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Für Griechen und Spanier ist der Euro zum Fluch geworden. Für uns ist er ein Segen. Man stelle sich vor, was im Tessin los wäre, wenn die Lira um 20 oder 30 Prozent abgewertet würde. Auch der französische Franc käme unter Druck, und unser Franken ginge ab wie eine Rakete.
Jetzt ist der Euro zwar etwas billiger, der Dollar aber teurer geworden. Unter dem Strich hat sich der reale Wechselkurs des Frankens nur zwei Prozent nach oben bewegt. Kein Grund zur Beunruhigung für unsere Exportwirtschaft.
Dabei musste die Nationalbank allerdings etwas mithelfen. Sie hat für rund 80 Milliarden Franken Wertschriften in Euro und Dollar gekauft und damit unsere Währung bewusst geschwächt.
Also alles paletti? Nein, eigentlich müsste der Frankenkurs noch viel weiter steigen, damit unsere Handelspartner die Chance haben, ihre Defizite uns gegenüber abzubauen. Indem unsere Nationalbank die Devisenmärkte aber daran hindert, normal zu reagieren, vergrössert sie globale Ungleichgewichte.
Die Schweiz hat im Krisenjahr 2009 einen Haushaltsüberschuss erzielt, wir haben den hohen Exportüberschuss sogar noch weiter erhöht und als Erste die Rezession überwunden. Warum? Weil wir als kleines Land von den Konjunkturprogrammen der grossen Länder profitieren.
Die Schweiz, ein Trittbrettfahrer. Allmählich fällt es auf.
Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.
- SonntagsBlick