute ist nicht nur Geld, sondern auch ein Stück Lebensqualität, was anscheinend verloren geht!!!