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Also sprach Doris Leuthard: «Die Eindämmung des Protektionismus und die Öffnung der Märkte sind der Schlüssel zu Wohlstand und Wachstum. In allen Ländern. Heute und morgen.»
Unsere Wirtschaftsministerin betete diese Woche bei der Tagung des WTO-Ministerrates in Genf einmal mehr das Mantra der Liberalisierung vor. Doch niemand glaubt ihr mehr.
Und zwar völlig zu Recht. Der freie Handel fördert das Wachstum, indem er mehr Arbeitsteilung schafft. Doch dieses Potenzial ist längst ausgereizt. Spezialisierung schafft inzwischen vor allem Abhängigkeit und Lohndruck. Produziert wird dort, wo die Kosten gerade am günstigsten sind.
Fällt der Dollar, verlegt Mercedes die Produktion von Sindelfingen (D) nach Tuscaloosa (USA). Wird der Milchmarkt geöffnet, verlieren Bauern ihre Existenz.
Der freie Welthandel hat seinen Zenit überschritten und ist heute weit davon entfernt, ein Motor des Fortschritts zu sein. Im Gegenteil, die Wachstumsraten sind gesunken, die globale Arbeitsteilung schafft weltweit Ungleichheit und Unsicherheit. Jedermann weiss das. Zu viele haben es schon am eigenen Leib erfahren.
Unser Bundesrat lässt sich davon nicht beirren und singt weiter das Hohelied des freien Handels. Diese Realitätsferne verunsichert die Stimmbürger. Wozu das führen kann, hat der vergangene Abstimmungssonntag gezeigt.
Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.
- SonntagsBlick