Weil Engländern die EU-Spezialisten fehlen Die Briten brauchen Schweizer Hilfe

Die Briten suchen händeringend Experten für die schwierigen Verhandlungen mit der EU. Auch der SonntagsBlick-Journalist wird ermuntert, sein Dossier einzuschicken.

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Wirtschaft

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In England ist es ein Running Gag: In einer historischen Abstimmung votierten die Briten im Juni für den Austritt aus der EU – wegen der hohen Zuwanderung aus dem Ausland. Doch für die komplizierten Verhandlungen mit der EU fehlen die Experten – deshalb ist die britische Regierung jetzt auf zusätzliche Spezialisten aus dem Ausland angewiesen.

Schweizer Verhandlungs-Know-how

Unter anderem aus der Schweiz: «Grossbritannien hat Interesse am Schweizer Verhandlungs-Know-how im Sinne eines Wissensaustauschs gezeigt», sagt Isabel Herkommer, Sprecherin des Staatssekreta­riats für Wirtschaft (Seco). Die Briten sind nicht nur an Schweizer Wissen interessiert, sondern auch an Schweizer Arbeitskräften. Konkret: Diplomaten und Staatsangestellten mit Verhandlungserfahrung – sogenannten «trade negotiators». Stefan von Below, Sprecher des Eidgenössischen Departements für äussere Angelegenheiten (EDA), bestätigt: «Wir haben davon gehört.» Konkrete Fälle kennt er nicht. SonntagsBlick weiss: Mehrere Schweizer, die für den Bund arbeiten, überlegen sich einen Wechsel.

Dass Schweizer für die Briten den Brexit aushandeln, ist durchaus denkbar. Ein «Konkurrenzverbot» gibt es nicht – Schweizer dürfen auch für eine fremde Regierung arbeiten. Einzig Staatsgeheimnisse müssen sie für sich behalten. «Die Pflicht zur Wahrung des Amts- und Berufsgeheimnisses bleibt auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bestehen», heisst es in der Personalverordnung des Bundes.

Ist es möglich, dass ein so mächtiges Land wie Grossbritannien die Verhandlungen nicht ohne fremde Hilfe führen kann? «Als EU-Mitglied hat Grossbritannien derartige Expertise nur in geringem Umfang benötigt, weil Handelsfragen in die Kompetenz der EU-Kommission fallen», erklärt Dieter Ruloff (69), emeritierter Professor für internationale Beziehungen an der Universität Zürich.

Monsterverhandlungen

Ganz anders die Schweiz: Sie verhandelt seit 1994 – also seit dem Nein bei der EWR-Abstimmung – als Nicht-EU-Mitglied mit Brüssel. «Die Schweiz hat langjährige Erfahrung, was Verhandlungen mit der EU angeht. Das ist für die Briten interessant.»

London stünden nun Monsterverhandlungen bevor, so Ruloff. Zuerst müsse der Brexit abgewickelt werden. Dann geht es um die Übergangsbestimmungen: «Welche lässt man in Kraft, bis die neuen Verträge ausgehandelt sind?» Zu guter Letzt muss Grossbritannien mit allen Ländern neue Handelsverträge abschliessen. «Also mit der EU, aber auch mit den USA, China, Russland und so weiter», erklärt Ruloff, «auf allen drei Ebenen hat die Schweiz Expertise, weil sie die EU-Kommission als Verhandlungspartner sehr gut kennt.»

Der Professor glaubt: «Der Brexit wird Grossbritannien zehn oder 20 Jahre beschäftigen. Und es ist ein gutes Beschäftigungsprogramm für Uni-Absolventen in einschlägigen Disziplinen.»

Vielleicht aber auch für einige Schweizer Staatsangestellte, die schon immer mal in London leben und arbeiten wollten. Das neu gegründete britische Brexit-Ministerium will noch dieses Jahr 300 Mitarbeiter einstellen, insgesamt sollen es über 700 sein.

Auf eine normale Medienanfrage von SonntagsBlick antwortete der Informationsbeauftragte des britischen Wirtschafts-, Energie- und Strategie-Departments, David Robinson: «Vielen Dank für Ihr Interesse. Bitte schicken Sie uns Ihren Lebenslauf.»

Publiziert am 02.10.2016 | Aktualisiert am 02.10.2016
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15 Kommentare
  • Ingmar  Opitz , via Facebook 02.10.2016
    Vielleicht wollen die Britten einfach nur in Erfahrung bringen wie mans nicht machen sollte.
  • Hans-Jürgen  Lorenz , via Facebook 02.10.2016
    Jetzt können die Schweizer den Briten zeigen, wie man ergebnislos
    jahrelang verhandelt, oder noch besser, wie man alle Verhandlungen verhindert.
  • Jorge  Gull aus Zürich
    02.10.2016
    Ist ja schon bedenklich, zu sehen wie gewisse EU Länder grosse Probleme wegen der Zuwanderung haben und unsere Politiker alles immer beschönigen und nicht dir Wahrheit sagen. Der Trend ist klar. Raus aus der EU und nicht rein! Das sollten sich die Bern mal hinter die Ohren schreiben
    • Marcel  Stierli aus Mérida, México
      02.10.2016
      Wenn man mit einem 500 Mio. Wirtschaftsraum Geschäfte machen will, muss man Verträge abschliessen und auch einhalten. Dazu gehören Verhandlungen und Kompromisse. Wer am längeren Hebel ist, sollten sie schon noch selbst rausfinden. Mit rein und raus hat das nichts zu tun.
  • Divico  Tigurin aus Neuchâtel-Hua-Hin
    02.10.2016
    Dass sie bei uns das Know-how suchen hat warscheinlich in Betrachtung wie -unser Volkswille- nicht umgesetzt wurde mehr nach der Suche des "know-how-not" zu tun. Die Anfrage hat wohl mehr mit einer Inspirationsanfrage zum Bessermachen zu tun.
  • timo  schenker 02.10.2016
    Das wäre einen Job für Köppel - er würde den EU Diktatoren schon den Marsch blasen!
    • Hans-Jürgen  Lorenz , via Facebook 02.10.2016
      Sie leiden uner Wahrnehmungsschwierigkeiten, den Marsch bläst die EU-da würde Köppels Ego einen unwiederbringlichen Schaden erleien.