Unsere Energieversorger Wer den dreckigsten Strom produziert

  • Publiziert: 21.07.2012
  • Philipp Albrecht
Dampf steigt aus Kaminen eines deutschen Kohlekraftwerkes (Archiv) play Dampf steigt aus Kaminen eines deutschen Kohlekraftwerkes (Archiv) (key)

Die Schweizerische Energiestiftung hat untersucht, wie viel Abgase und Atommüll die grössten Strom-Konzerne verursachen. Die Axpo bezeichnet das Resultat als «Witz».

Die Stromproduktion ist ein schmutziges Geschäft. Die grosse Mehrheit des weltweiten Bedarfs wird mit fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl oder Gas hergestellt. Bei der Verbrennung setzen sie klima- und gesundheitsschädliche Stoffe frei.

Auch Atomstrom ist problematisch: Die verbrauchten Brennstäbe strahlen Jahrtausende lang weiter und gefährden die Umwelt.

Die Schweizerische Energiestifung (SES) hat nun untersucht, wie viel «dreckigen» Strom die grossen Schweizer Versorger Axpo, Alpiq, BKW und Repower produzieren. Die SES setzt sich nach eigenen Angaben für den «effizienten Einsatz von Energie und die Förderung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen» ein.

Axpo macht am meisten Atommüll

Grösste Verschmutzerin ist demnach die Axpo. Pro Kilowattstunde Strom hinterlässt sie am meisten Atommüll. 65 Prozent des Axpo-Stroms kamen 2011 aus Atomkraftwerken.

Auf Platz zwei folgt die Alpiq. Sie hat den höchsten Ausstoss an Treibhausgasen. «Ganze 44 Prozent des Alpiq-Strommixes wurden in fossilen Kraftwerken, fast ausschliesslich im Ausland erzeugt, davon rund ein Viertel in Kohle- und Erdölkraftwerken», schreibt die SES in einer Mitteilung.

Alpiq sei zudem das einzige Unternehmen, das selber Kohlekraftwerke betreibe. Im Vergleich zu Gaskraftwerken belasten diese die Umwelt doppelt so stark.

Repower macht vor allem im Ausland Strom

Platz drei geht an die BKW. Sie hinterlässt am zweitmeisten Atomabfall. 8 Prozent ihres Stroms wird mit fossilen Brennstoffen produziert. Repower verursacht am wenigsten Umweltschäden. Im Vergleich zur BKW ist jedoch der Verschmutzungsanteil des Repower-Stroms im Ausland höher als in der Schweiz.

Für die Gesamtbewertung wurden Umweltbelastungspunkte pro Kilowattstunde berechnet. Sie berücksichtigen laut SES den CO2-Ausstoss, weitere Abgase, radioaktive Abfälle sowie Wasser- und Landverbrauch von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung der Abfälle.

1.Axpo417 UBP/kWh
2.Alpiq344 UBP/kWh
3.BKW324 UBP/kWh
4.Repower211 UBP/kWh

 

Gleichzeitig kritisiert die SES, dass die untersuchten Versorger abgesehen vom Wasser kaum erneuerbare Quellen nutzen: «Die Energiewende hat bei den vier grossen Schweizer Stromunternehmen noch nicht begonnen», heisst es in der Mitteilung. Die Alpiq besitze lediglich einen Windpark in der Schweiz, die Axpo gar keinen.

Die sogenannten neuen erneuerbaren Energien – Sonne, Wind und Biogas – seien im Strommix der vier Unternehmen kaum vorhanden: Bei Axpo sind es 0,36 Prozent, bei Alpiq 1,1 Prozent. Am besten schneiden hier BKW und Repower mit 3,78 beziehungsweise 2,64 Prozent ab.

Axpo will Produktion von Öko-Strom verdoppeln

«Die Behauptungen der SES sind ein Witz!», schreibt die Axpo auf Anfrage. Erstens werde ausgeblendet, dass die Axpo der grösste Produzent von erneuerbarer Wasserkraft und von Energie aus Biomasse in der Schweiz sei. «Zweitens wird verschwiegen, dass AKW zwar Abfall produzieren, dieser aber sicher gelagert werden kann.» Dies habe der Bundesrat 2006 bestätigt.

Weiter biete die Axpo in der Schweiz mit der Kombination aus erneuerbarer Energie und Kernenergie «einen fast CO2-freien und deshalb klimaschonenden Energiemix an». Und mit der Anfang Jahr vorgestellten neuen Strategie sei geplant, die Produktion von erneuerbaren Energien bis 2030 mehr als zu verdoppeln.

Alpiq verkaufte Kraftwerksbeteiligung

Alpiq verweist auf den Verkauf ihrer 20-Prozent Beteiligung am italienschen Kraftwerksbetreiber Edipower: «Dadurch wird sich der Anteil fossiler Produktion am Gesamtstrommix von Alpiq reduzieren.» Genauere Angaben würden im nächsten Geschäftsbericht gemacht.

Ausserdem habe man letztes Jahr eine neue Strategie entschieden: «Darin werden der Ausbau der neuen erneuerbaren Energien und der Ausbau der Energieeffizienz eine sehr wichtige Rolle spielen.»

Wem gehören die Stromkonzerne?

