Staatsanwaltschaft kontaktiert UBS wegen Ospel-Klage Wird Grübel zum Henker?

Die Vorermittlungen gehen in die entscheidende Phase. Ob gegen Ospel und Co. ein Verfahren eröffnet wird, hängt auch von der heutigen UBS-Führung ab.

  • Publiziert: 12.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Joël Widmer
play Teilt aus: UBS-CEO Oswald Grübel. (Keystone)

UBS-Chef Oswald Grübel (65) hat in den letzten Tagen die ehemalige Führung seiner Bank scharf kritisiert. Vor einer Woche in der Finanzkommission und letzte Woche bei Treffen mit Politikern in Bern betitelte er Marcel Ospel (59) und sein Führungsteam als «unfähige Leute». Sehr bald könnten CEO und Verwaltungsrat der UBS den klaren Worten Taten folgen lassen. SonntagsBlick weiss: Die Zürcher Staatsanwaltschaft wird die UBS in den nächsten Wochen kontaktieren. Dann muss die Spitze der Bank entscheiden, ob sie den Ermittlern aktiv helfen will, gegen das alte Management vorzugehen.

Staatsanwälte der Abteilung für Wirtschaftsdelikte prüfen im Rahmen eines Monitorings, ob genügend Verdachtsmomente vorliegen, um gegen die ehemaligen UBS-Chefs um Ospel ein Strafverfahren zu eröffnen. Möglich wären Ermittlungen wegen ungetreuer Geschäftsführung oder Beihilfe zum Steuerbetrug in den USA. Beim Kontakt mit der UBS wird die Staatsanwaltschaft unter anderem die Frage aufwerfen, ob die Bank bereit ist, belastende bankinterne Dokumente freiwillig an die Ermittler auszuhändigen.

Die Bank ist verpflichtet, mit den Behörden zu kooperieren. «Wenn sie dies nicht tut, gehört es zu den Aufgaben der Staatsanwaltschaft, Zwangsmassnahmen zu ergreifen, auch wenn diese sehr aufwändig sein können», sagt Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch (44). Doch für die Suche nach Beweisen in einem derart grossen Unternehmen bräuchte die Staatsanwaltschaft erhebliche Ressourcen. «Es ist verständlich, dass die Staatsanwaltschaft bei der Eröffnung so komplexer Verfahren zurückhaltend ist», sagt Jositsch.

So gesehen könnte die heutige UBS-Führung um Oswald Grübel wohl zur Henkerin ihrer Vorgänger werden. Klare Aussagen, ob die Bank aktiv bei Ermittlungen mithelfen wird, liess sich Grübel bei seiner Begegnung mit Politikern in Bern nicht entlocken.

Die Signale des UBS-Verwaltungsrats, der darüber letztlich zu entscheiden hat, sind bisher negativ. UBS-Präsident Kaspar Villiger (68) sah noch vor wenigen Wochen keinen Anlass, rechtlich gegen einzelne Mitarbeiter vorzugehen. «Strafrechtlich relevante Verfehlungen nach Schweizer Recht haben wir keine entdeckt», sagte er der «NZZ am Sonntag».

Die Zürcher Staatsanwaltschaft will sich über anstehende Massnahmen nicht äussern. «Der Entscheid, ob überhaupt ein Strafverfahren eröffnet wird, ist noch ungewiss. Wir führen das Monitoring wie bisher intensiv weiter», sagt der leitende Staatsanwalt Peter Pellegrini.

Jositsch dämpft die Erwartungen: «Ich rechne nicht damit, dass ein Strafverfahren eröffnet wird.» Bei Wirtschaftsdelikten wie diesen einen strafbaren Vorsatz nachzuweisen, sei sehr schwierig.

play Im Visier: Ex-UBS-Chef Marcel Ospel.

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