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Sinken jetzt endlich die Telecomtarife?
Das ist alles andere als sicher! Orange und Sunrise wollen im Sommer 2010 fusionieren und versprechen: Gemeinsam sind wir stark genug, um die Swisscom richtig anzugreifen. Aber was heisst das konkret? Wie stark gehen die Preise runter? 5 Prozent? 10 Prozent oder noch mehr? Thomas Sieber (47), der Chef der neuen Mega-Firma, verspricht rein gar nichts: «Das ist zu verfrüht!»
Wie viel läge denn drin?
Eine einfache Rechnung: Laut eigenen Angaben wollen die beiden Firmen ihre jährlichen Kosten dank der Fusion um über 250 Millionen Franken senken. Würden sie diese Summe voll an die Kunden weitergeben, könnte man sich auf Preissenkungen um rund 8 Prozent freuen. Dabei würde die Marge von Orange-Sunrise genau gleich bleiben. Trotzdem ist eine solche Preisoffensive unwahrscheinlich.
Steigen die Tarife sogar?
Kaum. Man wird zumindest die jeweils günstigsten Tarife der beiden bisherigen Firmen halten müssen – sonst hagelts Proteste. Aber: Da ein Anbieter verschwindet, gibt es im Mobilfunk künftig nur noch Swisscom und Orange-Sunrise – ein Duopol. Preisüberwacher Stefan Meierhans warnt: «Das gibt weniger Druck auf die Preise.» Und: Wenn überhaupt, war es in den letzten Jahren Sunrise, die mit tieferen Tarifen etwas zu bewegen versuchte.
Was sagt die Aufsichtsbehörde dazu?
Marc Furrer widerspricht Meierhans: «Ich rechne damit, dass sich der Wettbewerb durch die Übernahme verschärft.» Der Comcom-Chef fügt jedoch hinzu: «Wir als Aufsichtsbehörde brauchen jetzt stärkere Mittel, um schneller auf allfällige Preisabsprachen reagieren zu können.» Fest steht: Wir zahlen verglichen mit dem Ausland immer noch deutlich mehr fürs Handy oder auch für schnelles Internet!
Ist ein Duopol erlaubt?
Ja. Die Wettbewerbskommission (Weko) muss den Deal noch bewilligen. Aber die Behörde hat zum Beispiel auch den Migros-Denner-Deal erlaubt, obwohl der Detailhandel schon zuvor vom Duopol Migros-Coop dominiert wurde. Orange-Sunrise kämen im Mobilfunk auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Ex-Monopolistin Swisscom verteidigt seit vielen Jahren ihren Anteil von rund 60 Prozent.
Werden Jobs abgebaut?
Mit Sicherheit! Auch wenn Sieber zu dieser Frage ebenfalls schweigt. Er will erst mehr sagen, wenn der Deal von der Weko abgesegnet ist, also frühestens im Sommer 2010. Aber in Verwaltung, Kundendienst, Marketing, Informatik – überall braucht es nach dem Zusammenschluss weniger Leute! Insider rechnen mit einem Abbau von 10 bis 15 Prozent der heute 2600 Stellen bei Orange und Sunrise. Das würde bedeuten: 260 bis 390 Jobs weg!
Was passiert mit den zwei Handynetzen?
Kommt die Fusion zustande, werden «ein paar Hundert» Handyantennen überflüssig. Die könnte man abmontieren. Allerdings braucht es immer mehr Antennen, weil immer mehr Daten übertragen werden. Bei neuen Antennen könnte man auf etwa 30 Prozent verzichten.
Kommt jetzt ein neuer Anbieter in die Schweiz?
Unklar ist, was mit den Mobilfunklizenzen passiert. Denn Orange und Sunrise brauchen zusammen nur eine. Geben sie eine zurück, könnte theoretisch ein neuer Anbieter einspringen und ein neues Netz aufbauen. Danach sieht es aber gar nicht aus.
Verschwindet Sunrise?
Wahrscheinlich. Durch den Deal hat künftig der Mutterkonzern von Orange, France Télécom, das Sagen. Deshalb wird sich wohl die Marke Orange durchsetzen. Allenfalls überlebt Sunrise als Billigmarke.