Reissen uns die Banken in die Krise?
Hypothekarkrise? Die wahre Hypothek ist das Finanzsystem selbst.
Von Werner Vontobel | Aktualisiert um 23:45 | 03.11.2007
Alle reden von Merrill Lynch und UBS, von Pleiten und Milliardenverlusten. Doch die Hypokrise ist nur die Sumpfblüte. Wenden wir uns lieber dem Sumpf zu. Zwei Stichworte genügen: Globalisierung und Shareholder-Value. Die Globalisierung gab den Unternehmen Gelegenheit, die Löhne unter Druck zu setzen, die Shareholder-Philosophie gab ihnen die Rechtfertigung dazu, diese Chance zu nutzen.
Die Folgen werden täglich in den Finanzmedien bejubelt: Unternehmen erzielen Gewinne, die den Investitionsbedarf weit übersteigen. Der Rest fliesst in die Finanzmärkte, die das Geld für ihre Spekulationen brauchen. «Die hohen Erdölpreise sind zum grossen Teil das Ergebnis riskanter Spekulationsgeschäfte von Finanzinvestoren, Investmentbanken und Hedgefonds», schreibt die «Financial Times Deutschland».
Eine weitere Folge der neuen Machtverhältnisse ist die immer einseitigere Verteilung der Einkommen. In Deutschland wurden 50 Prozent der Bevölkerung seit 1992 ärmer. In den USA haben seit 2002 nur die obersten 10 Prozent ihr Einkommen erhöhen können, dafür aber umso kräftiger.
Kein Wunder, wird der aktuelle Aufschwung vor allem vom Luxuskonsum der Reichen angetrieben. Doch der gehobene Bedarf allein hätte nicht gereicht. Es brauchte auch die Nachfrage der weniger Reichen – und die konsumierten prompt auf Pump. Das nötige Geld borgten sie sich via Bank von den Reichen.
In den USA stockten die Haushalte ihre Schulden allein seit 2003 um 4800 Milliarden Dollar (!) auf. Die Banken schmissen ihnen das Geld förmlich nach. Als «Sicherheit» diente ihnen der steigende Wert der Immobilien. In der Schweiz haben die Haushalte seit 2005 am Bankschalter 61 Milliarden Franken Hypothekarkredite abgeholt und damit den Bau- und Nachfrageboom befeuert.
Damit wären wir beim Thema «Hypothek». Sie ist ein Sinnbild dafür, wie sich das Bankengeschäft in Zeiten der Globalisierung verändert hat. Einst war die Hypothek ein einfaches Geschäft: Der Kunde kommt zur Bank, leiht sich eine halbe Million, dann passiert – ausser Zinszahlungen – jahrelang nichts. Wie langweilig! Wie unprofitabel! Wie peinlich für die verschlafenen Kollegen vom Hypo-Desk.
Also wurde die Hypothek aufgepeppt.
Erster Schritt: Man bündelte die Hypothekarforderungen zu Pools von beispielsweise 100 Millionen Dollar, teilte sie in Zertifikate von 100 Dollar auf, verkaufte sie via Börse an die Anleger. So wurden langfristige Hypotheken zu jederzeit handelbaren Wertpapieren.
Zweiter Schritt: Man unterteilte die Pools in Risikogruppen, ähnlich Gläubigergruppen bei einem Konkurs. Damit die Anleger die so geschaffenen Risiken «managen» können, wurden laufend neue Optionen und Indices konstruiert, auf die man Wetten abschliessen kann. Die Hypothek war in der Moderne angelangt.
So weit, so profitabel für die Banken. Dann kamen die zu erwartenden Verluste – die mit völlig unerwarteter Heftigkeit auf die Banken zurückschlugen. Das ausgeklügelte Absicherungssystem spielte verrückt und brachte das weltweite Kreditsystem an den Rand des Kollaps, der nur dank den Notenbanken – bisher – abgewendet werden konnte.
Die globale Hypothekarkrise zeigt – wenn man sehen will –, welche Hypothek uns wirklich erdrückt: unsere Banker. Hedgefonds-Manager und Financiers kontrollieren zwar die ganze Wirtschaft und drängen ihr kurzfristiges Rendite-Denken auf. Sie haben aber sich selbst und ihr System weder intellektuell noch ethisch im Griff. Statt mathematisch verbildeter Zocker und Zauberlehrlinge brauchen wir Banker, die sich als Dienstleister an der Wirtschaft verstehen, und die vielleicht sogar noch wissen, was ein Hypothekarkredit ist.
