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Migros-Chef Herbert Bolliger. (Daniel Winkler)
Migros-Chef Herbert Bolliger sagt, was die Euro-Untergrenze tatsächlich bringt und wann die Preise weiter sinken.
Herr Bolliger, wo stünde die Migros heute ohne Mindestkurs von 1.20 Franken zum Euro?
Herbert Bolliger: Unsere Industrie-Betriebe wären noch stärker unter Druck, weil sie grössere Probleme beim Export hätten. Und die Schweizer Preise wären im Vergleich mit dem umliegenden Ausland zu hoch, was noch mehr Konsumenten über die Grenze treiben würde.
Hat sich die Situation beim Einkaufstourismus denn entschärft?
Nein, es ist nicht gelungen, den Einkaufstourismus einzudämmen. Im Gegenteil, in diesem Jahr haben noch mehr Schweizer im Ausland eingekauft.
Dabei macht doch der starke Franken den Import günstiger. Wie viel ist bei den Kunden angekommen?
2011 haben wir die Preise von 6250 Produkten gesenkt. Als Summe macht das über 600 Millionen aus, die die Migros-Kunden bei ihrem Einkauf gespart haben. Dieses Jahr haben wir bis Ende Juli bei über 2000 Produkten Preissenkungen gemacht, das sind wiederum 150 Millionen Franken. Die Preissenkungen aufgrund von Euro-Währungsgewinnen sind darin enthalten. Wir schlüsseln die einzelnen preissenkenden Treiber aber nicht auf.
Wie viel liegt noch drin?
Wir investieren viel Energie in die Preisverhandlungen mit Markenlieferanten, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Es ist klar, dass Produkte, die die Konsumenten unbedingt möchten, in unsere Regale gehören. Die Lieferanten wissen das und haben dadurch eine unglaublich starke Position, die sie logischerweise ausnützen.
Wir haben kein Mitleid mit Ihnen ...
Müssen Sie auch nicht. Ich verstehe nur nicht, dass der Gesetzgeber nicht endlich die behindernden Einschränkungen für Parallelimporte aufhebt. Es kann doch nicht sein, dass wir als Migros für das genau gleiche Produkt beim Lieferanten mehr bezahlen müssen, als es im kleinen Laden ein paar Meter über der Grenze in Deutschland kostet.
Ein Beispiel ...
Fisherman’s Friend konnten wir parallel importieren und entsprechend günstiger verkaufen. Dann kam die Behörde und stoppte uns, weil die Zeltli hier in der Schweiz als Medikament eingestuft werden und deshalb auf der Verpackung ein «E» und eine Nummer haben müssten. Das sind reine Schikanen!
Wo klemmt es?
Politisch bewegt sich einfach zu wenig. Noch immer können uns ausländische Konsumgüterhersteller zwingen, ihre Produkte bei ihrem Ableger in der Schweiz in Schweizer Franken zu beziehen.
Wer bremst?
Der Bundesrat und namhafte Wirtschaftsverbände verhindern eine Lösung – es ist eine ähnliche Situation wie damals beim Kampf um die Einführung der Parallelimporte. Man hat den Niedergang der Schweizer Wirtschaft prophezeit. Heute wissen wir: Der Entscheid war richtig, die Bedenken waren unbegründet.
Wie viele Produkte sind bei der Migros aufgrund des Einkaufspreises denn nicht mehr im Regal?
Es sind 51 Artikel, die wir mit anderen Produkten ergänzt haben.
Keine Einigungen in Sicht?
Dort, wo die Verhandlungen nicht erfolgreich waren, führen wir sie laufend weiter. Um die Lieferanten nicht zu kompromittieren, nennen wir deren Namen nicht öffentlich.
Sie haben vor einem Stellenabbau in grenznahen Filialen gewarnt – als Folge des Einkaufstourismus. Inwieweit ist es dazu gekommen?
Wir mussten in Genf und Basel Stellen abbauen.
Wie läuft denn das Geschäft für die Migros bis jetzt in diesem Jahr?
Wir sind insgesamt auf Kurs. Erfreulich waren die Umsätze der letzten Woche – sowohl in der Migros, bei Denner und bei Globus.
Wie bereitet sich die Migros auf ein allfälliges Auseinanderbrechen der Eurozone vor?
Da wir in den kritischen Ländern keine Engagements haben, müssen wir uns nicht besonders darauf vorbereiten. Liegenschaften in Griechenland und Spanien haben wir glücklicherweise schon lange vor der Immobilienkrise verkauft.
Was für Preise erwarten den Konsumenten in den nächsten Monaten?
Ich gehe davon aus, dass die Preise in nächster Zeit im Schnitt eher stabil bleiben. Selbstverständlich geben wir bessere Konditionen in der Beschaffung den Konsumenten weiter, gleichzeitig kann es aber auch vereinzelt zu Preiserhöhungen kommen, weil gewisse Rohstoffe teurer werden.
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