Endstadium Warum der Euro nicht mehr zu retten ist

Die Sparprogramme versetzen den angeschlagenen Euro-Ländern den Todesstoss. Damit werde auch noch das letzte Geld aus den Nationen gepresst, schreibt Wirtschaftsautor Werner Vontobel.

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Die jüngsten Tage haben wichtige Puzzlesteine zu Tage gefördert, die sich zu einem erschreckenden Bild ergänzen. So hat uns etwa Standard & Poor's nicht nur mit einer massiven Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens verblüfft, sondern auch mit diesen Details: Solide deutsche KMU zahlen aktuell 3,8 Prozent Kreditzins, spanische hingegen fast doppelt soviel, nämlich 6,6 Prozent.

Statt zu investieren und neue Kredite aufzunehmen haben diese deshalb per Saldo 161 Milliarden Euro Bankkredite zurückbezahlt. Aus Tokio meldete der Weltwährungsfonds am selben Tag, dass in nur 12 Monaten 300 Milliarden Euro aus Spanien und 235 Milliarden aus Italien abgeflossen seien. Und auch dies passt ins Bild: Weil Griechenland die Steuern erhöhen muss, verlegt Coca Cola seinen Europa-Hauptsitz von Griechenland in die Schweiz.

Was sagt uns das? Es sagt uns, dass die aktuelle Wirtschaftspolitik der EU im Zusammenspiel mit den Kapitalmärkten eine tödliche Wirkung entfaltet: Sie vertreibt mit Hochdruck Kapital aus den ohnehin schwachen Ländern. Der Meccano geht so: Die EU-Kommission befiehlt Griechenland, Spanien, Italien etc. die Sozialleistungen abzubauen und die Arbeitsmärkte zu «flexibilisieren». Das erlaubt den dortigen Unternehmen, die Löhne zu senken, ausserdem fahren sie – mangels Nachfrage – die Investitionen zurück. Wer doch investiert lässt sich mit Steuergeschenken belohnen. Gleichzeitig werden die Preise erhöht.

Das läppert sich. Spaniens Unternehmen etwa zahlen im laufenden Jahr 24 Milliarden Euro weniger Löhne, 26 Milliarden weniger Steuern und investieren 39 Milliarden weniger als 2007. Dennoch konnten sie ihren Umsatz um 26 Milliarden Euro erhöhen. Insgesamt haben sich so gut 10 BIP-Prozent zu den Unternehmen verlagert. Ähnlich verhält es sich auch in Portugal, Irland, Griechenland etc.: Die Sparmassnehmen spülen den Unternehmen und den reichen Familien riesige Gewinne in die Kassen, die sie – wiederum wegen den Sparprogrammen - gar nicht im eigenen Land investieren können.

Das ist übel genug, doch der Kapitalmarkt macht daraus einen tödlichen Teufelskreis: Das Geld fliesst erstens dorthin, wo es am sichersten ist – vor allem in die Schweiz und nach Deutschland. Das senkt dort die Zinsen und erhöht sie in den Schuldnerländern. Zweitens fliesst das Geld dorthin, wo die Steuern am tiefsten sind. Also sicher nicht nach Spanien, Griechenland etc. wo der Staat unter riesigen Arbeitslosenzahlen leidet. Das alles kumuliert sich langsam und führt dann zu einem dritten Effekt: Das Kapital flieht panikartig aus allen – finanziell und industriell abgebrannten - Ländern, die von Abwertung und Umschuldung bedroht sind.

Die Eurozone steckt somit tief in der Falle, die sie sich mit der Währungsunion selbst gebaut hat: Die Schuldnerländer müssten die irren Forderungen der Gläubiger nicht akzeptieren, wenn ihre eigenen Notenbank selber Geld drucken könnten. Sie hätten den Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit mit regelmässigen Abwertungen vermeiden können. Andererseits bräche die Währungsunion jetzt nicht auseinander, wenn Deutschland die Preise nicht Jahr für Jahr weit unter das EU-Niveau gedrückt hätte. Die Staatsfinanzen wären weniger zerrüttet, hätte man den Steuerwettbewerb von Anfang an unterbunden.

Stattdessen verschreibt die EU Sparprogramme. Doch das ist genau die falsche Therapie. Die jüngsten Nachrichten haben einmal mehr gezeigt, dass man damit das letzte Geld aus den Schuldnerländern hinaus presst. Die Eurozone manövriert sich Zug um Zug in den Abgrund.

Mehr dazu unter: Warum die Sparprogramme auch den gläubigern massiv schaden auf Oekonomenstimme.org

Publiziert am 14.10.2012 | Aktualisiert am 14.10.2012
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11 Kommentare
  •   Heinz Knauser aus z.Zeit in Thailand
    15.10.2012
    Der Euro wäre schon lange tot, wenn er nicht künstlich beatmet würde!
    Nur irgend wann geht trotz Beatmung die Luft aus!
    Hoffe nur das die SNB vorher die Euros ab schiebt, wenns sein muss auch mit Verlust.
    Etwas anderes wirds nicht geben.
    Ja da staunt man dass es immer noch uneinsichtige gibt, die unbedingt ins Verderben laufen wollen mit dem Schritt der Schweiz in die EU!
    Nie und nimmer in die EU.
    Die EU hat schon Pickel, die Pest bricht noch früh genug aus!
  • rolf  lehner aus oberuzwil
    15.10.2012
    Und dann gibt es noch die Trottel, namentlich von linker Seite, welche noch heute in die EU wollen!!!
  • Andreas  Hüssy , via Facebook 15.10.2012
    Hier gibts nicht viel zu sagen, ausser: Sie werden wohl recht behalten, Herr Vontobel
  • Peter  Aebi , via Facebook 14.10.2012
    Die Staaten werden immer teurer und verzehren immer mehr Geld. Das treibt die Steuern in die Höhe und die Kaufkraft der Menschen sinkt. Somit wird weniger verkauft. Das heisst es braucht weniger Angestellte. Diese verdienen nicht mehr und die Kaufkraft der Völker sinkt weiter. Die Staaten haben wieder zu wenig Steuereinkommen und erhöhen die Steuern. Das geht schon eine ganze Weile so. Jetzt bricht alles zusammen, logisch!
  • jürg  frey aus teufen
    14.10.2012
    Heute nicht, morgen schon, dann wieder nicht, Rettungsschirm ja, Stock erhöhen, dann wieder zahlen, wieder nicht; wer soll da noch die Übersicht haben und welche Prognose stimmt jetzt?