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Wir haben versagt, wir müssen uns bessern. Professor Gebhard Kirchgässner, der höchste Schweizer Ökonom, hat den Jahrestag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkswirtschaft und Statistik für eine Standpauke genutzt.
Der Professor wirft seinen Kollegen vor, sie hätten «die Bedeutung des Staats für einen geregelten Wirtschaftsablauf unterschätzt» und reflexartig immer nur «mehr Markt» gefordert. Schlimmer noch: Sie verstossen gegen die Regeln des Handwerks: Sie leiten ihre Schlussfolgerungen aus Annahmen ab, ohne diese wissenschaftlich zu überprüfen.
Dabei erwähnt Kirchgässner ausdrücklich die in Deutschland, Bern und der NZZ hoch geschätzte Ordoliberale Schule und deren einfältige Dreifaltigkeit. Erstens: Politiker verfolgen eigennützige Ziele. Zweites: Der Eigennutz der Marktteilnehmer fördert das Allgemeinwohl. Woraus drittens folgt: Der Markt hat immer recht.
Dass nun ausgerechnet der angeblich effizienteste aller Märkte – der Kapitalmarkt – total versagt hat, das habe seine ordoliberalen Kollegen allerdings nicht nachdenklich gestimmt. Sie halten an ihren Annahmen fest und haben sich auf die These geeinigt, wonach die US-Notenbank mit ihren tiefen Zinsen alles vermasselt habe. Der Staat ist schuld – wie immer.
Was soll man da noch sagen? Kirchgässner drückte sich diplomatisch aus: «Der Ordoliberalismus hat sich von der internationalen Entwicklung abgekoppelt.»
Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.
- SonntagsBlick