Erhöhtes Risiko für Bio-Betriebe Mutterkorn macht Kühe krank

Biobauern müssen einen Teil der Weide stehen lassen: Die Folgen können für die Tiere tödlich sein. 2016 ist das Risiko besonders hoch.

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Bioprodukte sind teurer als konventionelle, dafür sollen sie gesünder, feiner und gut für die Natur sein. Aber: Die Art, wie sie hergestellt werden, bedroht Nutztiere. Allen voran unsere Kühe.

Schuld ist der Mutterkornpilz. Er befällt die Gräser, welche die Tiere fressen. Gehts glimpflich aus, schwellen ihre Klauen an. In schlimmeren Fällen kommt es zu Fehlgeburten und Lähmungen. Das Vieh könnte sogar verenden.

Geschwollene Klauen, weniger Milch

Ein Achtel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz wird von Biobauern bewirtschaftet. Sie müssen beim Schneiden im Frühsommer fünf bis zehn Prozent des Grases stehen lassen, damit später im Sommer Kleintiere in den Wiesen Schutz finden. Zu jener Zeit blühen die Gräser, und der Mutterkornpilz nistet sich in ihren Blüten ein.

Frisst das Vieh die Weide ab, grast es das giftige Mutterkorn gleich mit. Auch Heu kann den Krankmacher enthalten, allerdings ist das weniger wahrscheinlich. Grosse Mengen des Gifts wirken aufs Gehirn und das Rückenmark der Rinder. Kleinere Mengen führen zu Arterienverengung und in der Folge zu Durchblutungsstörungen.

Nicht mal Antibiotika half

Das Agrarmagazin «Landfrauen» beschreibt in seiner Novemberausgabe einen Fall vom letzten Winter. Zwölf Kühe von Bauer Serge Baudet (65) in Gollion VD hatten verseuchtes Futter gefressen. Die Tiere humpelten, lagen oft am Boden, gaben weniger Milch. Ihre  Klauen schwollen immer stärker an. «Plötzlich fiel die Haut ab», sagt Baudet zu BLICK. «Es war schrecklich.»

Nicht einmal Antibiotika nützte etwas. Mittlerweile sind Baudets Rinder wieder gesund. Das Heilmittel: ein Futterzusatz, der die Gifte bindet. Nur eine Kuh ist noch nicht wieder auf den Beinen. Baudet: «Ich muss sie bald schlachten.»

Dieses Jahr noch mehr Opfer?

Der Fall im Waadtland ist der einzige, der letztes Jahr in der Schweiz bekannt wurde. Es war der erste seit 1993. Möglich ist, dass dieses Jahr noch mehr Tiere leiden müssen als letzten Winter: Denn das feucht-warme Klima ist ein Segen für Mutterkorn. «Ich vermute, dass es dieses Jahr mehr Opfer gibt», sagt Baudet.

Ueli Wyss (58), Wissenschaftler bei der Forschungsanstalt Agroscope und Autor des «Landfreund»-Artikels, bestätigt das. «Dieses Jahr war der Sommer besonders feucht, umso mehr Kühe könnten diesen Winter erkranken.» Dass Hunderte oder gar Tausende Rinder betroffen sein könnten, hält Wyss für unwahrscheinlich. «Es handelt sich nur um Einzelfälle», so der Wissenschaftler. Die Bio-Dachorganisation Bio Suisse wollte sich nicht zu der Mutterkorn-Problematik äussern.

Publiziert am 15.11.2016 | Aktualisiert am 16.01.2017
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10 Kommentare
  • Claudio  Hammer aus Zürich
    15.11.2016
    Aus Mutterkorn kann man Lysergsäure gewinnen und aus diesem wiederum LSD - kein Wunder verhalten sich die Tiere komisch!
  • Annemarie   Setz 15.11.2016
    Es ist doch nicht Bio, das die Kühe krank macht. Man sollte auf solche irreführenden Schlagzeilen verzichten. Mutterkorn nistet sich auf Getreide ein, vielleicht auch auf gewissen Gräsern. Wenn es in die Nahrungskette der Tiere gelangt, ist es gefährlich. Das gleiche gilt für in die Mahd gelangter Tierkot oder Tierkadaver. Also nicht einfach Bio die Schuld geben für diese Gefahr.
  • Peter  Leo 15.11.2016
    In meiner Jugendzeit hatten wir im Dorf etwa 15 kleine und mittlere Bauernbetriebe. Keine hochausgebildeten Meisterlandwirte, einfach Bauern. Man hatte Milchkühe, teilweise noch ein paar Schweine. Der Tierarzt war selten zu Gast. Heute braucht fast jeder Landwirt ein Hightech Büro und einen Ordnerschrank für Gesetze, Vorschriften, Gesuche etc. Nur der gesunde Menschenverstand wurde teilweise entsorgt. Hauptsache: alles ist besser und Bio.
  • Philippe  Schenkel 15.11.2016
    Aus einem Einzelfall macht der Blick die Schlagzeile "Bio macht die Kühe krank" und verschweigt grosszügig, dass die strengeren Tierschutznormen zum Wohl der Bio-Nutztiere beitragen. Und dann wundern sich die Medien, dass sich die Leute immer mehr von ihnen abwenden…
  • Marion  Jost aus Schönenwerd
    15.11.2016
    Wenn man die Kühe einfach auf die Weide lässt um Grass zu fressen wäre es am biologischsten, Korn bzw. Getreide ist nicht das natürliche Futter für die Kühe und im übrigen kann Mutterkorn auch in normalem Getreide für den Menschen landen!! Dieser Bericht versucht wieder artgerechte und gesunde Haltung zu diffamieren!