play
Basler Wirte importieren neu auch Bier von Heineken parallel. (Keystone)
BASEL - Der Streit zwischen Bierkonzernen und Wirten spitzt sich zu. Der Wirteverband Basel-Stadt importiert neu auch Bier von Heineken am offiziellen Verkaufskanal vorbei. Wegen den zu hohen Preisen.
Ab nächster Woche weitet der Verband den Parallelimport von Bier aus, mit dem er im Mai begonnen hatte. Erstmals ist auch Heineken, der zweite grosse Anbieter in der Schweiz, betroffen. Bisher hatten die Basler Wirte nur Carlsberg-Biere importiert, wie die Nachrichtenagentur «SDA» schreibt.
Ein einfaches Beispiel zeigt, dass sich dies für die Wirte rechnet: So kostet die 5-Deziliter-Dose Heineken 1,17 Franken - 26,9 Prozent weniger als Heineken Schweiz verlangt.
«Damit zeigen wir vor allem den Preistreibern Carlsberg und Heineken, dass wir ihre Geschäftspolitik nicht mehr länger tolerieren», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. Mit den Parallelimporten sollen Lieferanten dazu ermuntert werden, ebenfalls die offiziellen Verkaufskanäle zu umgehen.
Hintergrund der Aktion ist die jüngste Preiserhöhung von Heineken. Der Konzern, zu dem unter anderem die Biermarken Eichhof, Calanda und Haldengut gehören, hatte im Juli angekündigt, die Preise in der Schweiz per Oktober um durchschnittlich 3,9 Prozent zu erhöhen.
Heineken folgte damit dem Konkurrenten Carlsberg: Dessen Zugpferd in der Schweiz, die Brauerei Feldschlösschen, hatte nur wenige Monate zuvor eine Preiserhöhung von 4,4 Prozent bekanntgegeben. Carlsberg besitzt in der Schweiz neben Feldschlösschen auch Marken wie Cardinal oder Hürlimann.
Damit wiederholte sich das bekannte Spiel: Seit Jahren erhöhen die beiden grössten Anbieter auf dem Schweizer Biermarkt die Preise praktisch im Gleichschritt - allein seit 2007 um jeweils über 20 Prozent.
Carlsberg und Heineken kommen gemäss Schätzungen der IG der Klein- und Mittelbrauereien zusammen auf einen Marktanteil von rund 65 Prozent - die von ihnen importierten Biere nicht mitgerechnet. Da verwundert es kaum, dass angesichts der auffällig parallelen Preiserhöhungen der Verdacht eines wettbewerbsrechtlich unzulässigen Verhaltens laut wird.
«Das sieht nach einer Absprache aus», sagt Franziska Troesch- Schnyder, Präsidentin des Konsumentenforums. Sie vermutet, dass die beiden Grosskonzerne ihre Machtstellung auf dem Markt ausnutzen.
Doch nicht nur die Preiserhöhung an sich stört die Wirte. «Besonders ärgerlich ist die ungleiche Preissteigerung im Gastgewerbe und im Detailhandel», sagt Patrick Grinschgl von Gastro Luzern. Gemäss den Zahlen des Basler Wirteverbands erhöhten Carlsberg und Heineken zwischen 1995 und 2010 die Preise für Flaschenbiere nicht einmal halb so stark wie die Fassbierpreise.
Die Bierkonzerne schieben den schwarzen Peter zurück. Für den höheren Preis, den der Kunde im Restaurant für ein Bier bezahle, seien sowohl die Brauereien als auch die Wirte verantwortlich, sagt Olivier Burger, Mediensprecher von Heineken Schweiz. «Der Offenbierpreis ist seit 2007 von unserer Seite um 59 Rappen pro Liter gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich der Preis für ein Liter in der Gastronomie aber um 2,23 Franken verteuert.»
Den Vorwurf der Preisabsprache weisen die grossen Brauereien weit von sich. «Wir haben in der Schweiz einen hart umkämpften Markt», sagt Markus Werner, Mediensprecher bei Feldschlösschen. Das zeige sich nur schon daran, dass die Zahl der Brauereien in den letzten Jahren deutlich gestiegen sei.
Nicht nur Bier, auch Coca-Cola ist teurer. «Wir müssen für eine Flasche Coca-Cola mehr als doppelt so viel bezahlen wie ein Wirt in Deutschland» kritisiert Guido Schmidt vom Grand Café Huguenin in Basel in der Sendung «Kassensturz».
Der Basler Wirteverband importiert deshalb bereits seit November Coca-Cola direkt aus Deutschland. 200 Wirte beziehen so parallel importiertes Coca-Cola, zu einem Preis von 30 Prozent unter dem Listenpreis. (SDA/cst)
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (24)