Die Axpo gehört den Nordostschweizer Kantonen Zürich, Aargau, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Appenzell, Glarus und Zug.

Die Anteile von Alpiq sind etwas breiter gestreut: Hauptaktionäre sind die EOS Holding und die französische EDF. Neben verschiedener regionaler Versorger sind auch die deutsche EnBW und der Kanton Solothurn beteiligt.

Die bernische BKW gehört zu 53 Prozent dem Kanton Bern. 10 Prozent der Aktien sind im Besitz der Westschweizer Groupe E, 7 Prozent gehören dem deutschen Energiekonzern E.ON. Der Rest ist gestreut.

Die Repower AG ist zu 46 Prozent in der Hand des Kantons Graubünden. Ein Viertel der Aktien gehören Alpiq und 21 Prozent sind im Besitz der EGL AG, die wiederum zum Axpo-Konzern gehört. Der Rest der Aktien ist im Streubesitz. (alp)

Beliebteste Kommentare

  • reinhard  hertig , gibswil
    hauptsache, wir haben genug strom. letztlich wollen alle nur das.
  • Heinz  Manhart , Manila , via Facebook
    Endlich mal Resultate wieviel die Stromerzeugung an der Umweltbelastung beteiligt ist. Jeder spricht von elektro Autos, Eisenbahnen und anderen elektrisch betriebenen Geräten als umweltfreundlich. Kaum, jemand aber hat eine Lösung wo der Strom herkommen soll.
    • 22.07.2012
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Alle Kommentare (11)

  • Ewald  Rindlisbacher , Grayland
    Jeder Reklamiert immer nur ueber die Energie Emmissionen, aber Strom sparen will niemand. Immer mehr wird mit Electrizitaet betrieben. Entweder hoert auf Strom zu benutzen oder hoert auf zu Reklamieren, beides geht nicht. Aber es ist wieder Typsich, nur immer der andere soll verzichten.
    • 22.07.2012
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  • Peter  Stoffel , Rorschach
    AKWs hätten überhaupt nie gebaut werden sollen. Radioaktiver Abfall ist weit verschutzender als alles Andere. Feinstaub aus kohle- oder Gaskraftwerken kann man abfiltern. Für radioaktive Abfälle bestehen bis heute noch nirgends auf dieser Welt absolut sichere Endlager.
  • Heinz  Manhart , Manila , via Facebook
    Endlich mal Resultate wieviel die Stromerzeugung an der Umweltbelastung beteiligt ist. Jeder spricht von elektro Autos, Eisenbahnen und anderen elektrisch betriebenen Geräten als umweltfreundlich. Kaum, jemand aber hat eine Lösung wo der Strom herkommen soll.
    • 22.07.2012
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  • reinhard  hertig , gibswil
    hauptsache, wir haben genug strom. letztlich wollen alle nur das.
    • Bina  Loretz , Disentis
      Also, 1. Muss ich sagen, dass es egal ist wer den meisten müll produziert!!! Also meiner ansicht nach sind wir schweizer einzig und allein daran schuld. Nicht die axpo oder sonst ein unternehmen!!!! Wer braucht immer mehr strom? Ganz alleine wir die population!!! Und desshalb sollte man nicht solche statistiken krieren!!!! Logisch das von fukushima ist trautig!!!! Aber wenn wir die atomare energie abschaffen wollen, dann brauchen wir lösungen!!!! Und nicht einfach darüber diskutieren, und überhaupt, wer sind dann jene die schimpfen wenn nicht genügend energie vorhanden ist???
      Genau, dass sind wir!!!!
      Also hört endlich mit solchen statistiken auf!!! Die umwelt liegt mir auch am herzen, aber schlussendlich sind wir die mörder!!!!!!
      • 22.07.2012
      • als Kommentar auf reinhard  hertig , gibswil
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  • Mart  Web , Santa Nirgendwo
    Der einzige Witz ist die Axpo, wenn auch ein schlechter.

    "...dieser aber sicher gelagert werden kann."

    Nach Fukushima glaubt das keiner mehr!

    Sicherheit gibts in diesem Geschäft nicht, das ist sicher!
    • Larry  Kaufmann
      Und wie viele Menschen sind eigentlich in Fukuschima ums Leben gekommen? Null! Vielleicht werden einige Werksangestellte langfristig erkranken.Aber Fukuschima ist eher ein Beispiel dafür dass Atomkraft relativ sicher ist. 100 Prozent sicher und ohne Umwelteinflüsse ist keine Energiequelle, und ein dicht besiedeltes Land wie die CH mit Sonnenzellen und Windrädern betreiben zu wollen, ist Utopie.
      • 22.07.2012
      • als Kommentar auf Mart  Web , Santa Nirgendwo
      • 24
      • 9
    • Ewald  Rindlisbacher , Grayland
      Fukushima hatte nichts mit Endlagerung zu tun. Das Problem in Fukushima war nicht das Werk selber, sondern das fehlende Backup System fuer das Kuehlwasser um die Reaktor zu kuehlen. Etwas ueberlegen, bevor man solchen Schmarren schreibt.
      • 22.07.2012
      • als Kommentar auf Mart  Web , Santa Nirgendwo
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