Die Folgen werden täglich in den Finanzmedien bejubelt: Unternehmen erzielen Gewinne, die den Investitionsbedarf weit übersteigen. Der Rest fliesst in die Finanzmärkte, die das Geld für ihre Spekulationen brauchen. «Die hohen Erdölpreise sind zum grossen Teil das Ergebnis riskanter Spekulationsgeschäfte von Finanzinvestoren, Investmentbanken und Hedgefonds», schreibt die «Financial Times Deutschland».
Eine weitere Folge der neuen Machtverhältnisse ist die immer einseitigere Verteilung der Einkommen. In Deutschland wurden 50 Prozent der Bevölkerung seit 1992 ärmer. In den USA haben seit 2002 nur die obersten 10 Prozent ihr Einkommen erhöhen können, dafür aber umso kräftiger.
Kein Wunder, wird der aktuelle Aufschwung vor allem vom Luxuskonsum der Reichen angetrieben. Doch der gehobene Bedarf allein hätte nicht gereicht. Es brauchte auch die Nachfrage der weniger Reichen – und die konsumierten prompt auf Pump. Das nötige Geld borgten sie sich via Bank von den Reichen.
In den USA stockten die Haushalte ihre Schulden allein seit 2003 um 4800 Milliarden Dollar (!) auf. Die Banken schmissen ihnen das Geld förmlich nach. Als «Sicherheit» diente ihnen der steigende Wert der Immobilien. In der Schweiz haben die Haushalte seit 2005 am Bankschalter 61 Milliarden Franken Hypothekarkredite abgeholt und damit den Bau- und Nachfrageboom befeuert.
Damit wären wir beim Thema «Hypothek». Sie ist ein Sinnbild dafür, wie sich das Bankengeschäft in Zeiten der Globalisierung verändert hat. Einst war die Hypothek ein einfaches Geschäft: Der Kunde kommt zur Bank, leiht sich eine halbe Million, dann passiert – ausser Zinszahlungen – jahrelang nichts. Wie langweilig! Wie unprofitabel! Wie peinlich für die verschlafenen Kollegen vom Hypo-Desk.
Also wurde die Hypothek aufgepeppt.
Erster Schritt: Man bündelte die Hypothekarforderungen zu Pools von beispielsweise 100 Millionen Dollar, teilte sie in Zertifikate von 100 Dollar auf, verkaufte sie via Börse an die Anleger. So wurden langfristige Hypotheken zu jederzeit handelbaren Wertpapieren.
Zweiter Schritt: Man unterteilte die Pools in Risikogruppen, ähnlich Gläubigergruppen bei einem Konkurs. Damit die Anleger die so geschaffenen Risiken «managen» können, wurden laufend neue Optionen und Indices konstruiert, auf die man Wetten abschliessen kann. Die Hypothek war in der Moderne angelangt.
So weit, so profitabel für die Banken. Dann kamen die zu erwartenden Verluste – die mit völlig unerwarteter Heftigkeit auf die Banken zurückschlugen. Das ausgeklügelte Absicherungssystem spielte verrückt und brachte das weltweite Kreditsystem an den Rand des Kollaps, der nur dank den Notenbanken – bisher – abgewendet werden konnte.
Die globale Hypothekarkrise zeigt – wenn man sehen will –, welche Hypothek uns wirklich erdrückt: unsere Banker. Hedgefonds-Manager und Financiers kontrollieren zwar die ganze Wirtschaft und drängen ihr kurzfristiges Rendite-Denken auf. Sie haben aber sich selbst und ihr System weder intellektuell noch ethisch im Griff. Statt mathematisch verbildeter Zocker und Zauberlehrlinge brauchen wir Banker, die sich als Dienstleister an der Wirtschaft verstehen, und die vielleicht sogar noch wissen, was ein Hypothekarkredit ist.
