Nach dem Lufthansa-Streik schauen wir ins Swiss-Cockpit Warum verdienen Schweizer Piloten weniger als Deutsche?

  • Publiziert: 24.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Hehli
play Pilots work in the cockpit of an Airbus A340, during the inauguration flight of the airplane named November 12, 2003, on the way to Geneva, Switzerland. (KEYSTONE/Martial Trezzini) (Keystone)

ZÜRICH – In Deutschland streikten die Piloten für mehr Lohn. Frech, wenn man ihre Löhne mit dem Gehalt der Schweizer Kollegen vergleicht.

Einen Tag lang blieb ein grosser Teil der Lufthansa-Flotte am Boden: Mit ihrem Streik kämpften die Lufthansa-Piloten für mehr Lohn und mehr Mitsprache im Unternehmen. Denn sie fürchten sich vor der Konkurrenz durch billigere Piloten.

Angesichts von Löhnen zwischen 62000 bis 250000 Euro (90000 bis 366000 Franken) ist die Angst berechtigt. Denn im Vergleich zu den Swiss-Piloten sind die deutschen Kollegen im gleichen Konzern besser bezahlt. Und sie haben noch Anspruch auf umfangreiche Sozialleistungen.

Fast 30 Prozent weniger

Bei der Schweizer Luftlinie hebt ein junger Co-Pilot mit rund 68000 Franken Jahresgehalt ab, wie ein Pilot Blick.ch verrät.

Mit ein paar Jahren Erfahrung gibts immerhin 80000 Franken. Was immer noch tiefer ist, als der Einstiegslohn bei der Lufthansa. Erst der Aufstieg zum Flugkapitän schenkt ein: Das Jahreseinkommen steigt auf 150000 Franken. Topverdiener mit viel Erfahrung im Cockpit kommen auf rund 200000 Franken brutto im Jahr.

«Damit sind wir die günstigsten Piloten in ganz Europa», sagt die Blick.ch-Quelle. Das sei besonders störend, weil die Lebenshaltungskosten bei uns besonders hoch sind.

Relativiert werden die Klagen durch die Aussagen Branchenkenners, der seinen Namen nicht abgedruckt haben will: «Piloten haben immer das Gefühl, dass sie zu wenig verdienen.» Es sei ein verwöhnter Berufsstand. Viele hätten neben dem Fliegen noch Zeit für einen Zweitjob.

Lohnverhandlung im Sommer

Die Löhne der Swiss-Cockpitcrew sind nicht in Stein gemeisselt: «Ab diesem Sommer werden wir einen neuen Gesamtarbeitsvertrag aushandeln, da der aktuelle um Ende 2010 ausläuft», sagt Thomas Steffen vom Swiss-Pilotenverband Aeropers.

Sein Zeil ist klar: «Unser Ziel ist es keinesfalls, zum letzten Mittel des Streiks greifen zu müssen. Wir erwarten aber, dass sich unsere Löhne im Rahmen der Möglichkeiten jenen der Lufthansa annähern.»

Swiss-Pressesprecher Jean-Claude Donzel will nichts wissen von einer Streikdrohung seiner Piloten. «Wir haben einen laufenden GAV, verhandelt wird dann am Tisch, nicht über die Medien.»

Dass ein Lufthansa-Pilot der Firma 30 Prozent mehr kosten soll als ein Swiss-Pilot, mag Donzel nicht bestätigen. «Das sind Fantasiezahlen. Vergleiche zwischen Ländern sind so nicht stattbar.»

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