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Aufgeräumt Das kleine Büro des alt Bundesrats in einem Aussenquartier von Bern spiegelt die bescheidene Seite des ehemals hohen Staatsdieners, der sich aufmacht, eine grosse Aufgabe zu übernehmen. (Philipp Zinniker)
Willkommen zurück, Kaspar Villiger! Ihr Einstand bei der UBS ist das Comeback des Jahres.
Kaspar Villiger: Ich war enorm überrascht, als ich angegangen wurde. Zuerst wollte ich es nicht machen. Doch beim zweiten Anlauf sagte ich zu. Im näheren Umfeld haben mir auch einige abgeraten.
Zum Beispiel Ihre Frau, die lieber auf Kreuzfahrten geht. Sind die so langweilig?
Sie hatte überhaupt keine Freude, dass ich an der Pressekonferenz so was gesagt habe. Ich gehe aber davon aus, dass ich sie auch in Zukunft zumindest mal für eine Woche begleiten kann.
Statt einer lustigen Kreuzfahrt wählten Sie nun einen Flugzeugträger mit Motorschaden – gefährliche Eisberge, so weit das Auge reicht!
Das ist eine schwierige Aufgabe. Dass wir diesen Flugzeugträger samt seinen Motoren wieder flottkriegen, ist nicht nur eine Schicksalsfrage für das Schiff, sondern fürs ganze Land. Es geht um die Stabilität des Finanz- und Werkplatzes Schweiz. Und es geht ums Vertrauen. Die Bank hat, ich muss es sagen, einen enormen Vertrauensschaden verursacht. Es geht ums Image unseres Landes.
Beim zweiten Anlauf hatten Sie eine Aussprache mit dem neuen CEO Grübel. Warum wollte er Sie?
Wer mich weshalb wollte, war nicht die Frage. Aber wir hatten ein langes, gutes Gespräch. Er meinte in seiner knappen Art: «Sie sollten das tun.» Ich bin kein Banker und muss mich voll auf die Person verlassen können, die den Laden führt. Ich muss ein Diskussionspartner sein, der die richtigen Fragen stellt.
Man könnte auch sagen: Grübel schert sich keinen Deut drum, wer unter ihm Verwaltungsratspräsident ist.
Das ist der dümmliche Satz, der jetzt offenbar die Runde macht.
Überrascht Sie der Satz?
Vielleicht kommt es daher, dass Oswald Grübel – für die, die ihn nicht kennen – oft wie ein Panzer wirkt. Aber das ist in einer Krise gar nicht so schlecht.
Vor was haben Sie als Kapitän eines maroden Flugzeugträgers am meisten Respekt?
Sie sind auf dem Flugzeugträger im Sturm. Dort können Sie auf die Mannschaft, die Maschine und das Steuer Einfluss nehmen. Aber Sie haben keine Macht über die Eisberge und die Sturmstärke. Niemand weiss, was noch auf uns zukommt. Das ganze AmerikaProblem ist zwar von der Bank verursacht, was mich übrigens sehr schockiert hat. Aber es ist nicht mehr alles in der Hand der Bank. Selbst wenn jetzt eine Bank zum parteipolitischen Spielball wird, muss am Schluss jemand merken, dass es im Landesinteresse ist, die Reihen zu schliessen.
Der Bundesrat hat grosse Angst, dass die Schweiz auf die schwarze Liste kommt.
Als Exportnation müssen wir die schwarzen Listen ernst nehmen. Sollte die Schweiz mit Sanktionen abgestraft werden, die den Handel einschränken, trifft uns das auch als Werkplatz. Aber die EU macht mit uns einen Aktivsaldo von rund 25 Milliarden. Eine Million EU-Bürger haben bei uns Arbeit. Täglich passieren 700000 Menschen die Grenze und Schweizer Firmen beschäftigen rund zwei Millionen Arbeitnehmer im Ausland. Das zeigt: Wer uns bestraft, straft sich auch selbst.
Und was kann die UBS tun?
Amerika hat sich gegen eine Firma gewehrt, die auf ihrem Boden US-Recht gebrochen hat. Das würden wir genauso machen. Die UBS muss versprechen: Das passiert nie wieder. Wir müssen eine Kultur der Verlässlichkeit, der Glaubwürdigkeit, der Wahrhaftigkeit schaffen.
Könnte es so weit kommen, dass ein zweites Hilfspaket des Staats notwendig wird?
Wir hoffen sehr, dass es nicht dazu kommen wird.
Kennen Sie den kürzesten Weg von der UBS zur Bundeskasse?
Nein.
Das ist ein Villiger! Das ist der gängige Witz zum Comeback des Jahres.
(Lacht) Der ist gut! Gerade als ehemaliger Finanzminister und als Liberaler wäre für mich ein solcher Gang besonders unangenehm.
Das ganze Interview mit Kaspar Villiger finden Sie im SonntagsBlick.
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Gut gelaunt Der künftige Präsident der UBS bringt die SonntagsBlick-Redaktoren Britschgi (l.) und Odermatt zum Lachen. (Philipp Zinniker)