Weltweit die meisten Überstunden Schweizer Ärzte arbeiten gefährlich viel

Eine internationale Studie zeigt, dass jeder dritte Arzt in der Grundversorgung mehr als 55 Stunden pro Woche arbeitet. Übermüdete Ärzte gefährden die Patientensicherheit.

Sara Rodriguez play
Jeder dritte Arzt in der Grundversorgung arbeitet über 55 Stunden pro Woche. (Symbolbild) Matt York/AP

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Niemand würde sich freiwillig von übermüdeten Ärzten behandeln lassen. Zahlen zu den Arbeitsbedingungen von Ärzten in der Grundversorgung lassen deshalb aufhorchen. Fast ein Drittel arbeitet mehr als 55 Stunden pro Woche.

Schweiz an der Spitze

Zu den ärztlichen Grundversorgern zählen Fachärzte in allgemeiner innerer Medizin und Pädiatrie sowie praktische Ärzte. Dazu gehören die Hausärzte.

Die Zahlen stammen aus einer Studie des Commonwealth Funds. Demnach steht die Schweiz zusammen mit Deutschland und den USA an der Spitze, was Arbeitszeit angeht. Schlusslicht bildet Schweden. Dort arbeiten gerade mal vier Prozent länger als 55 Stunden pro Woche.

«Die Einhaltung der Ruhezeit ist wichtig»

Margit Kessler (67): «Ich habe nun endlich mehr Zeit, um meine Enkel zu hüten.» play
Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz Fotograf vfg

«Wenn Ärzte lange arbeiten, ist das nicht grundsätzlich schädlich», sagt Margrit Kessler (67). Der Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz ist es viel wichtiger, dass Ärzte zwischen ihren Schichten genügend schlafen. «Das eigentliche Problem liegt in der Kontrolle durch den Arbeitgeber, dass die Ruhezeiten eingehalten werden.»

Ärzte wie Car-Chauffeure kontrollieren

Übermüdete Ärzte gefährdeten die Patientensicherheit, sagt Kessler. Sie verweist auf eine Studie der australischen University of Adelaide. Die Forscher fanden heraus, dass ein Promille Alkohol die gleiche Wirkung auf die Fertigkeiten eines Menschen hat wie 24 Stunden Schlaflosigkeit.

Kessler fordert eine striktere Kontrolle: «Ärzte müssten den Car-Chauffeuren gleichgestellt und kontrolliert werden.»

Junge wollen nicht mehr so lange schuften

Auch Pierre-François Cuénoud (63), Vizepräsident des Ärzteverbands FMH, betont, dass vor allem müde Ärzte Fehlentscheidungen treffen könnten, und nicht per se gestresste.

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Pierre-François Cuénoud, Vizepräsident FMH ZVG

Die Einstellung zum Arbeitsaufwand ist für Cuénoud eine Generationenfrage. Früher sei man sich eine 55-Stunden-Woche gewöhnt gewesen. «Für meine Generation war das noch gang und gäbe. Doch die Jungen sind da anders. Sie können es sich nicht vorstellen, so lange zu arbeiten. Sie arbeiten deshalb immer häufiger Teilzeit oder teilen sich Praxen mit mehreren Kollegen.»

Den Generationenwechsel bestätigen auch die Zahlen. 2012 arbeiteten laut Studie noch 40 Prozent der Befragten mehr als 55 Stunden pro Woche. Eine gute Organisation könne die Arbeitszeiten im Griff behalten, so Cuénoud.

Immerhin zeigt die Studie des Commonwealth Funds, dass 86 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrer Arbeit sind. Das liege an der Motivation, sagt Cuénoud: «Es ist einfach ein sehr spannender Beruf.»

Publiziert am 01.03.2016 | Aktualisiert am 08.11.2016
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10 Kommentare
  • Marianne  Marti , via Facebook 01.03.2016
    Es wundert mich schon, dass niemand von den unzähligen Simulanten spricht. Diese sind doch weitgehend für die Ueberbelastung der Aerzte und die ständig steigenden Kosten im Gesundheitswesen verantwortlich. Leider sind da auch die Aerzte mitschuldig, welche den "faulen Eiern" zu leichtfertig ein Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis ausstellen ! An diesem Punkt sollte ganz dringend angesetzt werden !
    • Musashi  Myamoto , via Facebook 01.03.2016
      Ja sicher darum haben wir auch riesenprobleme mit Grippeepidemien. Weil die Leute trotzdem arbeiten und alle anstecken
  • Matthias  Neuenschwander 01.03.2016
    Motivierte Ärzte arbeiten auch bei 70 Wochenstunden gut, sonst wären wir längst ausgestorben. Diese Arbeitszeiten waren bis vor kurzem für uns Ärzte normal, und wir brauchen keine australischen "Studien", die uns auf die Stufe von Betrunkenen setzen. Tatsache ist, dass die moderne Teilzeitarbeit in der Medizin Behandlungskontinuität verhindert, viele Umtriebe schafft, unökonomisch ist und eine vertrauensvolle Arzt-Patientenbeziehung erschwert. Und genau dies reduziert die Qualität.am meisten.
    • Klaus  Fitzgerald 01.03.2016
      Ich weiss ja nicht, welche Qualitätsstandards Sie Ihren Patienten zumuten. Doch für meine Patienten ist nur mein Bestes gut genug und für beste Leistungen brauche ich genügend Ruhezeit und zur Regeneration gelegentlich auch etwas Freizeit. Ärzte wie Sie, die 70 Stunden arbeiten und Patienten wie Vieh behandeln, sollten eigentlich wie Chauffeure ohne genügend Ruhezeit bestraft werden. Zum Glück ist die junge Ärztegeneration viel Verantwortungsvoller als Sie und Ihre Generation es sind.
  • Michael  Oliver , via Facebook 01.03.2016
    ja da werden einfach stunden aufgeschrieben ohne ende wird ja alles bezahlt vom bund,kanton, versicherungen usw, ausserdem sind die meisten ärzte in der schweiz mittlerweile deutsch......
  • Eron  Thiersen 01.03.2016
    Wir haben einfach zu viele Spitäler. Das nützt niemandem, zuletzt den Kranken und Unfallofpern! Schliesst endlich die Regionalspitäler und verteilt das Personal auf die anderen Spitäler, damit endlich wieder geordnet gearbeitet werden kann und zugleich die Kosten sinken können! Das ist doch einfach Wahnsinn!
    • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
      01.03.2016
      Alle die hier gegen die Schliessung von Regionalspitälern sind begreifen nicht, dass die Ärzte dort zuwenig Routine bei Operationen erhalten und umso mehr Infektionen und Komplikationen unser aller Gesundheit gefährden. Wer das schon mal mtigemacht hat, ist danach meist invalid oder körperlich eingeschränkt ... Weniger Spitäler heisst deutlich mehr Routine und Erfahrung. Man wird ja auch nicht ein guter Koch, wenn man nur ab und zu ein Cordon Bleu zubereiten darf! Die Erfahrung machts!
  • Thomas  Zürcher 01.03.2016
    In der Wirtschaft ist es absolut normal, dass Spezialisten und Kader eine 50 Stundenwoche oder mehr machen. Wohlverstanden ohne Arbeitszeitabrechnung sondern im guten Grundsalär enthalten. Warum sollen da die Ärzte eine Ausnahme sein.
    • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
      01.03.2016
      Weil sie an Menschen, an lebenden Objekten herumschnippeln und nicht an Zahlenmaterial!