Geplatzter Telekom-Deal zwischen Orange und Sunrise «Wollten Sie sich mit dem Nein ein Denkmal setzen?»

  • Publiziert: 22.04.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Interview: Matthias Pfander

Die Wettbewerbs-Kommission (Weko) verbietet die Fusion von Sunrise und Orange. Die Firmen sind geschockt. Blick.ch fragt bei Weko-Präsident Walter Stoffel nach.

Herr Stoffel, Sie haben tiefe Handy-Tarife auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben.
Im Gegenteil! Die Fusion von Orange und Sunrise hätte die Situation auf Jahre hinaus betoniert. Tiefere Tarife hätte es nicht gegeben, die Firmen hätten einfach mehr Geld verdient.

Wieso?
Weder Swisscom noch Orange hätte sich bemühen müssen, mehr Kunden zu gewinnen. Sie haben ja schon hohe Marktanteile. Orange hätte viel Geld sparen können, aber die Kunden hätten nicht profitiert.

Mit Ihrem Nein stärken Sie aber die Swisscom.
Nein, die Swisscom hätte profitiert, wenn sie mit Orange nur noch einen starken Konkurrenten gehabt hätte. Drei Anbieter bedeuten mehr Wettbewerb und damit tiefere Preise.

Orange und Sunrise können rekurrieren. Was könnte den Deal retten?
Es gibt eine Alternative. Sunrise und Orange könnten ihre Handy-Netze zusammenlegen und viel Geld sparen. Dadurch würden die Kunden tatsächlich von tieferen Preisen profitieren.

Sie treten bald zurück. Wollten Sie sich noch ein Denkmal setzen?
Meine Person spielt überhaupt keine Rolle. Es war ein Entscheid der Kommission.

Zu früh gefreut

Kommentar von Thomas Benkö, Redaktor Blick am Abend

Wer heute über den Weko-Entscheid jubelt, denkt nicht an morgen. Klar, mit der verhinderten Übernahme von Sunrise durch Orange bleiben – mit Swisscom – drei Player im Telekommarkt bestehen. Der Wettbewerb spiele so laut Weko stärker als bei einem Duopol.

Wirklich?

Seit über einem Jahrzehnt konkurrieren sich sie Drei. Die Preise sind zwar gesunken – aber nie so stark, wie im Ausland.

Orange und Sunrise wollten den Zusammenschluss, weil sie alleine nicht vom Fleck kamen. Seit ewig dümpeln sie bei je 18 Prozent Marktanteil herum. Keine Chance gegen Swisscom.

Jetzt sind sie zurück auf Feld eins. Keiner weiss, wie lange die Besitzer (France Telecom/TDC) dem Treiben in der Schweiz noch zuschauen – und sich vielleicht zurückziehen.

Das Problem war und ist: Nur wenige Schweizer wechseln den Handyprovider – auch wenn er billiger ist.

Geiz ist nicht immer geil.
play Weko-Präsident Walter Stoffel: sagt Nein zur Orange-Sunrise-Fusion. (Reuters)

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