Patrick Raaflaub, Finma-Chef: «Wir lassen uns nicht aufhalten»

  • Publiziert: 15.11.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Roman Seiler und Guido Schätti
play Bankenaufseher: Der Basler Raaflaub in seinem Berner Büro: «Hier kann ich viel bewegen.» (Karl-Heinz Hug)

Schluss mit Boni-Exzessen und Staatsgarantien: Patrick Raaflaub (44), Chef der Finanzmarktaufsicht, will die Grossbanken an die kurze Leine nehmen.

Herr Raaflaub, nach der Veröffentlichung der neuen Boni-Richtlinien am Mittwoch applaudieren die Banken. Die Linke wirft Ihnen hingegen vor, die Lohn-Richtlinien seien nur ein Feigenblatt.
Patrick Raaflaub:
Unser Rundschreiben ist eine sehr wirksame Regelung. Sie verhindert, dass Banken und Versicherungen übertriebene Risiken eingehen, weil die Lohnanreize falsch gesetzt sind.

Lohnexzesse werden durch die neue Regelung nicht verhindert.
Unser Ziel war, eine Regelung zu finden, bei der die Vergütungen dem langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens entsprechen. Die Beurteilung, ob einzelne Löhne gerecht sind und welche absolute Höhe dabei angemessen ist, können wir nicht vornehmen. Dafür haben wir keinen gesetzlichen Auftrag.

Warum haben Sie nicht die Höhe der Boni im Verhältnis zum Fixlohn begrenzt?
Mit dem Rundschreiben wollten wir nicht einzelne Löhne fixieren, sondern die Vergütungssysteme insgesamt beeinflussen. Wir verzichteten bewusst darauf, Details zu regeln, da eng definierte Bestimmungen leicht umgangen werden können. Deshalb haben wir Grundsätze formuliert, die garantieren sollen, dass Vergütungssysteme nachhaltig funktionieren. So muss die Auszahlung zugeteilter Boni je länger aufgeschoben werden, je höher sie sind. Zudem müssen Boni bei negativer Entwicklung des Unternehmens auch reduziert werden können.

Bei der UBS ist das Gegenteil der Fall: Sie verliert seit drei Jahren Milliarden – trotzdem zahlt sie ihren Managern 2009 mehr Lohn.
Als wir letztes Jahr die Grösse des Bonuspools der UBS bestimmen mussten, gingen wir an die Grenzen des für das Institut Verkraftbaren. Die personelle Abwanderung war sehr stark. Heute schreiten wir dann ein, wenn die Grösse des Bonuspools die Kapitalbildung gefährdet.

Genau das ist bei der UBS aber passiert. 2007 kündigte sie eine Kapitalerhöhung über 13 Milliarden an und schüttete 10 Milliarden als Boni aus. Würden Sie das heute unterbinden?
Im Endergebnis wahrscheinlich ja. Mit den neuen Regeln müsste die UBS in Verlustjahren mehr Boni zeitlich aufgeschoben entrichten. Zudem müsste sie die Risikokosten nach den neuen Bestimmungen berechnen, was automatisch zu tieferen Boni führt.

Wie steht die UBS heute da?
Ihre Kapitalbasis hat sich deutlich verbessert. Irgendwann muss sie aber wieder Gewinn machen.

UBS-Chef Grübel möchte die an die Nationalbank ausgelagerten Schrottpapiere zurückkaufen. Würden Sie dazu grünes Licht geben?
Wir haben keine Anfrage der UBS, die Frage stellt sich deshalb nicht. Aus heutiger Sicht wäre die UBS für eine Investition dieser Grössenordnung aber noch nicht stark genug.

Das ganze Interview finden Sie im SonntagsBlick.

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