Wie trifft uns die US-Hypokrise?

  • Publiziert: 01.10.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Clemens Studer

Wie kams zur US-Hypokrise?
Im vergangenen Jahrzehnt kannten die Immobilien-Preise in den USA nur eine Richtung: nach oben. Und das Zins-Niveau war tief. Beides zusammen führte zu einem beispiellosen Immobilienboom. Die Banken verteilten Kredite an Menschen, die sich diese eigentlich nicht leisten konnten. Die fälligen Zinszahlungen wurden oft einfach auf den Kredit geschlagen. Als vor einigen Monaten die Häuser-Preise ins Rutschen gerieten, waren diese hohen Kredite nicht mehr mit entsprechendem Hauswert hinterlegt. Die Banken kürzten oder kündigten die Kredite. Die Hausbesitzer mussten notverkaufen oder die Häuser wurden zwangsversteigert. Die Immobilien-Preise sanken weiter und die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller.

Was gehen uns in der Schweiz eigentlich die Probleme der US-Häuslebauer an?
Die kreditgebenden Banken wussten durchaus, dass viele ihrer Kredite nicht mit den üblichen Sicherheiten hinterlegt waren. Darum schnürten sie Pakete mit gut und schlecht gesicherten Krediten. Diese Pakete verkauften sie gestückelt an andere Anleger. Auch Schweizer Banken und Pensionskassen griffen zu. Solange das Geschäft lief, rentierte das für alle Seiten. Seit die Blase geplatzt ist, sind viele dieser Pakete massiv weniger oder gar nichts mehr wert.

Triffts weitere Banken?
Höchstwahrscheinlich. Die nächste europäische Bank, die einen massiven Verlust wegen der US-Hypokrise bekannt geben könnte, ist die Deutsche Bank. Deren Chef Joe Ackermann deutete dies in einem TV-Interview an. Allerdings sind die grossen Institute so stark und verdienen so viel Geld, dass keines davon ins Straucheln kommen wird. Anders sieht es bei kleineren Instituten aus. In Deutschland übernahmen grössere Banken die angeschlagene «IKB Deutsche Industriebank AG». Und in England rettete nur eine massive Geldspritze der Nationalbank die Northern Rock Bank vor dem Aus.

Muss ich um mein Sparkonto bangen?
Nein, keine Schweizer Publikumsbank wird in Schwierigkeiten kommen, die den normalen Sparer treffen.

Wie wirkt sich die US-Hypokrise auf unsere Konjunktur aus?
Fast alle Zentralbanken haben in den vergangenen Wochen massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt und/oder auf Leitzinserhöhung verzichtet. Damit wurde das Finanzsystem gestützt, aber auch mittelfristig die Teuerung angeheizt. Die Schweizerische Nationalbank erhöhte die Zinsen gegen den internationalen Trend. Sie wollte so den schwächelnden Franken stützen. Dummerweise hielt sich der Franken nicht an die Theorie und schwächelt trotzdem weiter. Das ist zwar gut für die Exportwirtschaft, aber schlecht für die meisten Konsumenten, weil importierte Produkte teurer werden. Dies kann den Aufschwung gefährden.

Heute vor genau neun Jahren ...

ZÜRICH – Auf den Tag genau vor neun Jahren erlebte die UBS das wohl spektakulärste Debakel ihrer Geschichte. Damals musste der oberste Chef den Hut nehmen.

Am 2. Oktober 1998 trat Mathis Cabiallavetta als Verwaltungsratspräsident der Bank zurück. Er und drei weitere UBS-Manager mussten die Verantwortung übernehmen für den 950-Millionen-Verlust. Der hochspekulative US-Hedge-Fonds LTCM hatte innert neun Monaten 4 Milliarden Dollar verspielt. Das Engagement am LTCM-Fonds war 1997 noch die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) eingegangen. Und «Cab», wie Cabiallavetta unter Bankern genannt wurde, war damals SBG-Chef. Die Situation sei für Cabiallavetta unerträglich geworden. Mit dem Schritt solle das Vertrauen in die Bank wiederhergestellt werden, erklärte die UBS.
Von einem Vergleich mit dem aktuellen Fall will man bei der Grossbank nichts wissen. Cabiallavetta habe damals gehen müssen, weil er bereits beim Einstieg in den Hedge-Fonds beteiligt gewesen sei.

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