Moritz Suters Flugzeuge sind am Boden Wie oft kann ein Überflieger abstürzen?

Moritz Suter pflegte gezielt seine Popularität und übertünchte damit so manche Schwäche!

  • Publiziert: 23.10.2012
  • Von Urs Helbling

Der Basler Luftfahrtpionier Moritz Suter (69) ist ein Stehaufmann. Er ist zwar mit der Swissair bereits moralisch gegroundet. Doch eine richtige Bruchlandung legte er erst jetzt hin!

Dabei war es ihm noch 2010 gelungen, dank seiner hervorragenden Beziehungen die Chartergesellschaft Hello vor dem Absturz zu retten. Damals wurde das Aktienkapital notfallmäs­sig von 8 auf 22,1 Millionen Franken erhöht. Suter musste dabei seine Kapitalmehrheit von 50 Prozent abgeben.

Gewichtige Hello-Aktionäre waren zuletzt Leute wie der Aargauer Franke-Besitzer Michael Pieper, der Basler Ex-Banker Peter E. Merian, der Solothurner Medtech-Unternehmer Hugo Mathys und – über Umwege – die Familie von Christoph Blocher.  Insbesondere Milliardär Pieper ist ein langjähriger Weggefährte von Suter. Er war schon 1978 Gründungs-Verwaltungsrat der Crossair.

Moritz Suter hatte es bei der Swissair bis zum Flugkapitän geschafft, ehe er 1975 ein Lufttaxiunternehmen gründete. Die daraus hervorgegangene Crossair wuchs extrem rasch.

Zu rasch. Suter hatte sich übernommen und brauchte die finanzielle Hilfe der Swissair. «Ein Geheimvertrag sicherte 1988 der Swissair die Crossair-Mehrheit und Moritz Suter fette Gewinne auf Kosten der Kleinaktionäre», berichtete «Cash».

Suter war den neuen Investoren als Präsident nicht genehm

Suter hatte stets ein gespanntes Verhältnis zur Swissair. So torpedierte er 1993 deren Fusionsprojekt Alcazar. Der damalige Swissair-Verwaltungsrat und CS-Ehrenpräsident Rainer E. Gut schreibt: «Die Verantwortlichen der Swissair waren Moritz Suter nicht gewachsen. Sie fielen auf die Schalmeienklänge und Drohgebärden aus Basel herein und wurden vom Crossair-Präsidenten durch ver­schlungene und listige Manöver wiederholt ausgetrickst.»

Als sich die Muttergesellschaft der Swissair, die SAir Group, bereits in grossen Turbulenzen befand, wurde Moritz Suter im Januar 2001 operativer Chef von Swissair & Co. Doch nach 44 Tagen warf er entnervt das Handtuch.

Nachdem die Swissair im Oktober 2001 am Boden war, wurde auf der Basis der ebenfalls praktisch insolventen Crossair die neue Schweizer Fluggesellschaft Swiss aufgebaut. Doch Suter war den neuen Investoren als Präsident nicht genehm.

Er war später für einige wenige Wochen Präsident der Jet Aviation, eher er sich anschickte, eine neue Airline zu gründen: Hello!

Finanzchef hat die Zahlen geschönt

Von Matthias Pfander
 

Basel – Das Grounding von Hello beschäftigt auch die Basler Staatsanwaltschaft. Man habe mit Vorabklärungen begonnen, heisst es auf Anfrage. Der ehemalige Finanzchef der Airline soll Zahlen geschönt haben. Hello-Chef Robert Somers spricht von einem einstelligen Millionenbetrag, der fehlte. Doch kann das den Total-Absturz ausgelöst haben?
 

Tatsache ist, dass Hello massiv unter Druck stand. Somers führt die seit Anfang Jahr um 17 Prozent gestiegenen Kerosinpreise an. Oder den starken Franken. Den Grossauftrag, den Tui Deutschland ab nächstem April auslaufen lassen will, habe man noch zu einem Eurokurs von 1.38 Franken abgeschlossen. Zudem hätten Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlt. Hinzu kommt eine generell schwierige Lage: «Die Airline-Branche ist in Europa stark unter Druck, und die kleinen Nischenanbieter trifft es besonders hart», so Aviatik-Experte Sepp Moser zu BLICK.
 

Bis Ende November haben die Hello-Verantwortlichen Zeit, neue Investoren aufzutreiben, um das endgültige Aus noch abzuwenden. «Es gibt bis jetzt fünf Interessenten», sagt Hello-Chef Somers. Sepp Moser ist skeptisch: «Sollte sich ein neuer Investor finden, stellt sich die Frage, ob die Kunden wieder zurückkommen.» Die Betriebsbewilligung von Hello hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt auf Eis gelegt: «Ob die Bewilligung zu einem späteren Zeitpunkt ohne weiteres wieder erteilt wird, können wir aus heutiger Sicht noch nicht sagen», heisst es.
 

