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In der Schweiz gibt es gut drei Millionen Haushalte. Und vor jedem hängt ein Briefkasten, in den der Pöstler Briefe steckt. Aber vor allem Rechnungen und Werbung!
Bislang zahlen die Absender diesen Service der Post. Doch jetzt hat Post-Chef Michel Kunz (50) unsere Briefkästen als Geldquelle entdeckt! In einem Interview mit der «Basler Zeitung» hat er die Idee einer Briefkasten-Gebühr lanciert. Jeder, der seine Post im Briefkasten haben will, soll dafür 60 Franken im Jahr zahlen. Das brächte der Post pro Jahr gegen 200 Millionen Franken.
Was für eine Schnapsidee! Erstens will niemand dafür zahlen, Rechnungen und Werbung zu bekommen. Das sollen gefälligst die Absender berappen. Und zweitens wäre eine Briefkastengebühr etwa das Gleiche, wie wenn die Migros Eintritt in ihre Läden verlangen würde.
Immerhin: Kaum hat Kunz die Idee am Samstag lanciert, wurde sie auch schon wieder begraben! Postminister Moritz Leuenberger sagte der «Tagesschau»: «Wir denken nicht im Traum daran!»
Unterstützt wurde der Bundesrat von Politikern aller Couleur: «Eine Briefkastengebühr lehne ich rundweg ab», sagte Nationalrat Peter Föhn (SVP/SZ). Und Ratskollegin Jacqueline Fehr (SP/ZH) findet: «Das ist eine total absurde Idee.»
Den endgültigen Todesstoss versetzte der Briefkastengebühr Post-Verwaltungsratspräsident Claude Béglé im «SonntagsBlick»: «Eine Briefkastengebühr war nie ein Thema und ist nicht Teil unserer Strategie.»
Punkt, Schluss, Amen.
Noch nie wurde ein Manager von seinen zwei Chefs so schnell ins Abseits gestellt wie Kunz mit der Briefkastengebühr! Er kann es noch gar nicht fassen: «Ich bin völlig überrascht über die Resonanz», sagt er ganz naiv. Er habe ja nur darüber geredet, was verschiedene europäische Postchefs diskutierten.
Doch auch die Entrüstung von Béglé über Kunz’ Schnapsidee ist scheinheilig. Wie Post-Insider berichten, wurde die Briefkastengebühr nämlich sehr wohl im Verwaltungsrat diskutiert. Als eine Möglichkeit, den Service public auf Dauer zu finanzieren.
Nichts gegen eine solche Diskussion. Sie ist notwendig und morgen Dienstag Thema im Nationalrat. Aber es werden den gut bezahlten Post-Spitzenleuten doch bessere Ideen einfallen, als einfach neue Zwangsgebühren einzuführen. Oder?
play
Der Post-Chef Michel Kunz. (Toini Lindroos)