Warum zahlt die CS den Schaden nicht?

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Daniel Meier

Hanspeter Kurzmeyer (60), Leiter Privatkunden Schweiz bei der CS, über die Verluste von Schweizer Anlegern mit Lehman-Ramsch.

Blick: Wie viele CS-Kunden sind von der Lehman-Pleite betroffen?
Hanspeter Kurzmeyer: Darüber möchte ich noch keine Auskunft geben. Wir haben bis jetzt 90 Prozent der Kunden kontaktiert und sind mit ihnen im Gespräch. Wir unterstützen die Kunden, falls sie im Rahmen eines Konkursverfahrens gegen Lehman vorgehen möchten.

Wie viel Geld haben Ihre Kunden in Lehman gesteckt? Allein bei der Luzerner Kantonalbank sind es 80 Millionen.
Ich möchte keine Zahl nennen. Aber da wir schweizweit tätig sind, ist die Summe bei uns sicher höher.

Müssen Kunden damit rechen, dass der Grossteil des Geldes, vielleicht sogar alles weg ist?
Das ist auch für unsere Berater ganz schwierig. Aber wir informieren offen, dass mit wesentlichen Verlusten zu rechnen ist.

Viele Kunden sind wütend.
Das will ich nicht wegdiskutieren. Die Kunden reagieren teilweise sehr emotional. Wir versuchen, die Lage zu erklären und den Kunden zu zeigen, dass wir für sie da sind.

Viele Kunden fühlen sich betrogen, weil sie dachten, die CS garantiere den Kapitalschutz.
Aus den Unterlagen der Anlageprodukte geht klar hervor, dass nicht wir, sondern der Emittent respektive der Garant den Kapitalschutz garantiert.

Auf den Prospekten steht gross «Credit Suisse». Haben die Berater immer klar gesagt, was Sache ist?
Davon gehe ich aus. Die Dokumentationen zeigen klar, wer Emittent resp. Garant ist. Unsere Mitarbeitenden sind geschult worden, in den Gesprächen auf die Risiken hinzuweisen. Allerdings sind viele dieser Produkte 2004 und 2005 verkauft worden. Wer hätte sich damals vorstellen können, dass Lehman ein solches Problem bekommen könnte? Der Ablauf der Beratung stimmt im Grundsatz. Aber nach den jüngsten Ereignissen wird die Risikoaufklärung noch viel wichtiger werden. Das ist für mich klar.

In den CS-Prospekten steht nur im Kleingedruckten unter «Rechtliche Hinweise», dass der Kunde das Emittentenrisiko trägt.
Im Factsheet ist der Emittent deutlich erwähnt. Aber das ist einer der Punkte, die wir ändern müssen. Das sollte prominenter vorkommen.

Wie ist es zu erklären, dass viele Kunden einen Grossteil oder sogar ihr ganzes Vermögen in ein Lehman-Produkt gesteckt haben? Das ist ein Klumpenrisiko.
Das Produkt an sich ist gut – weil es eine kapitalgeschützte Anlage ist. Zum Beispiel basiert ein Lehman-Produkt auf der Entwicklung von 12 unterliegenden Aktien. Das ist diversifiziert. Das Problem ist, dass nun Lehman den Kapitalschutz nicht mehr garantieren kann.

Bedenklich ist, dass Kunden aktiv von CS-Beratern aufgefordert worden sind, ihre Guthaben vom Sparkonto in Lehman-Produkte zu stecken – und jetzt vielleicht alles verloren haben.
Genau solche Fälle will ich einzeln anschauen und mit dem Kunden besprechen.

Und wenn sich herausstellt, dass der Berater einen Fehler gemacht hat – zahlt die CS dann?
Sollte ein offensichtlicher Fehler von unserer Seite vorliegen, werden wir das ganz genau anschauen. Mehr kann ich derzeit nicht sagen.

Die Berner Kantonalbank müsste den Schaden auch nicht zahlen, aber sie fühlt sich dazu «moralisch verpflichtet». Fühlen Sie sich nicht verpflichtet?
Gemäss meinen Informationen trat die Berner Kantonalbank teilweise als Mitherausgeberin der Produkte auf. Ansonsten kann ich darauf noch keine Antwort geben. Wir müssen zuerst die Fakten genau kennen.

Wenn die CS für die Verluste aufkommen würde, wären alle Kunden erleichtert und Ihre Bank hätte einen enormen Imagegewinn. Oder können Sie nicht kulant sein, weil der Schaden zu gross ist?
Moment. Wir sprechen hier vom Anlagegeschäft. Da gibt es Gewinne und leider auch Risiken. Wir können nicht einfach jedes Mal zahlen, wenn ein Kunde einen Verlust erleidet. Das geht nicht.

Risiko «Wir können nicht jedes Mal zahlen, wenn ein Kunde einen Verlust erleidet.»- ZVG

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