Nach Keim-Alarm bei Grillwürsten im «Kassensturz» Warum sind Ihre Cervelats die frischesten, Metzger Hotz?

USTER - Jeder zweite Cervelat in einem grossen Test war keimbelastet – ein Schock für das Wurstland Schweiz. Metzger Hotz aus Uster ZH zeigt, dass es auch anders geht.

  • Publiziert: 23.59 Uhr, Aktualisiert: 26.08.2012
  • Von Roland Gamp

Dienstagabend sass Metzgermeister Ernst Hotz (70) aus Uster ZH vor dem Fernseher. Als Profi wollte er sich den Cervelat-Test im «Kassensturz» nicht entgehen lassen: «Dass auch unsere Würste geprüft wurden, habe ich nicht gewusst», sagt er im Gespräch mit SonntagsBlick.

Die Resultate des Tests sind für viele Metzger und Grossverteiler  fatal. Im Labor waren die Cervelats von Chemikern auf Keime untersucht worden: Jede zweite Wurst erwies sich als keimbelastet, jede sechste als verdorben. Ein Exemplar enthielt sogar Fäkalbakterien.

Umso mehr freut sich Metzger Hotz. Seine Cervelats erhielten das Prädikat «tadellos». Damit gehört er zu den Testsiegern: «Natürlich bin ich stolz auf das Resultat. Eine Überraschung war es aber nicht, wir verkaufen nur beste Qualität!»

«Das schadet unserer Branche»

Die Konkurrenz hat sich blamiert, aber Hotz empfindet keine Schadenfreude: «Die schlechten Resultate schaden unserer Branche, das ist bedauerlich.»

Er weiss, wie schwierig die hygienische Fleischproduk­tion ist. «Vom Schlachten bis zum Verpacken muss alles absolut sauber ablaufen. Eine kleine Unachtsamkeit bei Herstellung oder Transport – schon hast du eine Wurst mit zu hohen Keimzahlen in den Händen.»

Bei Hotz beginnt die penible Arbeit im Produktionsraum. Sasa Paunovic (37), mit Handschuhen und Kappe bekleidet, hängt Würste auf. «Damit alles sauber bleibt, müssen wir auf Kleinigkeiten achten», erklärt der Angestellte.

«Jedes Mal, wenn ich zum Beispiel den Tisch oder das Gestell berühre, wasche ich mir danach die Hände.» Am Anfang  habe er sich daran erst gewöhnen müssen. «Aber der Aufwand lohnt sich, ich habe mich sehr über das Testresultat gefreut.»

Die 35 Mitarbeiter putzen jeden Tag ihre Geräte: Jedes Ventil, jeder Kübel, jedes Gitter wird geschrubbt und anschliessend desinfiziert. Der Teufel lauert im Detail. «Wir geben viel auf unsere Würste. Cervelats sind besonders heikel, weil viele sie kalt essen», sagt der Chef.

Er ist überzeugt: Seine hohen Ansprüche an die Qualität beim Wursten schmeckt man. «Wenn ich in der Region bin, komme ich extra vorbei, um ein paar Würste zu kaufen», sagt eine Kundin. Der Absatz ist in dieser Woche markant gestiegen. Jeder will einen Zipfel des frischesten, des Hotz-Cervelats.

Technischer, aber nicht unbedingt besser

Hotz führt den 120-jährigen Familienbetrieb in der vierten Generation. Alles ist technischer geworden. Aber nicht unbedingt besser. «Manchen Produzenten fehlt heute schlicht die Zeit, um eine saubere Wurst herzustellen», sagt er – beispielsweise beim Erhitzen.

Bei Hotz werden die Cervelats getrocknet, geräuchert und gekocht. «Erst wenn sie eine Kerntemperatur von 70 Grad haben, kühlen wir sie. Nimmt man die Würste vorher heraus, sterben nicht alle Keime ab.» Die Kältedusche dauert solange, bis rund zwei Grad erreicht sind. «So breiten sich keine neuen Keime aus.»

