Konsumentenmagazin zeigt Joghurt-Bschiss Wo Früchte draufstehen, sind nicht immer genügend Früchte drin

ZÜRICH/BERN - Bei der Herstellung von Früchtejoghurts wird geschummelt bis zur Schmerzgrenze. Bei einem Test, den der «Kassensturz» gestern ausstrahlte, wiesen Schweizer Joghurts nur etwa die Hälfte der angegegeben Fruchtmenge aus.

  • Publiziert: 19.09.2012
  • Von Karin Müller
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Zehn Aprikosen-Joghurts im Früchte-Test.

(Screenshot SF/Kassensturz)

Aprikosenjoghurts ohne Aprikose? «A bon Entendeur», die Westschweizer Variante von «Kassensturz», hat zehn verschiedene Aprikosenjoghurts von Schweizer Herstellern getestet. Die Analyse eines Labors zeigt: Der Fruchtanteil in den getesteten Joghurts beträgt nur etwa 50 Prozent der angegebenen Menge!

Gewinner sind Yoplait und Biojoghurt von Migros

Das Joghurt, das noch am meisten Fruchstücke enthält, ist «Yoplait »gekauft bei Coop. Es enthält 5,9 Prozent Fruchtstückli. Das zweitplazierte ist das «Biojoghurt» von Migros mit einem Testergebnis von 4,1 Prozent Früchten. Aber auch diese Wert sind bescheiden: Auf dem Becher deklariert die Migros einen Aprikosenanteil von 7,9 Prozent.

Noch schlechter abgeschnitten beim Test hat das Toni-Joghurt mit 2,9 Prozent Fruchtstückchen. Auf der Etikette steht aber: 8 Prozent Aprikosen und 2 Prozent Aprikosen-Püree.

Nur 0,4 Prozent Früchte bei Coop

Mit Abstand am wenigsten Aprikosen-Stückli fand das Labor im «Qualité & Prix» von Coop, gerade mal 0,4 Prozent. Auch das Bio Naturaplan-Joghurt von Coop schnitt etwas weniger gut ab.

Coop schreibt dazu: «Der Fruchtanteil in einem Jogurt bemisst sich nicht nur an den ausgewaschenen festen Fruchtstücken, sondern auch am Fruchtpüree und weiteren Fruchtbestandteilen. Diese entstehen, weil ein Teil der Fruchtstücke während des Kochprozesses bei der Herstellung des Fruchtgrundstoffes in Fasern und Püree zerfällt.»

«Fall für den Lebensmittelinspektor»

Sara Stalder vom Konsumentenschutz kritisiert: «Täuschend für den Konsumenten ist tatsächlich, wenn auf dem Etikett eine grosse Frucht prangt und sich der Inhalt lediglich noch als kleiner Prozentanteil Püree präsentiert. Dies wäre ein klarer Fall für die Lebensmittelinspektoren, denn das Bild darf nicht falsche Tatsachen vorgaukeln.»

Der Lebensmittelinspektor ist zuständig, dass das Gesetz eingehalten wird, welches Täuschungen bei Lebensmitteln untersagt , erklärt Stalder weiter. «Das wird jedoch zu wenig geprüft. Deshalb fordert der Konsumentenschutz, dass dafür mehr Personal zur Verfügung gestellt wird.»

Emmi und Nestlé reagieren auf Resultate

Die Produzentin der Toni-Joghurts, die Emmi AG und alle andern Hersteller betonen, ihre Deklarationen seien korrekt. In welcher Form sie den Fruchtanteil zusetzen müssen, sei gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Dennoch reagierten sie nun auf das Ergebnis. Emmi Schweiz erklärte gegenüber dem Kassensturz: «Konsumentenbefragungen haben gezeigt, dass die meisten Leute Fruchtstücke in Joghurts mögen. Deshalb haben wir vor einigen Wochen ein Projekt lanciert, das zum Ziel hat, die Beständigkeit der Fruchtstücke im Fruchtgrundstoff zu verbessern.»

Und Nestlé schreibt: «Auf der neuen Verpackung dieses Joghurts werden wir die Angaben präzisieren: Aprikosen 9 Prozent (Fruchtstücke und Püree aus Konzentrat.)»

Hier gehts zu allen Resultaten des Joghurt-Tests im «Kassensturz».

 

 

 

 

play Kassensturz-Tabelle

Beliebteste Kommentare

  • Mark  Egger , via Facebook
    Die Lebensmittelindustrie führt uns doch schon lange an der Nase herum. Das Aroma kommt eh nicht von den paar Prozent Fruchtanteil, welcher drin sein sollte, sondern aus rein künstlichen Aromastoffen.
  • Kay  Eisendraut
    Ist doch egal ob die Früchte püriert oder geschnitten sind. Das ist kein Beschiss 8 Prozent ist 8 Prozent eagl in welcher form. Im Mokajoghurt sind ja auch keine Kaffeebohnen drin und in der Bauernbratwurst sind auch keine Bauern drin das ist auch Beschiss.

Alle Kommentare (43)

  • Enz
    Typisch Kassensturz.
    Laienhafte Recherchen.Schaumschlägerei.
    Leute und Betriebe anprangern, das gefällt dem Pöbel.
    Da steigen die Einschaltquoten
    Auf den Deklarationen steht überhaupt nicht in welcher
    Form die Frucht im Joghurth ist.
    • 20.09.2012
    • 7
    • 2
  • Markus  Enzler , Lapu-Lapu City , via Facebook
    Dem Kassensturz gehen die echten Themen aus. Daher nach dem Cervelat Flop jetzt die Joghurts?
    • 20.09.2012
    • 12
    • 3
  • Vanessa  Meier
    Jeder kann ganz einfach Früchte kaufen und reintun, schwupps ist dann der Früchte-Anteil bei über 50 Prozent. Das will aber kaum jemand, weil es dann weniger nach Joghurt schmeckt. Wenn ich ein Joghurt kaufe, möchte ich ein Joghurt und kein Früchtesalat. Was kommt als nächstes als Top Meldung? Das bei Kinder Milchschnitte und Schokolade kaum Milch und viel Zucker drin ist? Was für eine Überraschung! Gähn!
    • 20.09.2012
    • 7
    • 8
  • Anton  Albers , Mellingen , via Facebook
    Nicht umsonst kaufe ich meine yoghurt bei Aldi. Vielleicht ist auch da weniger Frucht drin als angegeben, aber allenfals mehr immer mehr als bei die sogenannte soziale Grossverteiler/Geldmaschinen wie Migros und Coop und gegenwärtig auch Denner oder Manor.
    • 20.09.2012
    • 5
    • 13
  • Heidi  Keller , Zürich
    Bitte nicht! "Die Beständigkeit der Fruchtstückchen verbessern" heisst doch nichts anderes, als noch mehr Manipulation und Fremdstoffe. Ein Yoghurt wäre eigentlich ein Naturprodukt, was die Grossverteiler daraus machen mit Farb- und Zusatzstoffen ist grauslig. Ich kaufe schon lange nur Nature-Joghurts und geniesse sie mit frischen Früchten oder einem Löffel Akazienhonig. Da weiss ich halbwegs was ich habe.
    • 19.09.2012
    • 12
    • 4
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