Den 140 betroffenen Mitarbeitern wird der Lohn bis Ende Januar garantiert: «Die Verwaltungsräte zahlen den Sozialplan mit ihrem privaten Vermögen», so Hello-Chef Somers. Mehrere Tausend Passagiere, die über die nächsten Tage und Wochen auf Hello-Maschinen geflogen wären, müssen umgebucht werden.

Beliebteste Kommentare

  • Albert  Ulrich , Gross
    Es ist Zeit dass man begreift, dass auch Herr Suter auch nur mit Wasser kocht. Er erleidet nun schon das zweitemal eine schmerzliche Bauchlandung und wieder hatte er die Kontrolle der Finanzen nicht im Griff! Ziehen Sie sich zur;ck Herr Suter Sie sind ein Reinfall.
  • Gerhard  Von Allmen
    Hoffentlich lässt er jetzt die Finger vom Airline Business. Zuerst hilft er die Swissair kaputt zu machen, dann machen die Crossair Losers fast das Gleiche bei der Swiss.

Alle Kommentare (18)

  • Sabrina  Wunderli
    Niemand braucht Mitleid zu haben mit Herrn Suter. Wenn er nicht loslassen kann im hohen Alter, kommt eben ein Absturz nach dem anderen. Ich frage mich was noch passieren muss damit er begreift, seine Zeit ist einfach nur noch vorbei.
    • 23.10.2012
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  • Andreas  Kaufmann
    Das einzig positiv überraschende das ich hier lese ist, dass die Verwaltungsräte den Sozialplan aus ihrem Privatvermögen bezahlen.
    So soll es auch sein. Wen Verwaltungsräte und CEOs überdurchschnittlich gut verdienen, dann sollten sie auch mit einem überdurchschnittlich hohen Betrag im Falle des Falls bürgen müssen. Anders ist es sonst moralisch nicht gerechtfertigt Millionen zu verdienen!
    • 23.10.2012
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  • Sarah  Keller
    Die blind praktizierte Verehrung der Person Suter ist ungeheuer stossend. Er war weit entfernt von einem fairen, verantwortungsvollen Arbeitgeber. Da wurde rücksichtslos ausgebeutet und niedergemacht, und wer dumme Fragen stellte – egal , wie berechtigt - oder Suter zu aufmüpfig wurde, kam umgehend auf die Abschussliste.

    Im Rahmen unterirdischer Selektionskriterien wurde zudem eine Zeit lang alles in ein Cockpit gelassen, was Puls hatte. Preis oder Kumpelei waren matchentscheidend, nicht etwa Können oder Ausbildung. Die traurigen Unfälle von Nassenwil und Bassersdorf sprechen eine deutliche Sprache, und es ist heute noch unverständlich und muss für die Angehörigen bitter sein, wie sich Suter als Chef und somit Verantwortlicher aus dieser Nummer rausringeln konnte. Flugbegleiterinnen, die nicht einmal die Tür des Fliegers aufkriegten - dies nicht etwa im Training, sondern auf der Strecke, nach abgeschlossener Ausbildung. Ein Bekannter, der sich vor ca. 15 Jahren bei der Crossair als Copilot bewarb und die Stelle bekommen hätte. 37 Jahre alt, Anfangsgehalt CHF 3200.00 brutto im Monat: moderne Sklavenhaltung, nichts anderes. Das sind nur einige Beispiele von vielen.

