Nach Minarett-Verbot: Wirtschaft fürchtet Boykott Wie viel Geld geht uns verloren?

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • Von Matthias Pfander und Simon Hehli

BERN – Die Mohammed-Karikaturen hatten für die dänische Wirtschaft verheerende Folgen. Auch die Schweizer Export-Firmen und der Tourismus fürchten nun einen Einbruch.

Die Schweizer Exportfirmen zittern. Für 14,5 Milliarden haben sie im letzten Jahr Waren in muslimische Länder geliefert. Das sind 7 Prozent der gesamten Schweizer Exporte im Jahr 2008. Nach dem Ja zur Minarett-Initiative geht nun die Angst vor Boykotten um.Ein solches Szenario ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Vor drei Jahren empörte sich die muslimische Welt über die Mohammed-Karikaturen in Dänemark. Damals riefen Länder wie Saudiarabien, Iran und Malaysia zum Boykott von dänischen Produkten auf.Die Folgen waren drastisch: Zwischen Februar und Juni 2006 brachen die dänischen Exporte um über 15 Prozent ein. Lieferungen in den Iran sogar um 47 Prozent. Insgesamt verlor die Wirtschaft des skandinavischen Staates dadurch 1,6 Milliarden Franken. Und 11000 Jobs waren futsch.Bleiben die islamischen Touristen aus?Auch den Vertretern des Schweizer Tourismus bereitet das gestrige Resultat Bauchschmerzen. Mario Lütolf, Direktor des Schweizer Tourismus-Verbandes (STV), verweist darauf, dass muslimische Länder aus dem Mittleren Osten und Südostasien bisher zu den Wachstumsmärkten gehörten. Dieser Trend könnte nun gebrochen werden.«Kein Muslim geht gerne in ein Land, in dem er sich nicht willkommen fühlt», gibt Lütolf zu bedenken. Er hofft jetzt darauf, dass Calmy-Reys Diplomaten den Entscheid in den islamischen Ländern richtig kommunizieren und damit das Image der Schweiz wieder aufpolieren können.«Daneben müssen wir unsere Gastgeberqualitäten jetzt gegenüber muslimischen Besuchern speziell unter Beweis stellen», appelliert Lütolf an die Mitglieder seines Verbandes.Meiden nun Schweizer Reisen in muslimische Länder?Einen kleinen Trost gibt es für die Tourismus-Industrie: Muslimische Gäste kommen gemäss Lütolf vor allem im Sommer in die Schweiz. Bis zur nächsten Saison verstreichen noch einige Monate. Bis dann dürfte sich die Empörung über das Minarett-Verbot im islamischen Raum gelegt haben, glaubt Lütolf.Besorgt gibt sich der Schweizerische Reisebüro-Verband (SRV). «Ich hoffe, dass es nun an den muslimischen Reisedestinationen selber nicht zu allzu negativen Reaktionen kommen wird. Denn diese könnten die Schweizer vom Reisen in diese Länder abhalten,» sagte Walter Kunz, Geschäftsführer des SRV,

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