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Walmart, der mächtigste Detaillist der Welt, will die Preise um weitere fünf bis 15 Prozent drücken. Das verspricht nichts Gutes: Wo Walmart wütet, sinken die Löhne noch schneller als die Preise. Studien aus den USA zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen der Eröffnung von Walmart-Filialen und steigenden Armutsquoten.
Kein Wunder, denn der mittlere Walmart-Lohn reicht nicht, um eine dreiköpfige Familie ohne staatliche Nahrungsmittel-Gutscheine über die Runden zu bringen. Welch ein Abstieg. In den 60er-Jahren genügte ein Arbeiterlohn beim damals grössten Arbeitgeber GM, um einer ganzen Familie eine solide Mittelstandsexistenz zu sichern, Altersvorsorge inbegriffen.
In Deutschland sinken die Einkommen der ärmeren zwei Drittel der Bevölkerung seit zehn Jahren. Im Detailhandel liegen die Tariflöhne mit brutto 1200 bis 1500 Euro im Monat beim Existenzminimum für ein Paar mit Einzelkind. Rund die Hälfte aller Angestellten im Einzelhandel verdient aber deutlich unter Tarif. Sie müssen mit Staatsgeldern in Caritas-Läden einkaufen. Lidl, Aldi, Schlecker und Co. drücken sich selbst aus dem Markt.
Und die Schweiz? Märkte, so Ökonomieprofessor und Verhaltensforscher Ernst Fehr von der Uni Zürich, sind «kulturelle Leistung». Die Trennlinie zwischen Kultur und Unkultur liegt im Detailhandel.
Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.
- SonntagsBlick