    Nein, mir muss den Suter wirklich niemand mehr rühmen.
    • Yves  Ebneter , Winterthur
      Es wird niemand gezwungen dort zu arbeiten. Crossair hat vielen Leuten einen Einstieg in die fliegerei ermöglicht!! In den USA wo der Luftfahrt schon länger liberalisiert ist, ist es nicht besser bei Regionalairlines. Man nutzt diese Airlines als sprungbrett für eine Karriere Std. sammeln später bei einer grösseen und besser bezahlten Airline zu arbeiten. Es sind nur die Zeichen der Zeit. Sutter kan absolut nichts dafür. Zudem ist jeder Pilot sowieso idealist, ansonsten macht niemand diesen Beruf!!!! Es ist die liebe zur Fliegerei!!
      • 23.10.2012
      • als Kommentar auf Sarah  Keller
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    • Anna  Gwerder
      Frau Keller hat absolut recht mit Ihrer Einschätzung und Sie, sehr geehrter Herr Ebneter, sollten sich etwas besser über die Historie von Herrn Suter, seiner Crossair und das Destaster bei der Swissair informieren. Herr Suter hat nach dem Grounding erreicht, sich selbst und "seine" Leute bei der neuen Swiss unterzubringen. Es ist genau anders herum als Sie es schreiben: Piloten, Flight Attendants etc. die es bei der Swissair nicht geschafft hatten, wurden von Herrn Suter bei der Crossair jeweils dankbar zu einem Hungerlohn angestellt. Nach dem Grounding und dem Neustart der Swiss auf der rechtlichen Basis der Crossair hat er es dann geschafft, erfahrene Leute der Swissair, die für das Grounding nichts konnten, aus dem Unternehmen zu drängen und Crossair-Angestellte, welche vom so wichtigen Langstrecken-Geschäft keine Ahnung hatten und deren Arbeitsplätze ein paar Jahre zuvor von der Swissair durch die Übernahme der Crossair gerettet worden waren, zu höheren Weihen zu bringen. Nicht umsonst wurde die Swiss relativ bald zu einem aus heutiger Sicht lächerlichen Preis an die Lufthansa verkauft. Mit dem "neuen" alten Crossair-Management in der Verantwortung und dem nur für Kurzstrecken ausgebildeten Cockpit- und Kabinenpersonal hatte die Swiss keine Chance. Und da war Suter an vorderster Front verantwortlich und hat alle über den Tisch gezogen. Von Idealismus alleine hat noch keiner gelebt.
      • 23.10.2012
      • als Kommentar auf Sarah  Keller
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    • Yves  Ebneter , Winterthur
      Ich glaube schon das man Idealist ist, wenn man 100000Sfr. für eine Pilotenausbildung hinblättert und dann noch Erfahrung/Zeitaufwand sammeln muss. Da lebt man wirklich vom Idealismus. Aber so lange es genug Idealisten gibt werden dich die Airlines nicht ändern. Um Stunden zu sammeln ist der Crossair Lohn immer noch besser als der kleine Lohn, welcher US Piloten haben auf Basis eines Fluglehrers, um ihre 1000Std. für den erwerb des ATPL zu sammeln. Das die Crossair eine andere Lohnstruktur hatte ist absolut logisch. Schliesslich war Crossair eben auch eine Charter Airline und da ist die Verdienstmöglichkeit nicht gerade rosig. Viele Charter Airlines Weltweit sind schon pleite gegangen oder haben Probleme, weil es kaum noch zu realisieren ist gewinnbringend zu Operieren, weil man eine Diversität an Partner braucht, damit man sich nicht nur auf eine Säule abstützen muss. Man muss auch schlechte Zeiten einberechnen. Air Australia ist das gleiche auch zum Verhängnis geworden. Man hat sich einseitig auf einen Regierungsauftrag abgestützt, dieser wurde dann fallen gelassen und schon stand die Buchhaltung kopf. Das Sutter natürlich sein Lebenswerk retten wollte ist ebenfalls menschlich. Den Untergang der Swissair hat schliesslich nicht er verursacht. Oder war Sutter etwa an der Spitze der Swissair? Ich finde es auch nicht gut jetzt nur auf den Hunter Strategen Bruggisser einzuhauen. Dieser Mann war nicht dumm. Seiner Zeit einfach voraus. Die Grundidee der Strategie war brillant. Die Umsetzung ist ein anderes Thema. Das auch intelligente Leute Fehler machen können, zeigt wie schwierig und relativ komplex das Business ist. Wir können alle am Schluss lästern und über die Leute reden und kritisieren. Auch der Verwaltungsrat hat in seinen Kontrollen versagt. Einfach ist es nicht, sonst wären nicht schon so viele Airlines pleite gegangen. Das er sein Kind retten wollte ist absolut nachvollziehbar. Ich bin auch kein Fan von Dose. Aber jetzt einfach nur auf Sutter einzudreschen ist falsch. Am Schluss gehörte die Swiss dem Staat und dieser verkaufte dann die Swiss zu einem Trinkgeld. Wer dann schlussendlich die Fäden zog ist gar nicht mehr relevant, weil man schon vorher von Staatsseite intervenieren hätte müssen. Es wäre zu keinem Grounding gekommen und die Swissair würde heute noch fliegen. Man kann sich höchstens gesellschaftlich, die Frage stellen wie viel ein Kadermann im Verhältnis zu einem Mitarbeiter mehr verdienen darf/soll. Wir alle machen Fehler. Niemand ist vollkommen.
      • 23.10.2012
      • als Kommentar auf Sarah  Keller
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  • Beat  Engelberger
    Banken, Versicherungen, Airlines und andere Betrüger.
    Unsereins sässe schon längst in der Kiste!
    • 23.10.2012
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  • reto  buff
    Finanzchef hat die Zahlen geschönt
    Kommt mir irgendwie bekannst vor !?!?
    Hatten wir doch schon mal bei der Swissair ?????
    • 23.10.2012
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