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Usain Bolt schaffte die 100 Meter in 9,58 Sekunden – nicht schlecht. Aber jetzt hat die Schweiz eine wirklich historische Leistung hingelegt, einen Weltrekord an grenzüberschreitendem Mitgefühl und Minderheitenschutz.
Es ging nicht um Folter – da leidet jeder mit. Es ging auch nicht um drohende Todes- oder Freiheitsstrafen. Das ergreifendste Opferbild, das gezeigt werden konnte, war das des sichtlich erbosten Milliardärs und UBS-Kunden Igor Olenicoff auf seiner Yacht vor Florida.
Das offenbar hoch entwickelte Gerechtigkeitsempfinden einer ganzen Nation hat sich an der Frage entzündet, ob 4450 reichen US-Amerikanern das Menschenrecht verweigert werden darf, mit einem Rekurs die Herausgabe von Beweismitteln um ein paar Monate zu verzögern. Das ist ihnen übrigens geglückt: Dank des selbstlosen Einsatzes unseres Bundesrats haben die Millionäre noch ein Jahr Zeit, sich mit allen Rechtsmitteln gegen eine Steuernachzahlung zu wehren.
Doch wie immer nach solchen Fabelweltrekorden melden sich auch jetzt Neider und Zweifler zu Wort. War da vielleicht gar nicht unser sensibles Rechtsempfinden am Werk, sondern bloss die eigennützige Hoffnung auf weitere lukrative Geschäfte unserer Banken mit Steuerhinterziehern?
Ein Dopingtest könnte Aufschluss geben – in Guantánamo gibt es noch ein paar echte Opfer der US-Justiz. Wäre unser Mitgefühl echt, müssten wir auch ihnen helfen.
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Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.