Das sagen Blick.ch-Leser
- Weltum, Genf - 15:57 | 06.11.2007
- » Die Gewinne der Banken explodieren - das "nettosalär" der Angestellten nimmt ab..... Wie wird es dann wohl aussehen wenn die Banken mal weniger Gewinn machen?? Früher verdiente die Nummer1 einer Bank etwa das 5 fache eines Prokuristen - heute das 500 fache. Wie geht dies weiter? Die Hypo-Kriese - wurde nur dank den Notenbanken (und deren "riesigem Cash-Einschuss") abgewendet. Aber... die Krise ist noch lange nicht vorbei - wie werden die Notenbanken bei den nächsten "Problemen" reagieren - die können ja nicht x-mal "gegen den Markt" kämpfen. Macht mir irgendwie ein wenig Angst das ganze....
- Bühler, Ettingen - 09:43 | 06.11.2007
- » die ganzen Schreckenshandlungen der Banken und Versicherungen zeigen, dass es auch dieses Mal ein weiterer geschickt eingefädelter Coup sein wird und wir Normalbürger am Schluss erneut wieder mit herunter gelassener Hose dastehen werden. Darauf wette ich! Das Gesülze von wegen Verlusten kennen wir schon. Dabei geht es lediglich um das Einläuten einer weiteren Schreckensrunde zu Lasten von Kleinsparern und Kleinanlegern. Meine Empfehlung: Geld abziehen und zu einer vernüftigen Bank zügeln... und das inklusive PK Gelder!
- Martin Giger, Genf - 08:43 | 06.11.2007
- » Der kurze Ausflug in die Wahrheiten des heutigen Managements innerhalb von Finanzinstituten von Herrn Vontobel ist leider sympthomatisch. Die einzige Totsünde, welche von irdischen Gerichten nicht nur nicht bestraft wird, sondern sogar noch gesellschaftlich akzeptiert und gefördert wird, ist die Gier. So wird man nicht umhinkommen nochmehr Regulative in die Systeme einzubauen, welche an sich nicht nötig wären. Dies solange die Management Leute in den Publikumsgesellschaften sich nicht wieder auf ein "moralisches" Verhalten besinnen. Holzer von der alten UBS sagte in den späten 70ern einmal: "Wenn ich das 10 fache meines geringsten Mitarbeiters verdiene, finde ich dies vertretbar." Auch wenn er vielleicht nicht gerade die Putzfrau meinte, sollte dies zu Denken geben.....
- Mueller C, Zürich - 11:33 | 05.11.2007
- » Herr Vontobel Banker sind nicht die Hypothek - es sind die Juristen! Sie verstehen nichts von Wirtschaft, erlassen aber Regeln, wie sie funktionieren soll. Stellen Sie sich einen blinden Fussball-Schiri vor bei einem diskutablen Foul. Da er keine Ahnung hat, was geschehen ist, wird das Spiel mal lange unterbrochen. Wenn im Wirtschaftsleben die Schris der Compliance oder des Risiko-Managements das Spiel unterbrechen, dann sind die Collegae in der Rechnungslegung gezwungen, ein 0:0 zu schreiben, selbst wenn der Zwischenstand 3:4 ist. Wird das Spiel wieder aufgenommen, jedoch, geht es bei 3:4 weiter. Lehre 1: das Spiel sollte möglichst schnell wieder aufgenommen werden Lehre 2: Im Krimi ist's der Gärtner, im Fussball der Schiri und in der Wirtschaft der Jurist
- roger, selzach - 10:31 | 05.11.2007
- » Als langjähreiger Bank-Berater in verschiedenen Sparten muss ich heute erkennen, dass ich mit meiner Einstellung, den Kunden ehrlich und nach bestem Wissen zu beraten absolut im Abseits stehe. Obwohl ich auf der Visitenkarte noch immer Berater genannt werde muss ich gemäss meinen immer jüngeren Vorgesetzten im Grunde nichts anderes tun als den Kunden Produkte aufschwatzen und meine Verkaufsziele erreichen. Den Bonus für die erreichten Ziele teilt man sich dann anschliessend im höheren- und mittleren Kader untereinander auf. Der normale Banker hat keinen höheren Stellenwert mehr als ein Fabrikarbeiter. Dieser ganze Berufszweig hat sich zur Abzockermaschinerie für einige wenige entwickelt. Und wer nicht bedingungslos mitmacht und sich gar noch für Kunden und deren Anliegen einsetzt landet früher oder später auf dem Abstellgleis. Das nennen die dan iloyales Verhalten gegenüber dem Arbeitgeber.
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