Wohnen wird immer teurer Wann platzt die Immoblase – und wer zahlt?

  • Publiziert: 28.10.2012
  • Von Werner Vontobel

Der Autor

Werner Vontobel Werner Vontobel
Der Volkswirtschafts-Experte der BLICK-Gruppe.

Innert zehn Jahren wurde Wohneigentum in der Schweiz 75 Prozent teurer. Weil die Hyposzinsen so tief sind. Aber was passiert, wenn die Zinsen steigen?

Hört das denn nie auf? Von Mitte 2011 bis Mitte 2012 sind die Schweizer Preise für Eigentumswohnungen noch einmal um 5,3 Prozent gestiegen, in der Stadt Zürich sogar um 13,5 Prozent. Damit sind Eigentumswohnungen heute gesamtschweizerisch 75 Prozent teurer als noch vor zehn Jahren.

Der Boom der Einwanderung und der der Immobilienpreise laufen zeitlich parallel. Kein Wunder, wenn sich mehr Leute um weniger Bauland streiten, können die Bodenbesitzer mehr verlangen.

Zinsen würden um 8 Milliarden steigen

Die meisten Medien haben die neuesten Zahlen von Wüest&Partner mit der Frage verknüpft, wie lange es wohl doch dauere, bis die Blase platzt. Da tickt in der Tat eine Zeitbombe: Steigen die Zinsen auch nur um 1 Prozent, so erhöhen sich die Zinskosten allein für die Besitzer von Wohnimmobilien um 8 Milliarden Franken jährlich.

Das wird vorerst ein paar tausend Haus- und Wohnungsbesitzer zwingen, ihre Objekte abzustossen. Wenn dann die Immobilien auch nur auf das Niveau von vor fünf Jahren zurückfallen, werden Buchwerte von 400 bis 500 Milliarden Franken ausgelöscht. Das wiederum wird die Banken zwingen, Hypotheken zu künden oder zusätzliche Sicherheiten zu verlangen.

Der Immobilienmarkt ist «too big to fail»

Was das bedeutet, und uns bisher nur deshalb noch niemand im Detail ausgemalt, weil dies zu einer selbsterfüllenden Panikattacke führen könnte. Der Schweizer Immobilien- und Hypothekenmarkt ist «too big to fail».

Doch der Preisboom bei den Immobilien ist nicht nur eine drohende Gefahr, sondern auch ein laufender Schaden.

Steigende  Immobilienpreise bedeuten nämlich eine enorme, volkswirtschaftlich nicht nachhaltige Umverteilung von den vielen Mietern, zu wenigen Bodenbesitzern.

Aus dem neuesten Bericht von Wüest&Partner lassen sich folgende Grössenordnungen ableiten: Der Wert der Wohn-Immobilien ist in zehn Jahren um rund 500 Milliarden Franken gestiegen.

Die Cash-Rendite (ohne Wertsteigerung) dieser Anlagen liegt bei rund 5 Prozent. 5 Prozent von 500 Milliarden sind 25 Milliarden. So gesehen generiert allein die Preiserhöhung der letzten zehn Jahre einen jährlichen Mehrertrag von 20 bis 25 Milliarden Franken.

Die Zeche zahlen alle

Doch auch die teuren Preise etwa für Ladenlokale an der Bahnhofstrasse, für Bürogebäude oder für Fabrikareale verursachen Kosten, die über die Löhne und Preise letztlich auf die Normalverbraucher abgewälzt werden und die letztlich in die Taschen der Immobilienbesitzer fliessen.

Dem steht gegenüber, dass nicht alle Immobilienbesitzer ihre Marktmacht voll ausnützen. Das gilt insbesondere für Wohnbaugenossenschaften. 

Insgesamt verteilen die hohen Immobilienpreise wohl nicht weniger als 5 Prozent aller Einkommen von unten nach oben um. So gesehen kann man eigentlich nur hoffen, dass die Blase möglichst schnell platzt – am besten allerdings nur gaaaanz langsam.

