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Die finanzielle Schieflage der 2. Säule wird immer schlimmer. Angesichts der tiefen Zinsen und der steigenden Lebenserwartung erhalten die Rentner viel zu hohe Renten. Für die künftigen Rentner bleibt damit immer weniger übrig.
Diese Woche gab das Bundesamt für Statistik bekannt, dass die Lebenserwartung der 65-jährigen Männer innerhalb von zehn Jahren von 15,5 auf 17,1 Jahre gestiegen ist. Die offizielle Rentenformel geht aber immer noch von einer Lebenserwartung von 15,3 Jahren und einer Erhöhung um ein Jahr alle zehn Jahre aus.
Ebenfalls diese Woche haben die Finanzdienstleister Swisscanto und Complementa ihre gemeinsame Pensionskassenstudie veröffentlicht. Danach brauchen unsere Pensionskassen eine Rendite von 5,2 Prozent, um die versprochenen Renten bezahlen zu können. Darin sind je rund 0,5 Prozentpunkte für die Kosten der Vermögensverwaltung und für die steigende Lebenserwartung eingerechnet. Von 2000 bis 2004 haben sie jedoch eine Rendite von minus ein Prozent erzielt, und auch in Zukunft seien kaum mehr als 3 Prozent zu erwarten.
Im Klartext: Die heutigen Arbeitnehmer müssen die Rentner massiv subventionieren: Die Rentenbezüger verfügen über ein Sparkapital von gut 250 Milliarden Franken. Um damit die Rente von zur Zeit rund 20 Milliarden Franken nachhaltig finanzieren zu können, bräuchte es die erwähnte Bruttorendite von 5,2 Prozent. Für jedes fehlende Prozent müssen die aktiven Beitragszahler 2,5 Milliarden Franken unfreiwillig an die Rentner abtreten.
Für die Jahre 2000 bis 2004 bedeutet dies einen jährlichen Nettotransfer von insgesamt gut 60 Milliarden Franken. In Zukunft werden es – 3 Prozent Rendite vorausgesetzt- jährlich noch gut 5 Milliarden Franken sein. Das ist viel Geld, auch relativ gesehen: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen jährlich rund 30 Milliarden Franken Pensionskassenbeiträge. Davon gehen rund 10 Milliarden für die Unkosten und Risikoprämien (Tod, Invalidität) weg. Es verbleibt ein Sparbeitrag von gut 20 Milliarden, und davon gehen die erwähnten 5,5 bis 13 Milliarden Franken «Subventionen» an die Rentner weg. Ein Wahnsinnn.
Anton Streit, Vizedirektor im Bundessamt für Sozialversicherung kennt das Problem. «Wir bereiten zur Zeit eine Gesetzesvorlage zur weiteren Senkung des Umwandlungssatzes vor», sagt er, «damit sollen die künftigen Renten auf ein Niveau gesenkt werden, das den veränderten Umständen entspricht.» Die angepeilte Grössenordnung dürfte etwa bei 5,8 Prozent liegen. Gegenüber den heute noch geltenden Sätzen entspräche dies einer Rentenkürzung um rund 20 Prozent.
Doch selbst wenn das Gesetz morgen geändert wird, fressen die heutigen Pensionierten mit ihren überhöhten Renten noch Jahrzehnte lang Milliardenlöcher in die Pensionskassen. Vielen Vorsorgeeinrichtungen bleibt dann wohl nur noch der Sicherheitsfonds – der aber bloss die gesetzlichen Minimalrenten garantiert.
Werner Vontobel ist Wirtschaftsredaktor beim SonntagsBlick. Für Blick Online schreibt er regelmässig Artikel zu ausgewählten Wirtschaftsthemen.- RDB