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Dampf steigt aus Kaminen eines deutschen Kohlekraftwerkes (Archiv) (key)
Die Schweizerische Energiestiftung hat untersucht, wie viel Abgase und Atommüll die grössten Strom-Konzerne verursachen. Die Axpo bezeichnet das Resultat als «Witz».
Die Stromproduktion ist ein schmutziges Geschäft. Die grosse Mehrheit des weltweiten Bedarfs wird mit fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl oder Gas hergestellt. Bei der Verbrennung setzen sie klima- und gesundheitsschädliche Stoffe frei.
Auch Atomstrom ist problematisch: Die verbrauchten Brennstäbe strahlen Jahrtausende lang weiter und gefährden die Umwelt.
Die Schweizerische Energiestifung (SES) hat nun untersucht, wie viel «dreckigen» Strom die grossen Schweizer Versorger Axpo, Alpiq, BKW und Repower produzieren. Die SES setzt sich nach eigenen Angaben für den «effizienten Einsatz von Energie und die Förderung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen» ein.
Axpo macht am meisten Atommüll
Grösste Verschmutzerin ist demnach die Axpo. Pro Kilowattstunde Strom hinterlässt sie am meisten Atommüll. 65 Prozent des Axpo-Stroms kamen 2011 aus Atomkraftwerken.
Auf Platz zwei folgt die Alpiq. Sie hat den höchsten Ausstoss an Treibhausgasen. «Ganze 44 Prozent des Alpiq-Strommixes wurden in fossilen Kraftwerken, fast ausschliesslich im Ausland erzeugt, davon rund ein Viertel in Kohle- und Erdölkraftwerken», schreibt die SES in einer Mitteilung.
Alpiq sei zudem das einzige Unternehmen, das selber Kohlekraftwerke betreibe. Im Vergleich zu Gaskraftwerken belasten diese die Umwelt doppelt so stark.
Repower macht vor allem im Ausland Strom
Platz drei geht an die BKW. Sie hinterlässt am zweitmeisten Atomabfall. 8 Prozent ihres Stroms wird mit fossilen Brennstoffen produziert. Repower verursacht am wenigsten Umweltschäden. Im Vergleich zur BKW ist jedoch der Verschmutzungsanteil des Repower-Stroms im Ausland höher als in der Schweiz.
Für die Gesamtbewertung wurden Umweltbelastungspunkte pro Kilowattstunde berechnet. Sie berücksichtigen laut SES den CO2-Ausstoss, weitere Abgase, radioaktive Abfälle sowie Wasser- und Landverbrauch von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung der Abfälle.
| 1. | Axpo | 417 UBP/kWh |
| 2. | Alpiq | 344 UBP/kWh |
| 3. | BKW | 324 UBP/kWh |
| 4. | Repower | 211 UBP/kWh |
Gleichzeitig kritisiert die SES, dass die untersuchten Versorger abgesehen vom Wasser kaum erneuerbare Quellen nutzen: «Die Energiewende hat bei den vier grossen Schweizer Stromunternehmen noch nicht begonnen», heisst es in der Mitteilung. Die Alpiq besitze lediglich einen Windpark in der Schweiz, die Axpo gar keinen.
Die sogenannten neuen erneuerbaren Energien – Sonne, Wind und Biogas – seien im Strommix der vier Unternehmen kaum vorhanden: Bei Axpo sind es 0,36 Prozent, bei Alpiq 1,1 Prozent. Am besten schneiden hier BKW und Repower mit 3,78 beziehungsweise 2,64 Prozent ab.
Axpo will Produktion von Öko-Strom verdoppeln
«Die Behauptungen der SES sind ein Witz!», schreibt die Axpo auf Anfrage. Erstens werde ausgeblendet, dass die Axpo der grösste Produzent von erneuerbarer Wasserkraft und von Energie aus Biomasse in der Schweiz sei. «Zweitens wird verschwiegen, dass AKW zwar Abfall produzieren, dieser aber sicher gelagert werden kann.» Dies habe der Bundesrat 2006 bestätigt.
Weiter biete die Axpo in der Schweiz mit der Kombination aus erneuerbarer Energie und Kernenergie «einen fast CO2-freien und deshalb klimaschonenden Energiemix an». Und mit der Anfang Jahr vorgestellten neuen Strategie sei geplant, die Produktion von erneuerbaren Energien bis 2030 mehr als zu verdoppeln.
Alpiq verkaufte Kraftwerksbeteiligung
Alpiq verweist auf den Verkauf ihrer 20-Prozent Beteiligung am italienschen Kraftwerksbetreiber Edipower: «Dadurch wird sich der Anteil fossiler Produktion am Gesamtstrommix von Alpiq reduzieren.» Genauere Angaben würden im nächsten Geschäftsbericht gemacht.
Ausserdem habe man letztes Jahr eine neue Strategie entschieden: «Darin werden der Ausbau der neuen erneuerbaren Energien und der Ausbau der Energieeffizienz eine sehr wichtige Rolle spielen.»
Die Axpo gehört den Nordostschweizer Kantonen Zürich, Aargau, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Appenzell, Glarus und Zug.
Die Anteile von Alpiq sind etwas breiter gestreut: Hauptaktionäre sind die EOS Holding und die französische EDF. Neben verschiedener regionaler Versorger sind auch die deutsche EnBW und der Kanton Solothurn beteiligt.
Die bernische BKW gehört zu 53 Prozent dem Kanton Bern. 10 Prozent der Aktien sind im Besitz der Westschweizer Groupe E, 7 Prozent gehören dem deutschen Energiekonzern E.ON. Der Rest ist gestreut.
Die Repower AG ist zu 46 Prozent in der Hand des Kantons Graubünden. Ein Viertel der Aktien gehören Alpiq und 21 Prozent sind im Besitz der EGL AG, die wiederum zum Axpo-Konzern gehört. Der Rest der Aktien ist im Streubesitz. (alp)
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