Weihnachtsgebäck Mailänderli - bescheidener Star der Weihnachtsguetzliszene

BERN - BE - Café-Caramel-Cookies, Ingwer-Orangen-Plätzchen, Himbeer-Macarons oder Chili-Brownies: Die Festtage sind die hohe Zeit der kleinen Gebäcke. Doch bei aller Liebe zum Ausgefallenen, ein Star der heimischen Guetzliszene ist und bliebt das bescheidene Mailänderli.

Ob industriell oder zu Hause im Backofen hergestellt: Mailänderli gehören zur Schweizer Weihnachtsguetzli-Tradition. play
Ob industriell oder zu Hause im Backofen hergestellt: Mailänderli gehören zur Schweizer Weihnachtsguetzli-Tradition. KEYSTONE/SEBASTIEN ANEX

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In das mürbe Kleingebäck kommen lediglich Butter, Eier, Zucker, Salz, Mehl und Zitrone. Exotische Gewürze, Schokolade oder Nüsse sucht man vergebens.

Mit einer Form werden die Mailänderli aus dem ausgewallten Teig gestochen. Beliebt als Ausstechformen sind Herzen, Sterne, Dreiblätter oder Kreuze. Dann werden die Guetzli mit Eigelb bestrichen und im Ofen gebacken.

An Weihnachten ist in vielen Schweizer Guetzlibüchsen Tradition angesagt. Das Mailänderli sei das beliebteste Weihnachtsguetzli, bestätigte am Freitag Coop-Pressesprecherin Andrea Bergmann der sda. Das gelte nicht nur für die Guetzli, sondern auch für die fertigen Guetzliteige.

Auch der Migros Aare stehen die Mailänderli bei den Teigen an der Spitze. Bei den fertigen Guetzli sind vor allem Mischungen mit Zimtsternen, Brunsli und anderen Sorten beliebt, wie Mediensprecherin Andrea Bauer ausführte.

Der Begriff Mailänderli ist hierzulande seit rund 300 Jahren bekannt, wie der Webseite des Schweizerdeutschen Wörterbuchs, dem sogenannten Idiotikon, zu entnehmen ist. Unter dem Namen «Gâteau de Milan» erschienen erste Mailänderlirezepte im 18. und 19. Jahrhundert in Berner und Basler Kochbüchern.

Das beliebte Weihnachtsguetzli des Landes hat mittlerweile auch einen Eintrag im Verzeichnis Kulinarisches Erbe der Schweiz. Auf der entsprechenden Internetseite wird auf eine Frauenfelder Rezeptsammlung aus dem Jahr 1824 verwiesen, in der sich Anweisungen zum Backen finden: «Das Confekt kann mit dem Brod in den Ofen gethan werden, in einer kleinen Vrt.stunde müssen sie genug sein».

Das Mailänderli fand ganz offensichtlich in der höheren Gesellschaft Anhänger. In der handschriftlichen Rezeptsammlung der Bernburgerin Margaretha Cäcilie von Hallwyl geborene von Imhoff aus dem Jahr 1835 ist ebenfalls ein «Gâteau de Milan» erwähnt.

Butter und Zucker, die in den Mailänderli enthalten sind, konnten sich damals vor allem reichere Leute leisten.

Auch im Kochbuchklassiker, der um das Jahr 1840 erschien, fand das Mailänderli Niederschlag. Der Titel des Werks: «Neues Berner Kochbuch - Oder Anleitung die im gewöhnlichen Leben sowohl als bei Fest-Anlässen üblichen Speisen auf die schmackhafteste Art zuzubereiten; nebst einer bildlichen Darstellung, wie die Gerichte auf dem Tisch gefällig zu ordnen sind».

Neben zwei klassischen Rezepten führte Autorin Lina Rytz auch eine Variante mit Mandeln auf.

Im 19. Jahrhundert war in Bern auch die Bezeichnung «Miläänli» verbreitet. Ob die Namensgebung allerdings tatsächlich etwas mit der italienischen Stadt Mailand zu tun hat, ist nicht bewiesen. Es soll dort aber ein Mürbeteiggebäck geben, das dem Mailänderli ähnelt, nur wird dieses mit kandierten Früchten und Mandeln hergestellt.

Eine andere Herkunftserklärung der Mailänderli besagt, dass vor rund 600 Jahren eine eidgenössische Gesandtschaft nach Mailand gereist sein und die Plätzchen dem Herzog geschenkt haben soll.

Jahre später soll Katharina von Medici in Florenz das süsse Gebäck entdeckt und mit nach Frankreich genommen haben. 1780 erschien das Rezept in einem Basler Rezeptbuch. In Basel heissen die süssen Plätzchen übrigens «Gaatoodemylängli» und wurden traditionell vor allem zum Neujahr zusammen mit Hypocras, einer Art Glühwein, gereicht. (SDA)

Publiziert am 23.12.2016 | Aktualisiert am 23.12.2016
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