Weshalb Initianten und Gegner der Atomausstiegsinitiative falsch liegen Die Strom-Lüge

ZÜRICH - Niemand weiss, wie die Schweizer Import-Energie erzeugt wird. Auch wenn Gegner und Befürworter der Atomausstiegs-Initiative etwas anderes behaupten.

Strom-Lüge: Weshalb Gegner der Atomausstiegsinitiative falsch liegen play
Das Atomkraftwerk Leibstadt. ALESSANDRO DELLA BELLA

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Schweizer Atomstrom liesse sich problemlos mit sauberem Strom aus dem Ausland ersetzen, behaupten Befürworter der Atomausstiegs-Initiative. Es ist eines ihrer Haupt­argumente, um das Volk für die Stimmabgabe am 27. November vom Ausstieg aus der Atomenergie zu begeistern.

Doch damit liegen die Initianten falsch. Genau wie ihre Gegner, die den Teufel an die Wand malen. Ohne eigenen AKW-Strom müsse die Schweiz «permanent mehr importieren», sagte Bundesrätin Doris Leuthard (CVP, 53) in der SRF-Diskussionsrunde «Arena» am Freitagabend und meinte damit schmutzigen Kohlestrom aus Deutschland. SVP-Nationalrat Christian Imark (34) doppelte nach, Kohlestrom sei der «Klimafeind Nummer eins». Imark weiter: «Deshalb müssen wir die Initiative versenken.»

Atomgegner bekommen sakralen Segen 

Doch niemand weiss, ob die Schweiz überhaupt Kohlestrom aus Deutschland importiert. Nicht einmal die Deutschen selbst.

Fakt ist: 2015 importierte die Schweiz 42,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Den grössten Teil aus Frankreich, gefolgt von Deutschland und Österreich. Zwar stammt vom Frankreich-Strom höchstwahrscheinlich ein grosser Teil aus Kernkaftwerken. Schliesslich stützt sich die französische Energieversorgung zu 80 Prozent auf 58 AKW. 23 von ihnen stehen derzeit jedoch still.

Deutschland erzeugt etwa ein Drittel seiner Elektrizität aus Stein- und Braunkohle, etwas weniger aus erneuerbaren Energien. Man könne aber nicht sagen, dass sich der Strom-Mix eines Landes im exportierten Strom widerspiegle, erklärt Jan Ulland, Pressesprecher des deutschen Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): «Elektronen haben leider kein Etikett.»

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Energieministerin Doris Leuthard warnt vor schmutzigem Kohlestrom. ANTHONY ANEX

Theoretisch ist es sogar möglich, dass aus Frankreich oder Deutschland importierter Strom aus einem Drittland stammt. Man wisse zwar, wie viel Energie über die Grenze komme. «Ob der Strom tatsächlich auch in diesen Ländern produziert worden ist, weiss man nicht», bekennt das Bundesamt für Energie (BFE) auf Anfrage.

Schweizer Stromhändler kaufen also die Katze im Sack. Beim gehandelten Strom wisse man nicht, wie viel aus erneuerbaren Energiequellen stamme, «weil an der Börse grundsätzlich Graustrom gehandelt wird», erklärt etwa die BKW in Bern.

Die exakte Energiequelle könne nicht ermittelt werden, lässt auch Axpo wissen.

Fest steht nur: Wenn Schweizer Atomkraftwerke vom Netz genommen werden wie jenes in Leibstadt AG, muss die fehlende Energie ersetzt werden. Und weil im Winter weniger Wasser durch die Flusskraftwerke fliesst, kann sie nicht von dort kommen. An Stromimporten führt kein Weg vorbei.

Publiziert am 30.10.2016 | Aktualisiert am 14.11.2016
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81 Kommentare
  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    31.10.2016
    Es ist schon erstaunlich wie sich ein ganzer Kontinent von Frau Merkel mit ihrer Energiepolitik über den Tisch ziehen lässt. Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes wurde in der BRD mit hohen Subventionen eine riesige neue Industrie aufgebaut die überall in Europa die Konkurrenz aus dem Markt drängt. Aber wer wagt es gegen ein angebliches Ökologie-Projekt anzugehen, das käme beim Wähler nicht gut an. So finanzieren Europas Volkswirtschaften zumindest teilweise das Wirtschaftswachstum der BRD.
  • -  -.- 31.10.2016
    Die Schweiz soll eben nicht unabhängig sein. Kein Land soll das - denn das ist die Taktik der Globalisten. Sie wollen uns alle in künstliche Abhängigkeiten zwingen, damit wir denken, wir wären hilflos und klein alleine. Wer es durchschaut hat, lacht umso mehr darüber. Wir haben auch ohne AKWs genug Strom, alles andere ist gelogen, Frau Leuthard!
  • Hans-Peter  Brechbühl 31.10.2016
    Jetzt sind wir nämlich dort gelandet, dort wo wir nie
    hätten landen dürfen. Nämlich in einer Überbewohnten
    kleinen Schweiz mit fast 9 Millionen Einwohner viele
    davon sind Fremde und Eingebürgerte. Neubauten
    entstehen immer noch wie zu alten Zeiten, aber an die
    Stromversorgung für die Zukunft daran dachte niemand.
    Jetzt plötzlich sollen die Atomkraftwerke verschwinden
    aber eine Lösung hat niemand, wie jetzt weiter??.

    • Thomas  homberger 31.10.2016
      Die Lösung wäre selber Energie zu erzeugen durch Wind,Wasser,Solar und ähnliches. Wir haben soviel Ressourcen was andere Länder nicht haben und nutzen diese nicht.
    • Hans-Peter  Brechbühl 31.10.2016
      Herr Homberger Sie haben vollkommen recht,
      aber leider wird vieles von den grünen und dem
      Heimatschutz verhindert womit Elektrizität
      gewonnen werden könnte. Viele Hausbesitzer
      könnten ein Lied davon singen.
  • Rumpelstilzli  B. aus B.
    31.10.2016
    Solange die Stromversorgung hierzulande nicht 100-prozentig sichergestellt ist, sollten die AKWs nicht abgeschaltet werden. Sonst manöverieren wir uns noch mehr in die Abhängigkeit anderer Staaten und wer weiss, was für Strom dann importiert werden müsste.
  • Roger  Hofstetter 31.10.2016
    Es ist ein enorm emotionales Thema, udn Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima zeigen, dass der Atomstrom nocht ohne Risiko ist. Ungeachtet dessen ist ein fast panikartiges Aussteigen aus dem Atomstrom kaum realisierbar, soviel Sonnen- und Windkraft kreigen wir in der Zeit kaum hin.
    Und bei einer Annahme verschliessen wir uns vor Reaktoren der 4. Generation, welche einen Grossteil der Risiken kaum noch beinhalten.
    Lassen wir uns die Möglichkeiten offen.