Wie weiter, Facebook?

  • Publiziert: 02.04.2009, Aktualisiert: 09.01.2012

SAN FRANCISCO (USA) – Der junge Facebook-Chef Mark Zuckerberg sieht alt aus. Zwar weist das Unternehmen hervorragende Zahlen aus – aber eine Strategie scheint zu fehlen.

Facebook geht es eigentlich gut: Nach Informationen der «New York Times» hat die Netzwerk-Plattform heuer ihre gesteckten Ziele fürs erste Quartal um mindestens 70 Prozent übertroffen. Das sei bereits das fünfte Quartal in Folge, in dem das Unternehmen Gewinn einfährt. Ausserdem sollen nach eigenen Angaben über 175 Millionen Menschen die Plattform nutzen – und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

Was alles höchst erfreulich aus Sicht der Firma tönt, birgt einige Stolpersteine. Durch die steigende Zahl der Mitglieder und der gewaltigen Datenmenge, die Facebook bewältigen muss, wird dringend neue Server-Infrastruktur benötigt.

«Business Week» beruft sich auf interne Quellen, die besagen, dass sich das Unternehmen verzweifelt um Kredite bemüht, mit denen die Leasing-Verträge finanziert werden sollen. Es sollen 100 Millionen Dollar nötig sein.

Zuckerberg schwingt die Peitsche

Jetzt wurde der Finanzmanager des Unternehmens, Gideon Yu, gefeuert. Es ist nicht das erste Mal, dass in den obersten Etagen die Köpfe rollen. Bereit die Mitgründer Dustin Moskovitz und Adam DAngelo sowie die Manager Owen Van Natta, Benjamin Ling und Matt Cohler sind aus dem Unternehmen ausgestiegen.

Facebook-Chef Zuckerberg ist offenbar knallhart: «Bei Facebook bist du entweder für Mark oder gegen ihn», zitiert das US-Weblog «All Things Digital» einen Facebook-Insider.

Facebook kommentierte den Abgang von Yu nicht. Jedoch könnte auch die fehlende Börsenerfahrung vom 37-jährigen Gideon Yu Ausschlag gewesen sein, dass er den Hut nehmen musste. Der künftige Finanzchef müsse Erfahrungen mit dem Umgang eines börsenkotierten Unternehmens haben, so das Stellenprofil.

Eine Facebook-Aktie, bitte

Ob der Gang von Facebook an die Börse in der Krisenzeit eine gute Entscheidung ist, wird sich zeigen. Nasdaq und Dow Jones verloren seit letzten Sommer 30 Prozent. Die Geschichte zeigt, dass nach dem Crash 1929 eine Erholdauer von drei Jahren nötig war.

Drei Jahre kann Zuckerberg nicht mehr warten. Die Server-Infrastruktur verschlingt Geld und hinzu kommen die Personalkosten. Mittlerweile beschäftigt Facebook über 700 Mitarbeiter.

Werbung lautet das Zauberwort, mit denen sich die Social-Network-Plattformen finanzieren müssen. Doch wie Myspace kämpft Facebook um die Gelder von Werbetreibenden. Ein Problem gibts hier aber: Soziale Netzwerke sind zu stark durchmischt, um gezielte Marketingkampagnen fahren zu können.

Die Social-Network-Giganten Facebook und Myspace können sich momentan noch halten. Doch im Oktober letzten Jahres meldete die drittgrösste Plattform der USA, Hi5, eine Personalreduktion von 10 bis 15 Prozent. Im November kündeten die Seiten LinkedIn und Jive Entlassungswellen an. Mark Zuckerberg muss sich dringend etwas einfallen lassen. (num)

play Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. (AP)

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