Wir schwimmen im Öl Warum wird denn das Benzin nicht billiger?

Obwohl das Rohöl immer billiger wird, bleibt Benzin an der Zapfsäule teuer. Schuld ist der Dollar.

Die Rohölpreise sinken, doch das Benzin wird nicht billiger. play

Die Rohölpreise sinken, doch das Benzin wird nicht billiger.

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Die Rohölpreise befinden sich seit Monaten im freien Fall. Im Juni kostete das Fass noch 115 Dollar. Aktuell ist ein Barrel (159 Liter) noch rund 91 Dollar wert. Das ist ein Minus von 21 Prozent!

«Wir schwimmen derzeit im Öl. Auf beiden Seiten des Atlantiks», sagt Francesca Romano (44) von der Erdöl-Vereinigung.

Die Gründe: Die USA fördern dank Fracking immer mehr Öl und Gas. Die Opec-Länder liefern sich einen Preiskampf. Auch in Syrien und im Irak sprudelt das Öl – trotz Krieg.

IS-Gemetzel hat (noch) keine Auswirkungen

«Solange die Terrororganisation IS keine wichtigen Raffinerien oder Pipelines besetzt, fliesst das Öl weiter», sagt ZKB-Ökonom Jörn Spillmann (44). Zudem schwächelt die globale Konjunktur.

Höchste Zeit also, dass die Benzinpreise an den Tankstellen ins Purzeln kommen, denkt sich der Autofahrer! Von den tiefen Rohölpreisen spürt er an der Zapfsäule aber praktisch nichts. Schuld daran ist der Dollar (siehe Grafiken). Er ist innert weniger Wochen von 89 auf bis zu 97 Rappen gestiegen.

Bei der Migrol ist eine Preissenkung derzeit kein Thema. «Seit Anfang August sind die Benzinpreise nur um drei Prozent gesunken, zwischenzeitlich waren sie sogar noch gestiegen. Im gleichen Zeitraum stieg der Dollar um sechs Prozent.

Auch die Frachtkosten sind gestiegen», sagt Migrol-Chef Daniel Hofer (53) zu BLICK. Die Migros-Tochter führt in der Schweiz 300 Tankstellen.

Öl wird in Dollar gehandelt

BP bläst ins gleiche Horn: «Der hohe Dollarkurs verhindert derzeit tiefere Säulenpreise», sagt BP-Kommunikationschefin Isabelle Thommen (51). BP betreibt 370 Tankstellen.

Ist die hohe US-Währung nur eine faule Ausrede? «Die Dollarstärke ist ein entscheidender Faktor, dass die Preise bei uns hoch bleiben. Der Dollar hat in kurzer Zeit deutlich zugelegt. Das ist wichtig, da im Öl-Business in Dollar abgerechnet wird», sagt ZKB-Ökonom Jörn Spillmann.

Auch TCS-Treibstoff­experte Erich Schwizer (53) glaubt nicht, dass der Dollar nur ein Vorwand der Ölmultis sei, um die Preise hochzuhalten. «Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Markt spielt», sagt er. Seit 20 Jahren beobachtet Schwizer die Preisentwicklung der Treibstoffe in der Schweiz.

Der Benzinverkauf darbt

Darum ist der TCS-Experte überzeugt, dass die Preise bald ins Rutschen kommen. Denn in den letzten zehn Jahren wurde immer weniger Benzin verkauft.

Der Konkurrenzkampf hat sich verschärft. Ölmultis können nur noch wachsen, wenn sie Mitbewerbern die Kunden abjagen.

«Deshalb gehen wir davon aus, dass mindestens ein Anbieter den Preis reduzieren wird. Und ihm die andern rasch folgen, sobald dies aufgrund des Wiederbeschaffungspreises sinnvoll ist», sagt Erich Schwizer.

Ist die Talsohle beim Rohölpreis erreicht? «Wir rechnen nicht damit, dass der Preis nachhaltig unter 90 Dollar fallen wird. Fracking ist eine recht teure Fördermethode. Die Firmen brauchen einen gewissen Preis. Sonst lohnt sich das nicht», sagt ZKB-Ökonom Spillmann.

Er rechnet kurzfristig sogar mit einer Gegenbewegung. «In den nächsten drei Monaten ist eine Preissteigerung von bis zu zehn Prozent möglich.»

Publiziert am 09.10.2014 | Aktualisiert am 09.10.2014
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18 Kommentare
  • Urs  Glaus , via Facebook 09.10.2014
    seit Jahre das alte Lied: die Benzin-Multis sind nie um Ausreden verlegen um ihre Gewinne zu optimieren
  • Rolf  Gerber aus Zürich
    09.10.2014
    Mal bei den Russen anfragen, ob sie uns Öl für Rubel verkaufen. leider fast schon etwas zu spät. Rubel kann ja mittlerweile eingekauft werden. Etwas mehr MultiKulti in der Wirtschaft ist doch nicht schlecht und da wir ja "Neutral" sind, kann uns das doch niemand verbieten. Langsam sollte doch jedem klar werden wie das mit dem Dollar, weil Weltwährung, so läuft und er seit der Abkehr der Golddeckung nie mehr einen reellen Wert dargestellt hat. Erinnerung: 1978: US Schatzamt emittiert CH Anleihe
  • Meier  Susi aus Luzern
    09.10.2014
    Entweder ist der Dollar, das Öl oder der Wasserstand schuld, Hauptsache die Ölmultis können abkassieren für das Benzin. Irgend eine Ausrede finden sie immer, und sonst gibt es irgendwo einen Krieg, den man noch als Grund finden kann. Und bald kommt noch der Bundesrat und will noch mehr kassieren. Und bezahlen dürfen wir es, wie immer.
  • Gustav  Broennimann , via Facebook 09.10.2014
    Der grösste Teil des Benzinpreises sind Steuern und andere Abgaben. 20 Prozent Preisverfall des Rohöls heisst nicht automatisch 20 Prozent weniger fürs Benzin weil die Abgaben prozentual und auch fix sind.
    Dazu kommt, wie schon in andere Beitragen erwähnt, die Konzerne behalte einen grossen Teil für sich.
  • michel  koeb 09.10.2014
    Irgend jemand ist immer Schuld wenn die Preise nicht sinken, Hauptsache der Bund kassiert und die Ölkonzerne machen Milliardengewinne! Runter geht nie, rauf aber sehr wohl......
    • Bernd  Lehnherr aus Torrevieja
      09.10.2014
      Das kann ich nicht ganz verstehen.In Spanien sind die Preise fuer Benzin und Diesel,bereits seit Tagen gesunken.Also kann das nicht an den Oel-Multis liegen,sondern an der Schweiz selber.Mal in Bern nachfragen??