Unsere 7-Dezi-Flasche soll verboten werden Winzeraufstand gegen die EU

  • Publiziert: 24.03.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Henry Habegger

Angleichung an die EU: Dem geliebten 7-Dezi droht ein jähes Ende. Wegen eines Schlucks Wein.

Philippe Herminjard, Sekretär der Föderation der Waadtländer Weinbauern, gibt den Tarif durch: «Ein bisschen Freiheit in dieser reglementierten Welt schadet nicht. Und wenn wir kämpfen müssen, dann kämpfen wir für die Freiheit!»

Die Freiheit, für welche die Winzer kämpfen wollen, heisst 7-Dezi-Flasche. Sie ist akut in ihrer Existenz bedroht. Denn der Bund wälzt Pläne, diese traditionelle Schweizer Flaschengrösse zu verbieten.

Als Anpassung an EU-Recht. Dort ist die 7-dl-Flasche nicht zugelassen. Mass allen Weines ist in der EU die 7,5-dl-Flasche.

Detailhandel kämpft für die 7-Dezi-Flasche

«In der Tat wird geprüft, ob es noch sinnvoll ist, in der Schweiz andere Vorschriften für Weinflaschen zu haben als fast überall sonst», stellt Gregor Dudle fest. Er ist Sektionschef im Bundesamt für Metrologie (Messwesen), das eine Revision der sogenannten Deklarationsverordnung vorbereitet.

Werden diese Ideen Gesetz, wird die 7,5-dl-Flasche auch in der Schweiz zur einzig erlaubten Norm. Heute sind beide Einheiten erlaubt.

Auch Detailhändler wollen für den Erhalt der 7-dl-Flasche kämpfen. «Wir sprechen uns klar dafür aus, dass Weine dem Konsumenten weiterhin in 7-dl-Flaschen angeboten werden dürfen», stellt ein Sprecher des Detailhändlers Denner klar. Denner bietet ein grosses Weinsortiment an und sieht «keinen stichhaltigen Grund, weshalb sich unser Binnenmarkt in dieser Hinsicht nicht eigenständig verhalten soll».

7,5 Dezi auf dem Vormarsch

Vielleicht, weils dann mehr Wein fürs gleiche Geld gäbe? Denner winkt ab: Die Umstellung würde zu Preiserhöhungen durch die Lieferanten und damit für die Konsumenten führen. Aber die 7-dl-Flasche habe eine lange Tradition, «dies soll weiterhin so bleiben».

Für die Betroffenen ist klar: 70-cl- und 75-cl-Flaschen können problemlos nebeneinander existieren, der Konsument könne wählen. Diese «Cohabitation» funktioniere «seit Jahren ohne Probleme», sagt Winzer-Sekretär Herminjard. Zudem macht er klar: «Wir sind bestrebt, unseren Wein in bedeutenden Mengen zu exportieren, und glauben, dass sich die 7,5-dl-Flasche längerfristig von selbst durchsetzt.»

Ob Bern an den Plänen festhält, ist offen. Die revidierte Verordnung dürfte bald in die Vernehmlassung gehen und soll Anfang 2013 in Kraft treten.

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft