Saturn Schweiz schrieb 2011 einen Verlust von 20 Millionen Franken. Jetzt bangen die Mitarbeiter um ihren Job. Schweiz-Chef Karsten Sommer nimmt Stellung im Exklusiv-Interview mit BLICK.
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Die Saturn-Filiale in Basel ist eine von sechs in der Schweiz.
(ZVG)
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Karsten Sommer (44), neuer Schweiz-Chef von Media-Saturn.
(ZVG)Bei Saturn Schweiz, der wie Media Markt zur deutschen Media-Saturn-Holding in Ingolstadt gehört, bangen die Mitarbeiter derzeit um ihren Job. «Uns bläst ein steifer Wind ins Gesicht. Erstmals durchlaufen wir eine Phase mit sinkenden Umsätzen», warnt Karsten Sommer (44), neuer Schweiz-Chef der beiden Riesen der Unterhaltungselektronik, seine Angestellten in einer internen Information.
Im gleichen Atemzug kam es zu überraschenden Personalabgängen. Nur wenige Monate nach Sommers Amtsantritt schieden im September zwei Geschäftsleitungsmitglieder aus. Einer der beiden war massgeblich beim Aufbau von Saturn und der Entwicklung des Online-Shops beteiligt.
Delikat: Sommer soll über deren definitiven Rauswurf durch das deutsche Mutterhaus erst wenige Tage zuvor informiert worden sein, berichten gut informierte Quellen aus dem Unternehmen. BLICK weiss von weiteren gewichtigen Abgängen: Im August 2012 hat sich der Elektronikhändler vom Personalchef Schweiz, Martin Tobler, getrennt. Auch der Bereichsleiter Bau musste Ende 2011 gehen.
Verlust von 20 Millionen Franken
Doch damit nicht genug: Derzeit kursieren Informationen, wonach mindestens zwei Marktleiter demnächst ersetzt werden sollen. Zudem heisst es, Deutschland stelle Sommer einen ehemaligen Topmanager des Konzerns als Berater zur Seite. Dieser solle helfen, die unprofitablen sechs Saturn-Filialen auf Gewinn zu trimmen.
Saturn Schweiz schrieb 2011 einen Verlust von 20 Millionen Franken. Kein Wunder, spricht man im Unternehmen schon von einem Rückzug Saturns aus der Schweiz, mindestens aber einer Umfirmierung der Läden zu Media Markt.
Dem zumindest widerspricht der Schweiz-Chef energisch: «Per Stand heute gibt es weder einen Auftrag, noch einen Plan oder einen Beschluss für eine Umfirmierung oder einen Rückzug Saturns aus der Schweiz», lässt Sommer über seine Sprecherin ausrichten.
BLICK: Herr Sommer, Sie hetzen derzeit von Sitzung zu Sitzung. Wo brennts denn?
Karsten Sommer: Das ist nichts Neues. Seit ich meinen Job hier in der Schweiz angefangen habe, ist das so. Ich will das Unternehmen kennenlernen und wissen, wie meine Mitarbeiter ticken.
Das hat gar nichts damit zu tun, dass Topmanager Bernhard Hochspach gehen musste und Sie jetzt noch den Einkauf leiten müssen?
Klar, beschäftigt mich der Einkauf gerade am meisten. Ich führe viele Einzelgespräche mit den Angestellten, weil sie natürlich verunsichert sind.
Es heisst, Sie seien in seinen Rauswurf nicht eingeweiht gewesen.
Ich war in den Prozess involviert. Solche Massnahmen auf Stufe Management der Ländergesellschaften erfolgen in einem internationalen Konzern immer in Absprache zwischen Mutterhaus und Ländergesellschaft. Über den definitiven Entscheid bin ich von der Zentrale in Ingolstadt tatsächlich erst wenige Tage zuvor informiert worden.
Was ist mit dem Abgang vom Personalchef Martin Tobler im August 2012?
Dazu will ich nichts sagen.
Und zu den weiteren Filialleitern, die demnächst entlassen werden sollen?
In wirtschaftlich angespannten Zeiten gibt es in keinem privatwirtschaftlichen Unternehmen eine garantierte Kaderposition. Das weiss jeder, der einen Posten im oberen Management übernimmt und entsprechend entlöhnt wird.
In einer internen Mitteilung an die Angestellten warnen Sie vor einem harten Wind, der dem Unternehmen ins Gesicht blase. Was heisst das konkret?
Wir machen in diesem Geschäftsjahr weniger Umsatz als im letzten Jahr. Aber im Juli haben wir uns mit dem Markt entwickelt, im August leicht darüber. In vielen Teilbereichen, zum Beispiel bei den TV-Geräten sind wir deutlich besser als der Markt.
Mussten Sie bei den Angestellen Stellen streichen in diesem Jahr?
Die Media-Saturn-Gruppe beschäftigte in der Schweiz per Ende Geschäftsjahr 2012 (30. Sept.) 1480 Mitarbeitende. Im Jahr zuvor waren es noch 1550. Der Grund für die rund 70 weggefallenen Stellen ist die interne Strukturbereinigung, mit der wir uns auf die neuen Marktbedingungen ausrichten wollen. Wir stellen demnächst auch wieder Mitarbeiter ein, die etwa im bisher vernachlässigten Online-Handel eingesetzt werden.
Die Expansion in der Schweiz ist also nicht auf Eis gelegt?
In diesem Jahr eröffnen wir keine neue Filiale. Wir schliessen aber auch keine.
Mitarbeiter berichten aber, dass ein Rückzug Saturns, zumindest eine Umwandlung in Media Markt bereits weit fortgeschritten ist?
Per Stand heute gibt es weder einen Auftrag, noch einen Plan oder einen Beschluss für eine Umfirmierung oder einen Rückzug Saturns aus der Schweiz.
Und im nächsten Jahr?
Wir haben zwei unterschriebene Mietverträge und planen diese Märkte im Jahr 2013 zu eröffnen. Insgesamt sollen 2014 zwei bis drei Märkte den Betrieb aufnehmen und 2015 ein weiterer. Ich spreche hier für Media Markt und Saturn.
Media-Saturn hat in der Schweiz die höchste Fluktuation bei den Mitarbeitenden in ganz Europa. Was tun Sie, damit sie wieder an die Elektronikgruppe glauben?
Wir geben auf das Weihnachtsgeschäft hin Gas. Wir haben sehr viel Geld in Werbung gesteckt, die Zahl der Flyer verdoppelt, die TV-Werbung ist gebucht. Unsere neue Kampagne, die wir bald lancieren, wird auffallen und viel Lärm machen. Mit dem Erfolg wird auch intern die Ruhe wieder einkehren.
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