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Mitte der Siebzigerjahre haben Westeuropas Arbeitskräfte im Schnitt 40 Wochenstunden gearbeitet, heute sind es noch 30 Stunden – bei doppelter Produktivität. Die Norm liegt aber weiterhin bei 40 Stunden. Diese wachsende Differenz zwischen Soll- und Ist-Arbeitszeit ist die Mutter aller Blasen.
Es wills bloss keiner merken. Die Ökonomen kennen nämlich nur Konjunktur. Die Idee, dass eine soziale Konvention wie die 40-Stunden-Woche Ursache eines strukturellen Ungleichgewichts sein könnte, übersteigt ihren Horizont.
Dabei erklärt dieses latente Überangebot an Arbeit alles andere: tiefe Löhne, schwache Nachfrage, wenig Investitionen und eine Lawine von Gewinnen. Die US-Firmen haben in den Nullerjahren über 3000 Milliarden Dollar Extraprofit gemacht, die deutschen rund 1000 Milliarden Euro.
Diese Abermilliarden haben erst die Banken fett und frech gemacht und dann den Immobilienmarkt aufgebläht. Als die Blase platzte, musste der Staat für Nachfrage sorgen – der Schwarze Schuldenpeter blieb bei ihm hängen.
Doch statt den Wald zu sehen, pinkeln wir immer nur an den nächsten Baum: an die dubiosen Hypo-Debitoren aus den USA, die geldgierigen Bänkler und jetzt an die faulen Beamten aus Athen.
Wie viele Krisen braucht es noch, bis wir zum Thema kommen?
Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.
- SonntagsBlick