Moritz Suter pflegte gezielt seine Popularität und übertünchte damit so manche Schwäche!
Der Basler Luftfahrtpionier Moritz Suter (69) ist ein Stehaufmann. Er ist zwar mit der Swissair bereits moralisch gegroundet. Doch eine richtige Bruchlandung legte er erst jetzt hin!
Dabei war es ihm noch 2010 gelungen, dank seiner hervorragenden Beziehungen die Chartergesellschaft Hello vor dem Absturz zu retten. Damals wurde das Aktienkapital notfallmässig von 8 auf 22,1 Millionen Franken erhöht. Suter musste dabei seine Kapitalmehrheit von 50 Prozent abgeben.
Gewichtige Hello-Aktionäre waren zuletzt Leute wie der Aargauer Franke-Besitzer Michael Pieper, der Basler Ex-Banker Peter E. Merian, der Solothurner Medtech-Unternehmer Hugo Mathys und – über Umwege – die Familie von Christoph Blocher. Insbesondere Milliardär Pieper ist ein langjähriger Weggefährte von Suter. Er war schon 1978 Gründungs-Verwaltungsrat der Crossair.
Moritz Suter hatte es bei der Swissair bis zum Flugkapitän geschafft, ehe er 1975 ein Lufttaxiunternehmen gründete. Die daraus hervorgegangene Crossair wuchs extrem rasch.
Zu rasch. Suter hatte sich übernommen und brauchte die finanzielle Hilfe der Swissair. «Ein Geheimvertrag sicherte 1988 der Swissair die Crossair-Mehrheit und Moritz Suter fette Gewinne auf Kosten der Kleinaktionäre», berichtete «Cash».
Suter hatte stets ein gespanntes Verhältnis zur Swissair. So torpedierte er 1993 deren Fusionsprojekt Alcazar. Der damalige Swissair-Verwaltungsrat und CS-Ehrenpräsident Rainer E. Gut schreibt: «Die Verantwortlichen der Swissair waren Moritz Suter nicht gewachsen. Sie fielen auf die Schalmeienklänge und Drohgebärden aus Basel herein und wurden vom Crossair-Präsidenten durch verschlungene und listige Manöver wiederholt ausgetrickst.»
Als sich die Muttergesellschaft der Swissair, die SAir Group, bereits in grossen Turbulenzen befand, wurde Moritz Suter im Januar 2001 operativer Chef von Swissair & Co. Doch nach 44 Tagen warf er entnervt das Handtuch.
Nachdem die Swissair im Oktober 2001 am Boden war, wurde auf der Basis der ebenfalls praktisch insolventen Crossair die neue Schweizer Fluggesellschaft Swiss aufgebaut. Doch Suter war den neuen Investoren als Präsident nicht genehm.
Er war später für einige wenige Wochen Präsident der Jet Aviation, eher er sich anschickte, eine neue Airline zu gründen: Hello!
Von Matthias Pfander
Basel – Das Grounding von Hello beschäftigt auch die Basler Staatsanwaltschaft. Man habe mit Vorabklärungen begonnen, heisst es auf Anfrage. Der ehemalige Finanzchef der Airline soll Zahlen geschönt haben. Hello-Chef Robert Somers spricht von einem einstelligen Millionenbetrag, der fehlte. Doch kann das den Total-Absturz ausgelöst haben?
Tatsache ist, dass Hello massiv unter Druck stand. Somers führt die seit Anfang Jahr um 17 Prozent gestiegenen Kerosinpreise an. Oder den starken Franken. Den Grossauftrag, den Tui Deutschland ab nächstem April auslaufen lassen will, habe man noch zu einem Eurokurs von 1.38 Franken abgeschlossen. Zudem hätten Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlt. Hinzu kommt eine generell schwierige Lage: «Die Airline-Branche ist in Europa stark unter Druck, und die kleinen Nischenanbieter trifft es besonders hart», so Aviatik-Experte Sepp Moser zu BLICK.
Bis Ende November haben die Hello-Verantwortlichen Zeit, neue Investoren aufzutreiben, um das endgültige Aus noch abzuwenden. «Es gibt bis jetzt fünf Interessenten», sagt Hello-Chef Somers. Sepp Moser ist skeptisch: «Sollte sich ein neuer Investor finden, stellt sich die Frage, ob die Kunden wieder zurückkommen.» Die Betriebsbewilligung von Hello hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt auf Eis gelegt: «Ob die Bewilligung zu einem späteren Zeitpunkt ohne weiteres wieder erteilt wird, können wir aus heutiger Sicht noch nicht sagen», heisst es.
Den 140 betroffenen Mitarbeitern wird der Lohn bis Ende Januar garantiert: «Die Verwaltungsräte zahlen den Sozialplan mit ihrem privaten Vermögen», so Hello-Chef Somers. Mehrere Tausend Passagiere, die über die nächsten Tage und Wochen auf Hello-Maschinen geflogen wären, müssen umgebucht werden.
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