play
Abrupte Management-Abgänge in den letzten 12 Monaten: Media Markt Schweiz.
(ING)Entlassungen, Kostendruck, verzögerte Expansion: Nur wenige Monate nach Antritt des neuen Geschäftführers scheiden zwei hochrangige Manager aus der Geschäftsleitung der Media Saturn Gruppe Schweiz aus.
Die Nachricht kommt überraschend: Bernhard Hochspach (46) und Michael Rupp (45) scheiden aus der Geschäftsleitung der Media Saturn Gruppe Schweiz aus. Das teilte der Elektronikriese in einem knappen Communiqué am Donnerstagmittag mit. Hochspach gehe auf eigenen Wunsch, um sich beruflich neu zu orientieren. Rupp werde andere Aufgaben innerhalb der Gruppe übernehmen.
Karsten Sommer, Geschäftsführer Media Saturn, übernimmt von Hochspach die Leitung des Einkaufs, sagt Sprecherin Séverine de Rougement zu Blick.ch.
Pikant: Bereits im März wurde der Abgang von Länderchef Thomas Keil kommuniziert, der die Schweiz nach nur einem Jahr wieder verliess. Besonders mit der neuen Marke Saturn wollte Keil in die Offensive gehen und bis Ende 2015 die Zahl der Media-Markt- und Saturn-Filialen in der Schweiz auf 40 bis 45 nahezu verdoppeln. Nach seinem Abgang übernahm Sommer dann dessen Position per sofort.
Media-Markt-Pionier musste bereits gehen
Im Frühjahr berichtete zudem die Zeitung «Sonntag», dass Gerhard Aerni, der vor 18 Jahren den deutschen Multimedia-Riesen in die Schweiz brachte und seitdem das Geschäft in Dietlikon ZH führte, seinen Arbeitsplatz Knall auf Fall räumen musste. Das Unternehmen bestätigte «strategischen Differenzen» sowie die Abgänge von weiteren Filialleitern.
Doch damit nicht genug. Im Sommer wurden weitere Entlassungen bekannt, überwiegend gehen mussten Teamleiter. Laut Informationen von «Sonntag» wurden alle Geschäftsführer angehalten, Personal zu entlassen, weil sich die Ertragslage gegenüber Anfang Jahr verschlechterte.
Keine neue Filiale öffnet im 2012
Im letzten Jahr sank der Gewinn um 11,5 Prozent auf 28 Millionen Franken. Der Umsatz schrumpfte von 1,038 Milliarden auf 914 Millionen Franken. Media Markt fiel hinter Fust und Interdiscount auf die Nummer drei im Markt zurück.
Die sechs neuen Saturn-Geschäfte, die wie Media Markt zur deutschen Metro-Gruppe gehören, schrieben gar einen Verlust von 20 Millionen Franken. «Dieses Jahr geht keine weitere Filiale auf», bestätigt de Rougement Blick.ch früher gemachte Aussagen zu Verzögerungen der Expansion im laufenden Jahr.
Zum gegenwärtigen Geschäftsverlauf sagt die Sprecherin folglich: «Die Umsatzzahlen geben wir nicht bekannt, aber man kann sagen, dass sich der Umsatz erwartungsgemäss entwickelt hat. Auf operativer Ebene sind auch wir – wie die Branche insgesamt – mit einem enormen Preisdruck konfrontiert.»
Experten nennen den branchenweiten Preisdruck, der auf die Margen drücke, als Hauptgrund für die schlechten Zahlen.
Auch wenn Hochspach, wie heute angekündigt auf «eigenen Wunsch» geht, darf eines nicht vergessen werden: Das Geschäftsleitungsmitglied war massgeblich beim Aufbau der Marke Saturn beteiligt, ebenso trug die Entwicklung des Media Markt Online Shops seine Handschrift.
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (16)