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Blick: Herr Wittmann, haben Sie so ein Börsendesaster schon einmal erlebt?
Walter Wittmann: Zwischen dem Jahr 2000 und 2003 ist es ähnlich gelaufen.
Aber das weltweite Ausmass ist doch beängstigend.
Dieser Crash ist nicht schlimmer als jener von 1929 oder 1987. Beim Crash 1987 ist auch alles sehr schnell gegangen und vieles hat sich vorher ähnlich aufgebaut wie jetzt. Danach gab es sehr rasch wieder eine Erholung, weil die Notenbanken die Zinsen senkten.
Das haben sie ja jetzt auch gemacht. Genützt hat es bis anhin nichts.
Das stimmt. Aber es wird etwas nützen. Es dauert einfach noch, bis sich der Effekt auswirkt.
Trotzdem, wer über die letzten Tage den Börsenkursen folgte, dem wurde richtig schwindlig.
Ja, es herrscht Panik. Und sogar Aktien von soliden Unternehmen kamen gegen Ende Woche stark unter Druck. Beides ist typisch für die Endphase bei einem Crash. Danach kommt eine Erholung.
Was macht Sie da so sicher?
Es ist schlichtweg nicht möglich, dass die Börse während zwei Wochen täglich um 6 Prozent und mehr runtersaust.
Viele Leute haben aber bereits jetzt viel Geld verloren!
Sie liessen sich von hohen Renditen blenden bei Produkten, die sie zu wenig gut studierten. Deshalb haben bei diesem Crash sicher mehr Leute Geld verloren als in der Vergangenheit.
Was hat das für Konsequenzen?
Viele Leute haben durch die Verluste die Nase voll. Deshalb wird der Konsum nachlassen. Der Konsum hat bis jetzt die Schweizer Wirtschaft gestützt. Die Schweizer Wirtschaft wird auch unter den Rezessionen in den EU-Ländern leiden, weil sich dadurch der Export abschwächt.
Rechnen Sie mit einer Rezession bei uns?
Ja. Und die wirtschaftliche Erholung wird nicht so schnell gehen. Zuerst müssen die Trümmer weggeräumt werden.
Mit dieser Einschätzung stehen Sie aber alleine da. Die Wirtschaftsprognosen rechnen nicht mit einer Rezession, nur mit weniger Wachstum.
Die Prognosen sind immer zu optimistisch. Damit sich die Leute wohlfühlen. Denn wenn sich die Leute miserabel fühlen, geben sie weniger aus.
Hat aus Ihrer Sicht die Politik richtig reagiert?
Sie haben zu lange nichts gesagt. Dann hat Bundesrätin Leuthard endlich die Katze aus dem Sack gelassen, man würde die Grossbanken stützen. Doch gleichzeitig wird weiter Zweckoptimismus verbreitet und gesagt, die Nationalbank habe genügend Devisenreserven. Das stimmt überhaupt nicht. Im Verhältnis zu den Auslandschulden der Schweizer Banken deckt die Nationalbank nur etwa 7,5 Prozent ab.
Was bedeutet das?
Dann müsste der Bund einspringen. Und es ginge nicht nur um 10 oder 20 Milliarden.
Nochmals, hat die Politik schlecht reagiert?
Ja, denn die Krise konnte entstehen, weil zu wenig reguliert wurde. Und leider ist die Unfähigkeit und Gier der Banker nicht strafbar.
Jetzt wird aber immerhin über Regulierung gesprochen.
Sie sehen ja, wie es läuft. Die Bankiervereinigung will nicht mehr Regulierungen. Wer wildern und freveln geht, will nicht vom Wildhüter verfolgt werden.
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Walter Wittmann bemängelt, die Regierung habe nicht richtig reagiert. (Keystone)