Internet-Handel Shoppen im Netz – böse Folgen für Jobs?

  • Publiziert: 25.08.2012, Aktualisiert: 27.08.2012
  • Von Werner Vontobel
Ein Preisvergleich lohnt sich play Tausende Pakete werden täglich zwischen Versandhäusern und Kunden hin- und hergeschickt. (sda)

Der Autor

Werner Vontobel Werner Vontobel
Der Volkswirtschafts-Experte der BLICK-Gruppe.

Überall steigt die Arbeitslosigkeit, doch jetzt brummt ein neuer Job-Motor: Shoppen über das Internet. Doch ist das ein Zeichen der Hoffnung oder der Krise?

Der Name ist erfunden, aber der Vorgang ist real und typisch: Anita Blau, Sachbearbeiterin bei einer Versicherung, kleidet sich gerne schick, will dafür aber nicht allzu viel Geld ausgeben.

Also nützt sie die Mittagspause, um rund um die Zürcher Bahnhofstrasse schöne Kleider zu suchen. Sie findet ein paar gute Stücke, doch leider passt jedes Mal die Farbe nicht. «Sorry», sagt sie und lässt die anprobierten Kleider in der Umkleidekabine liegen. «Kein Problem», sagt  die Verkäuferin und räumt auf.

Für Anita Blau ist es jetzt ein Kinderspiel, bei einem Internethändler die Kleider auszusuchen in passender Grösse und Farbe. Noch ein Click mit der Maus und die Bestellung geht ab.

Was die Mausklicks auslösen, konnte man kürzlich bei Günter Wallraff nachlesen. Er hat sich als Beifahrer bei einem Paketzusteller verdingt und ist für einen Stundenlohn von 6 Euro durch Deutschland getingelt.

Tatsache ist: Der Versandhandel boomt. Aber es herrscht ein ungeheurer Preisdruck, der voll auf  Unterlieferanten und auf Beschäftige abgewälzt wird.

Die Ursachen für den Preiskampf: Die meisten der gelieferten Kleider werden zurückgeschickt. Bei Zalando sind es gemäss «Financial Times Deutschland» 60 Prozent. Weil Farbe oder Grösse eben doch nicht passen. Von 100 Paketen bleiben also nur 40 beim Kunden.

Dazu kommen die Rechnungen, die nicht bezahlt werden, Ware, die beim Transport beschädigt wird, Stunden im Stau etc.

Um die externen Kosten müssen sich die Internet-Händler nicht kümmern, die fallen bei traditionellen Modehäusern an, bei denen Anita Blau schnell man die Umkleidekabinen und das Verkaufspersonal gratis in Anspruch nimmt – solange es sie noch gibt.

Immerhin schaffe seine Branche Jobs, meint Stefan van Hoof, Geschäftsführer des Zalando-Regionallagers in Grossbeeren, DE, gegenüber der «Financial Times Deutschland». 400 Leute beschäftigte er schon heute, weitere 250 will er nächstes Jahr einstellen. Darüber hinaus seien 6500 Arbeitsplätze im Güterverkehr entstanden.

Der Internet-Handel ist in der Tat eine der wenigen Branchen, die noch Jobs schaffen. Ein Zukunftsmodell ist er dennoch nicht. Denn von den tiefen Löhnen können viele nicht leben.

Beliebteste Kommentare

  • Pascal  Meister , via Facebook
    Hm... Wenn 60 Prozent der Kleider zurückgeschickt werden, dann sind das nicht Frauen wie Frau Blau, welche traditionelle Geschäfte unfairerweise ausnutzen. Sondern das sind Menschen, welche keine Lust haben, sich durch x Geschäfte durchzusuchen, von unfreundlichem Verkaufspersonal bedrängen zu lassen und am Schluss das Doppelte vom Preis in Deutschland zu bezahlen. Also alles verständlich und korrekt und fair.
  • Markus Peter  Liebermann , Bern
    Was will Herr Vontobel mit diesem Text sagen? Das Internet existiert nun mal und Tieflohnjobs gibts auch in den traditionellen Modehäusern. Allein der Wechsel des Verkaufskanals ist sicher nicht der Grund für Working Poors...

Alle Kommentare (14)

  • Pitsch  Fotopitsch , Zürich , via Facebook
    Eine unheilige Allianz Internet und einkaufen in Deutschland.Wenn alle nur noch so Denken können die verarmten Schweizer ohne Stelle bald gar nichts mehr einkaufen.Die Geiz ist Geil Mentalität kommt aus Deutschland.Dort hat sie schon ganze Industrie Zweige vernichtet.Ich Denke da an Electronic,Foto,Landwirtschaft,Migros,Coop,Volg, Denner beschäftigen mit den Fabriken zusammen Hundertausende von Leuten, und bilden Tausende von Lehrlingen aus. Was macht Aldi,Lidel,Saturn,Mediamarkt usw. zusammengenommen keine 100. Diese Leute sägen sich den Ast ab auf dem sie sitzen.Wenn sie dann für 800.-bis 1300.-€ Arbeiten müssen sind das die ersten die Jammern. Aber so geht das in Deutschland. Darum muss der Staat dort mit allen Mitteln Geld zusammen kratzen, um die Millionen Arbeitslosen zu unterstützen. Auch mit Mitteln die normalerweise auf einer anderen Ebene angesiedelt sind.
    • 27.08.2012
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  • Roger  Garnier , Buchs ZH
    Warum wollen in der Schweiz alle super schnell Millionär werden? Nur darum haben wir in der Schweiz überall so überhöhte Preise. Wären die Preise dem Produkt angepasst müssten wir nicht im Ausland einkaufen. Und mit den Lagerkosten und Löhnen haben diese überhöhten Preise nichts zu tun. Also, Preise runter und auch ich kaufe wieder im schweizer Fachhandel.
    • 27.08.2012
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  • Peter  Möckli
    Der Versandhandel verursacht auch zusätzlichen Verkehr mit all den Paketen, die von DHL und Co. zugestellt werden müssen. Ein Einkauf mit einem Paket von Amazon, einem Paket von Zalando etc. verursacht dadurch schnell mehr CO2-Ausstoss als wenn ich einmal ins Shopping fahre, dort parkiere und dann alle Einkäufe in einem Rutsch erledige.
    • 27.08.2012
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    • Vladimir  Bobot , via Facebook
      Ich bin ziemlich sicher das Sie, bei Ihren Shoppi-Besuch, deutlich mehr CO2 produzieren als 11 Pakete von welchen 10 zurückgeschickt werden.
      • 27.08.2012
      • als Kommentar auf Peter  Möckli
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  • Jay  Gerber , St. Gallen
    Traditionelles Einkaufen ist mir einfach zu mühsam. Gerade am Wochenende wenn ich fürs Shopppen Zeit habe, sind die Einkaufszentren überfüllt und an einen entspannten Einkauf ist gar nicht zu denken. In die Stadt geh ich schon gar nicht mehr, da die Parkplätze im Zentrum immer weniger werden. Zuhause dagegen ist Einkaufen stressfrei möglich und es fallen keine Benzin und Parkplatzkosten an. Der einzige Nachteil ist einfach die fehlende Beratung und das Anprobieren.
    • 27.08.2012
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  • Patrick  Allemann , via Facebook
    Wir sind mit Fotogeschenke im Internet gross geworden fotoblitz und haben Arbeitsstellen geschaffen die ganz bestimmt nachhaltig sind. Es ist halt der Wandel der Zeit, ob das nun allen passt oder nicht.
    Es ist auch viel gemütlicher, die Produkte Zuhause in aller Ruhe auszusuchen und zu vergleichen.
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