Zwischen Rollschinken und Cipollatas liegen die frischesten Cervelats dann bereit zum Kauf. Metzgermeister Hotz hat alles getan, um sie keimfrei zu halten.

«Damit das so bleibt, muss auch der Kunde aufpassen», sagt er. «Wer sie nicht direkt braten will, sollte abgepackte Würste kaufen.»

Auf jeden Fall, so Hotz, muss der Cervelat so schnell wie möglich in den Kühlschrank: «Sonst befallen ihn die Keime aufs Neue.»

Fakten

Der Cervelat ist die Schweizer Nationalwurst. 2011 kaufte jeder Einwohner im Schnitt sieben Paar. Bei den Grossverteilern gilt der Cervelat als «Kampfprodukt». Im letzten Jahr sank der Preis auf das Rekordtief von

97 Rappen pro 100 Gramm.

Sind die Hygiene-Ansprüche an die Fleischproduzenten zu hoch?»

Beliebteste Kommentare

  • wills  horst
    Türgriffe, Geldscheine usw. sind voller Keime. Ist aber nicht erstaunlich. Beobachte ich doch immer wieder, dass viele Menschen Schweizer! nach dem "Geschäft" ihre Hände nicht waschen.Und in vielen Restaurants wird der Seifebehälter nie aufgefüllt.
  • robin  frei
    im urlaub thailand und singapore war ich sehr ueberrascht, denn der metzger wie die wurstwarenverkaeufer benuetzen handschuhe. sobald sie etwas mit den haenden beruehrten, wurden die haende gewaschen. auch werden die handschuhe gewechselt sobald sie einmal genutzt wurden. und das alles in ASIEN.....

Alle Kommentare (20)

  • Siegfried  Schwab , Miami FL
    Der groesste Witz ist: Handschuhe tragen. Diese muessten auch stetig gewechselt werden, die Bakterien sind damit einfach auf dem Handschuh und nicht auf den blossen Haenden. Ein Trost, es schuetzt den Traeger der Handschuhe vor Kontamination.
    • 26.08.2012
    • 4
    • 3
  • Roger  Wunderlin , Buchs
    ea war früher sicher nicht besser, jedoch kann die Laborwelt heute viel mehr nachweisen als früher. Natürlich müssen die Tets an die grosse Glocke gehängt werden, sonst wäre alles für die Katze.
    Im Kassensturz ist es wie bei RTL, es wird zusammengeschnitten und gesendet, was den Herren passt, das ist schon lange bewiesen!
    Es gibt dort Leute ich nenne jetzt extra keine Namen, die machen ein Interview über eine Matherie wo von sie keine Ahnung haben und die sie überhaupt nicht intressiert. Ich habe es erlebt!
    Trotzdem glauben viele an den Kassensturz, man sollte den auch mal unter die Lupe nehmen!
    • 26.08.2012
    • 16
    • 9
  • werner  widmer , russikon
    Das ganze erinnert an den Ravioli-Test vor vielen Jahren. Cervelats sind Brühwürste und somit kein Thema für Bakterien. Wohl eher für die Tester. Bei iir steigt der Appetit zumal ich meine auf dem Feuer mache.
    • 26.08.2012
    • 9
    • 5
  • Ilker  Alan , Havana , via Facebook
    Es gibt immer neue, komische, unbrauchbare Ideen die uns Angst verbreiten obwohl es "harmlos" sind. Dasselbe Thema wie vor paar Jahren mit BSE Rinderwahn usw. Also, für mich sind klar: Cervelat sind BESTE!
  • kurt  koller , calpe
    wir schweizer koennen stolz sein auf unsere metzgereien,kaum irgendwo auf der welt,kann man aehnliches sehen.
    die die maekern,sind warscheindlich auch die, die im urlaub auf der strasse essen,weils billiger ist.
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