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Bankennah, aber auch unberechenbar und radikal: Hans Geiger. (Remotephoto)
Der grösste Wirtschaftsskandal seit der Swissair. Und bis heute kümmert sich niemand um die Aufarbeitung. Keiner untersucht die Fehler, zieht die Schuldigen zur Verantwortung.
Tatsächlich: Hans Geiger (66) ist der erste offizielle Untersuchungsbeauftragte in der UBS-Affäre. Gestern ernannt vom Bundesrat. Bis nächsten Frühling soll er seinen Bericht abliefern.
Fragt sich nur, ob er der richtige Mann ist. Ob er die Dinge beim Namen nennt. Sicher nicht, sagen Kritiker sofort. Geiger sei der Falsche. Wegen seiner Vergangenheit, den 26 Jahren bei der Credit Suisse und weil er als Bankenprofessor nie die nötige Distanz zur Branche hatte. Die Boni zum Beispiel verteidigt er bis heute.
Nur: Der Mann ist auch unberechenbar, manchmal radikal. Letzte Woche erklärte er im «Migros-Magazin», wie man den Steuerstreit mit den USA hätte lösen sollen. Nicht mit Diplomatie und Staatsvertrag. Nein, ganz einfach: Ex-UBS-Präsident Peter Kurer und Ex-Konzernchef Marcel Rohner hätten den Amis die Kundendaten übergeben müssen.
Natürlich hätten die beiden Manager damit das Bankgeheimnis verletzt. Doch Geiger kümmert das nicht: «Im schlimmsten Fall hätte das drei Jahre Gefängnis bedeutet.»
Kurer und Rohner in den Knast? Kein Witz, Geiger meint das ernst!
Auch das Klumpenrisiko will er an der Wurzel packen: «Grundsätzlich müsste man den US-Teil der UBS verkaufen.» Hoppla! Kein Wunder unterstützt SVP-Mitglied Geiger die Ideen des Anti-Grossbanken-Trios Levrat-Hayek-Blocher: «Die drei haben recht.»
Leider ist Geiger kein Staatsanwalt. Er kann nicht bei der Bank einmarschieren und Akteneinsicht verlangen. Offiziell nimmt er auch nicht direkt das UBS-Debakel unter die Lupe. Sein Auftrag lautet: Herausfinden, warum die Aufsichtsbehörde Finma versagt hat.
Aber das eine ist nicht vom anderen zu trennen.
Wer im UBS-Sumpf gräbt, muss einfach etwas finden
Eine der Kernfragen für Geiger: Warum hat die Finma erst so spät erkannt, dass die UBS im US-Hypothekensumpf versinkt? Die Finma selbst hat das in einem Bericht untersucht – ohne eine klare Antwort zu geben. Darum wird Geiger nun nicht herumkommen. Er muss entscheiden: Entweder hat die Finma die Infos der UBS nicht verstanden. Oder die Bank hat die Behörden angelogen.
Geigers Untersuchungsbericht wird keine Anklageschrift gegen Ex-UBS-Chef Marcel Ospel und Co. Doch der pensionierte Professor kann im Frühling nicht mit leeren Händen kommen. Wer in diesem Fall zu graben beginnt, muss auf Missstände stossen. Und jedes kleine Detail erhöht den Druck darauf, dass der UBS-Skandal doch noch aufgearbeitet wird.
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Ex-UBS-Verwaltungsratpräsident: Marc Ospel. (BLICK)