Löhne Die Angst vor der Inflation

  • Publiziert: 09.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Werner Vontobel

Bei der Diskussion um die Lohnrunde 2008 geht einiges drunter und drüber. So wird etwa die Wirkung der hohen Ölpreise stark überschätzt. Anders als die Nationalbank behauptet, muss niemand Verzicht leisten. Den teuren Importen zum Trotz rechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft für 2008 mit 1,9 Prozent realem Wachstum. Es gibt also durchaus etwas zu verteilen.

Auch die Warnung vor einer Lohn-Preis-Spirale ist völlig unbegründet. Erstens müsste es, wenn schon, Preis-Lohn-Spirale heissen. Wie die neuen Zahlen von Nestlé zeigen, sind die Unternehmen offenbar weiterhin in der Lage, die Preise noch schneller zu erhöhen als ihre Lohn- und andere Kosten zunehmen.

Zweitens gibt es bisher keinerlei Anzeichen einer Spirale. Gemessen an der aktuellen Inflationsrate von 3,1 Prozent sind die Lohnforderungen
der Gewerkschaften äusserst moderat. Um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen, müssten die Gewerkschaften jetzt mit Forderungen von deutlich über 5 Prozent in die Verhandlungen einsteigen. Doch damit würden sie sogar der eigenen Basis zu viel zumuten. Schon die Forderung nach 4,5 Prozent hat in der Travailsuisse-Zentrale eine Flut von besorgten bis empörten Anrufen ausgelöst.

Die Angst vor der Inflation ist stärker als die Inflation selbst.

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Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.

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