Beliebteste Kommentare

  • Eugen  Dubeli , St.Gallen
    Die einzige Lösung wäre, mittelfristig die Abschaffung des Eigenmietwertes das würde das Schulden machen merklich reduzieren.
  • Werner  Bieinisowitsch , Sant Jordi
    Und sie wird platzen, die Immo-Blase. Ich hoffe für die Schweizer, dass die Blase nicht so knallartig platzt wie hier in Spanien. Es kann doch nicht immer so weitergehen, eines Tages müssen auch in der Schweiz die Banken einsehen, dass sie auf sehr vielen "faulen" Krediten sitzen bleiben, und dann, "guet Nacht am Sächsi".

Alle Kommentare (12)

  • Andreas Martin  Waldmeier , Birr , via Facebook
    Und wenn schon, dann platzt sie halt, alle die sich nicht an die Regeln halten, sollen die zu spüren bekommen und hoffentlich lüpfts die grossen Banken gleich auch noch dazu dann bringt dann die Euro Anbindung auch nichts mehr und es gibt in Europa so einen richtigen Rattenschwanz von nur noch Nullern.....
  • Hans  Schlauri , St. Gallen
    Schuldenbabylon Schweiz?
    Die Schweiz hat von 52 untersuchten Ländern und damit vermutlich von allen Ländern der Erde die höchste Verschuldung der privaten Haushalte, dank exzessiver Hypothekarverschuldung. J.P. Roth sagte schon 2002 als Präsident der SNB: „Für die Geldgeber bedeutet dies die exzessive Hypothekarverschuldung ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko. Daraus lässt sich erahnen, wie wichtig das vergleichsweise tiefe Zinsniveau für die Schweiz ist.“ Der verklausulierte Satz heisst im Klartext: Die SNB muss mit billigem Geld unser Schuldenbabylon stützen, weil das Kartenhaus sonst zusammenbricht. Und das schon seit Jahren, nicht erst seit dem Problem mit dem Eurokurs, hinter dem die SNB die wahren Absichten ihrer Geldschwemme jetzt verstecken kann. Die Geldschwemme führt zu einer gigantischen Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern durch Inflationierung der Immobilien. Die Umverteilung geht von unten nach oben, weil die Reichen und nicht die Armen die grossen Schulden machen. Je mehr Eigenkapital jemand hat, desto mehr Kredit bekommt er, desto höher kann er sich verschulden.
    • 29.10.2012
    • 48
    • 5
    • Trine  Trullalla , via Facebook
      Ja genau! Nicht zu vergessen, dass auch nur diejenien mit Geld dieses auch verspekulieren können... und wenns schief geht noch jahrelang den hohen Lebensstandart beibehalten und dafür womöglich auch noch krumme Dinger drehen....Menschen die schauen müssen wie sie zu Essen kommen haben keine Energie für komische Machenschaften!
      • 29.10.2012
      • als Kommentar auf Hans  Schlauri , St. Gallen
      • 11
      • 5
  • Dani  Meier , Zürich
    Für Städte sollte es eine Höchstmietgrenze geben. Darüber darf keine Firma mehr in dieser Stadt eröffnet werden.
  • Philipp  Rittermann
    es sollte allen bewusst sein, dass es so nicht weitergehen kann. wer vernünftig rechnet, geht von einem künftigen hypozins inkl. amortisation von 5 Prozent aus. da sollte man es sich jetzt schon überlegen, ob das eigenheim finanzierbar ist.
    • 29.10.2012
    • 77
    • 4
  • Thomas  Stäubli , via Facebook
    Nun ja, die "Werte" der Immobilien sind ja gestiegen, weil das akzeptierte Zinsniveau der Investoren gesunken ist und nicht, weil die Mieten gestiegen wären - ausser vielleicht an ein paar wenigen Hotspots.
    • 29.10.2012
    • 36
    • 4
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