Wladimir Klitschko als HSG-Dozent «Was will uns der Boxer da erzählen?»

ST. GALLEN - Ex-Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko eklärt, warum er keine Probleme hat und was Unternehmer von Boxern lernen können.

Wie ists so an der HSG, Wladimir Klitschko?
LJS_8528.jpg play
Wladimir Klitschko sieht Probleme als Herausforderungen – denn die machen Spass. Li-Jiao Lu Sauder

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Service nur in 1. Klasse Pendler-Vertreter ärgert sich über Zug-Catering
2 BLICK war schon da Morgen eröffnet der erste Hipster-Aldi
3 «Monster Trucks» Paramount schreibt wegen Bub (4) 115 Millionen ab

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
4 shares
Fehler
Melden

Herr Klitschko, Sie sind Weltmeister im Schwergewicht – aber auch Unternehmer. Inwiefern ähneln sich Box-Ring und Geschäftswelt?
Beide Male steht man vor Herausforderungen. Um sie zu meistern, braucht es Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Konzentration. Auch Erfahrungen wie Sieg und Niederlage ähneln sich in beiden Welten.

Wirtschaftet ein Boxer anders als jemand, der zuvor etwa Fussball gespielt hat? Boxt man sich nur durch?
Nein. Ich denke, Eigenschaften wie Beweglichkeit und Konzentration brauchen nicht nur Boxer, sondern Sportler generell. Schliesslich stehen alle vor sehr vielen Herausforderungen in sehr kurzer Zeit. Das prägt. Bei Unternehmen sind diese Challenges zeitlich etwas entzerrt.

Haben deshalb wirtschaftende Sportler wie Sie anderen Unternehmern etwas voraus?
Vielen Unternehmern fehlt der nötige Ehrgeiz, um Hindernisse zu überwinden und nicht aufzugeben. Sportler haben diesen. Ihnen fehlt wiederum häufig das Wissen der Wirtschaft. Ich finde, beide können voneinander profitieren und lernen.

Dieses Lernen haben Sie jetzt zusammen mit der HSG in den Weiterbildungs-Studiengang “CAS Change and Innovation Management” gegossen. Wie kam es zur Idee?
Universitäten liegen mir am Herzen, ich habe selbst promoviert. Es ist schon lange ein Traum von mir, fast 26 Jahre Erfahrung im Sport und Unternehmertum mit anderen zu teilen. Ich habe in St. Gallen eine Kooperation angefragt – und hab sofort die Zusage bekommen. Am Montag stand ich erstmals als Dozent vor Studenten.

Wie haben die reagiert, als “Dr. Stahlhammer” am Pult stand?
Am Anfang habe ich ein paar Fragezeichen in den Gesichtern gesehen. Sie haben sich sicher gedacht: “Was will uns der Boxer da erzählen?”. Im Endeffekt haben wir bis spät abends diskutiert. Die Rückmeldung von Professoren und Studenten war wirklich positiv.

Sie haben in Ihrer Vorlesung den Klitschko-Weg abgesteckt, um mit Problemen umzugehen. Wie verläuft der?
Es wäre unfair, jetzt alles zu verraten, wofür die Studenten viel Geld bezahlen. Nur so viel: Es ist wichtig, Probleme frühzeitig zu erkennen und diese dann als Herausforderungen wahr- und anzunehmen. Denn Herausforderungen machen im Gegensatz zu Problemen Spass. Dafür müssen Sie aber flexibel sein – gerade in einer Welt, die sich laufend und rasend schnell verändert.

LJS_8532.jpg play

Da kommen viele Firmen nicht mehr mit.
Ja. Einige, die zum Beispiel nicht rechtzeitig die Digitalisierung erkannt haben, sind gescheitert. Ein Beispiel: Vor zehn Jahren telefonierten wir alle mit Nokias. Heute hat fast jeder Zweite ein iPhone und von Nokia hört man fast nichts mehr.

Nokia ist ein Grosskonzern. Hat der es nicht sowieso schwerer, sich umzustellen und flexibel zu reagieren als ein kleines Unternehmen?
Es geht nicht darum, wie gross ein Unternehmen ist, sondern wie träge oder verschlossen. Geht ein Unternehmen offen mit neuen Technologien um oder schafft es es nicht, sich den Anforderungen der Digitalisierung anzupassen. Tut es das nicht, bleibt es stehen und die Konkurrenz zieht vorbei. 

Wo war der Punkt in Ihrem Leben, an dem Sie gemerkt haben: Ohne Veränderung bleibe ich jetzt stehen?
Es gab nicht einen Punkt, sondern viele. Das Leben verändert sich ständig und die Persönlichkeit auch. Wer mit 50 sagt, er denke noch so wie mit 20, hat 30 Jahre seines Lebens verloren. Sie müssen sich für Veränderungen öffnen.

Wie gehen Sie jetzt in Ihrem Leben damit um?
Ich lerne jeden Tag, bilde mich ständig weiter. Wenn Sie stehen bleiben, fallen Sie zurück. Der Alltag ist zu einem Rennen geworden.

Was sagen Sie Menschen, die Angst vor einem Hindernis haben?
Auch negative Erfahrungen sind wertvoll. Wenn Sie aber nie den ersten Schritt machen, lernen Sie nichts. Um diesen sicher ausführen zu können, sollten Sie sich erst einmal Zeit nehmen, um zu schauen, wohin es gehen soll – nicht einfach mit nassem Finger nach der Windrichtung suchen.

Publiziert am 19.02.2016 | Aktualisiert am 19.02.2016
teilen
teilen
4 shares
Fehler
Melden